Böse Puppen und ein stinkender Fisch

Die Likörflasche auf dem Tisch löst am Ende das Rätsel in der launigen Kriminalkomödie "Fisch zu viert" auf, ob Charlotte (Claudia Lohmann), Cäcilie (Waltraud Janner-Stahl) und Clementine (Doris Hofmann, von links) und/oder Diener Rudolf (Christian Hofmann) vergiftet wurden. Bild: T. Schwarzmeier

Rudolf ist am Ende. Ein körperliches und geistiges Wrack. Der in die Jahre gekommene Diener will nur noch weg. Doch von dem Auskommen, das ihm seine drei Damen versprochen haben, wollen diese nichts mehr wissen. Also flugs in die Küche, und einen Hecht zubereitet - nach einem ganz speziellen Rezept.

Nicht nur dieser Fisch stinkt vom (verdorbenen) Kopf her. Die Beziehung von Charlotte, Cäcilie und Clementine zu ihrem - einst durchaus liebevoll behandelten - Butler hat sich bis auf die Knochen abgenutzt. Im Laufe der Handlung der Kriminalkomödie "Fisch zu viert" versuchen die Protagonisten der Inszenierung des Landestheaters Oberpfalz nicht einmal mehr, ihre gegenseitige Abscheu zu verbergen. Die gekünstelte Freundlichkeit weicht bald purem Hass. Es ist amüsant, wie Rudolf mühsam versucht, seine Contenance zu bewahren und schon im nächsten Satz die Drohungen ausstößt, seine Liebschaften mit jeder der drei öffentlich zu machen. Die Brauerei-Erbinnen reagieren darauf mit halbseidenen Beschwichtigungen, beißendem Spott, beleidigender Ignoranz oder Unverständnis.

Echt an all dem ist kaum mehr als Rudolfs Husten. Darsteller Christian Hofmann erkrankte in der wichtigen Endphase der Proben, kämpfte sich in der Premiere am Samstag aber zu einer bravourösen Meisterleistung durch. Kleinere Unebenheiten überspielt das muntere Quartett mühelos.

Leuchtenberger Puppenkiste

Überhaupt wirkt die komplette Landestheater-Inszenierung wie ein böses Puppentheater, in dem ständige Stimmungsumschwünge und krasse Wendungen an den Fäden der Figuren ziehen. Die Kulisse auf der Regionalbibliothek-Bühne, eine farbig beleuchtete Rückwand mit verziertem Rand, verstärkt den Eindruck einer Puppenkiste. Regisseurin Birgit Bagdahn lässt ihre Schauspieler in einigen Szenen Bewegungen und Mimiken abgehakt und künstlich ausführen. Dies erweckt - verstärkt durch eine umwerfende Tim-Burton-Ästhetik aus skurrilen Kegel-Frisuren, witzig auftragenden Blusen und Reifröcken sowie Schattenspielen - einen unwirklichen Eindruck. Dies passt dazu, weil die drei älteren Damen ihre fragwürdigen Lebenskonzepte hinter falschem Lächeln verbergen, während sich ihr Alltag so eingeschliffen hat, dass sogar das Teetrinken synchron abläuft.

Bei den Schwestern gefällt das Spiel mit den Farben: Charlottes (Claudia Lohmann) Haar ist schwarz - nüchtern wie die Tinte unter den knallharten Verträgen ihrer Bier-Dynastie. Die rothaarige Cäcilie (Waltraud Janner-Stahl) trauert wer weiß wie lange einer Fast-Romanze mit einem Rittmeister - mit ebenso rotem Federbusch auf der Pickelhaube - hinterher. Clementine (Doris Hofmann), obwohl längst nicht mehr taufrisch, hat ein kindliches Gemüt und die gleichen lilafarbenen Haare wie ihre Puppe.

Schließlich schmieden die in die Enge getriebenen Schwestern Mordpläne. In der Nacht, in der jede mit Arsen zu Rudolfs Likör-Flasche schleicht, nimmt die Boulevard-Komödie Fahrt auf. Die Regisseurin mixt unter die zynischen Dialoge viel Slapstick, etwa mit Otto-Waalkes-Schleichtechniken und der überraschend starken Wirkung von Baldrian auf Clementine.

Gruselige Referenz

Der Majordomus schlägt tags darauf zurück. Mit dem Kochlöffel. Der leckere Hecht zum Mittagessen ist so verdorben, wie die vier Verlierer. Die müssen sich nun alle fragen: Wurden wir nun vergiftet oder nicht? Nach anderthalb schwarzhumorigen Stunden mit verspritztem Gift und satirischen Spitzen - und ehe die Komödie mit einem Paukenschlag endet - gelingt Bagdahn ein kurzer, schwereloser Moment. Rudolf spielt mit erschreckendem wahnsinnig-entrücktem Blick auf dem Piano (wie einst Hans Clarin im Edgar-Wallace-Krimi "Das indische Tuch") und krönt damit einen rundum unterhaltsamen Theaterabend.

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Weitere Termine: 20./21./26./28. März. Teilweise nur Restkarten. Zusatztermin am 29. März. Karten beim NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/85550 und 09621/306230).
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