Blicke auf die Zwischenzone

Dass das Werk von Wolfgang Keuchl überdauern kann, liegt Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden besonders am Herzen. Bild: peg

Ist das noch Kunst - oder kann das schon weg? Die Ausstellung "Wer sich setzt, ruht nicht", die der Kunstverein Weiden anlässlich des 10. Todestags von Wolfgang Keuchl zusammengestellt hat, ruft einen Künstler aus der Oberpfalz in Erinnerung, dessen Nachlass vor sich hindämmert und auf den Dornröschenkuss wartet.

Mit der Kunst ist es fast so wie in der Buchhaltung: Es gibt zwei Rubriken, unter denen sie sich einordnen lässt. Zeitgenössische Kunst, die ist in Galerien zu sehen. Die Kunst der Vergangenheit aber wird in Museen präsentiert. Beide Institutionen erfüllen eine Filterfunktion und übernehmen dabei die Aufgabe, nach Qualitätskriterien zu selektieren. Während die Galerie aber insbesondere auf die Bedürfnisse des Marktes schielt, so hat das Museum höhere Werte zu berücksichtigen - und Fragen zu beantworten, ob das, was gesammelt werden soll, von Wichtigkeit für die Gesellschaft ist.

Gegenwart und Historie

Es gibt aber auch jene Kunst, die nicht mehr heutig und noch nicht gestrig ist - die also gewissermaßen in der Zwischenzone von Gegenwart und Historie zu Hause ist (der Historiker spricht in diesem Zusammenhang von Zeitgeschichte). Was soll mit der geschehen? Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden formuliert solche Fragen, wenn er vom Werk des Wolfgang Keuchl (1952-2005) spricht. Dessen Nachlass wird in Regensburg verwahrt - und geht man durch die Ausstellung im Kunstverein in Weiden, so sieht man an manchen Arbeiten, dass der Zahn der Zeit an ihnen arbeitet.

Da ist manches welliger geworden im Lauf der Zeit und das, was einst weiß war, heute vergilbt. Eigentlich, da ist sich der Kunstvereinsvorsitzende einig mit Sammlern und Kennern der Szene, ist das ein unhaltbarer Zustand: Dass das Werk eines in den 80er und 90er Jahren bedeutendsten Künstler der Oberpfalz dem drohenden Verfall preisgegeben ist.

So ist diese Ausstellung im Kunstverein auch als eine Art von Wiederbelebungsversuch zu verstehen, weshalb bei der Vernissage am Freitag NT-Kulturchef und Kurator Stefan Voit im Gespräch mit Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler von der Kunstpartner Galerie in Adlmannstein genau dieses Thema erörterte. Und Einigkeit erzielte, dass sich regionale Sammler ebenso wie Institutionen solcher Problemstellungen anzunehmen hätten.

2016 Ausstellung in Amberg

Bei Ambergs Kulturreferent Wolfgang Dersch und Kuratorin Michaela Grammer laufen sie damit offene Türen ein. Denn für kommendes Jahr planen die beiden, die sich ebenfalls unter die zahlreichen Vernissagen-Gäste gemischt hatten, ohnehin eine große Keuchl-Retrospektive in der Stadtgalerie Alte Feuerwache - und wollen damit dem Sohn der Nachbarsgemeinde Kümmersbruck ihre spezielle Referenz erweisen.

Ist die Kunst des Wolfgang Keuchl nun ihrerseits eine, die schon der Vergangenheit angehörte? Ganz bestimmt ist sie, was die Wahl der Medien anbelangt, eine, die typisch ist für ihre Entstehungszeit. Keuchl verstand sich nicht nur als Maler, er war in erster Linie Fotograf. Und als solcher griff er natürlich auf jene Möglichkeiten zu, die das analoge Zeitalter zu bieten hatte.

Die großformatigen Polaroids aber, auf denen er die titelgebenden Sitzgelegenheiten abbildete, sie lassen uns heutige Digitalisten trotzdem staunen: Weil diese Technik, die übrigens nur in Offenbach und in Prag zur Verfügung stand, dem Sofortbild eine solche Größe verpasste, dass wir nur ungläubig den Kopf schütteln können. Von unseren Minibildschirmen auf Handys und Tablets kennen wir ein solches Format gar nicht mehr. Und: Gerade das Multiperspektivische, der Wechsel von Blickachsen, von Ausgangs- und Fluchtpunkten, vermag auch das Auge von uns Heutigen zu begeistern.

Die Ausstellung "Wolfgang Keuchl: Wer sich setzt, ruht nicht" ist noch bis 22. März im Kunstverein Weiden (Ledererstraße 6) zu sehen. Öffnungszeiten: Sonntag 14 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Absprache (0961/46308).
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