Bruch mit der Tradition

Im Neuen Rathaus ist unter anderem dieser "Zerbrochene Pfeil" von Jana Houserova zu sehen. Bilder: Kempf (2)

"Ohne Kultur ist alles nichts." Fast kämpferisch zeigt sich Sven Hauschke, Leiter des Europäischen Museums für Modernes Glas in Coburg, als er den Veranstaltern bei der Eröffnung der Glasausstellung bei den letztmals stattfindenden Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstagen dankt.

Eine Retrospektive zeigt bis 28. März von der Stadt über Jahre angekaufte Glaskunst-Objekte. Umrahmt wird die Ausstellung im Sitzungssaal des Neuen Rathauses von Gemälden und Skulpturen von Künstlern des Pilsener Kunstvereins "uvu" wie Milos Hausner oder Sika Vaclav, der die Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstage über Jahre begleitete. Der Werkstoff "Glas" verbindet Bayern und Böhmen seit Jahrhunderten. Renommierte Glas-Künstler aus Deutschland und Tschechien präsentieren in gemeinsamen Ausstellungen ihre Exponate in Weiden: Schalen, Vasen, Tropfen, Schiffe, Engel, Fantasiewesen und abstrakte Objekte in allen denkbaren Farben und Formen.

Ausschließlich Profis

Geschliffenes, geblasenes, gepresstes oder geschmolzenes Glas oder mit Draht oder Stein verbunden, füllt Jahr für Jahr das Foyer des Neuen Rathauses. Die Künstler sind allesamt Meister ihres Fachs: Milan Handl lehrte in den USA und Spanien, ist heute als freischaffender Glaskünstler tätig. Franz Xaver Höller gilt international als einer der Meister der Glasgravur. Ursula Merker war Gastdozentin in Deutschland, Tschechien, Frankreich, England, der Türkei und Estland.

1980 schuf sie ihre erste Glas-Skulptur und entwickelte eine Technik, um das Mattieren von Glas in ein Gravieren zu steigern. Der 2013 verstorbene Jirí Harcuba gilt als einer der großen Glaskünstler, 2007 erhielt er den "GAS Lifetime Achievement Award". Die tschechische Glaskünstlerin und -designerin Ivana Houserová studierte an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag bei Stanislav Libenský.

Künstlerische Erfahrung und Impulse erhielt sie an der Pilchuck Glass School in Pilchuck/Washington bei Jirí Harcuba und Ronald Pennell. Sie unterrichtet Studenten im Glasschneiden und -schleifen. Jörg F. Zimmermann absolvierte eine Lehre in einem Handwerksbetrieb in Schwäbisch Gmünd und studierte dort an der Fachhochschule für Gestaltung. Seit 1968 arbeitet er als freiberuflicher Industriedesigner und lehrt seit 1976 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart im Fach Glasgestaltung.

1991 feierten die Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstage Premiere. Die zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungen sowie die hochkarätige Glasausstellung zogen viele Besucher an. Weiden machte sich einen Namen als Bindeglied zwischen Bayern und Tschechien. 2014 war Schluss. Knappe Finanzen machten Sparmaßnahmen notwendig und die Veranstaltungsreihe blieb auf der Strecke. Heuer wird sie einmalig "wiederbelebt" - mit Werken, die die Stadt über Jahre ankaufte.
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