Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks unter Karl-Heinz Steffens würdigen Reger und Brahms
Magie und Macht der Musik

Kultur
Weiden in der Oberpfalz
09.05.2016
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weiß zu feiern: Den Frühling auf dem Festplatz, die große Musikerpersönlichkeit der Stadt in der ausverkauften Max-Reger-Halle. Das Konzert von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit dem Bariton Michael Volle zum 100. Todestag Regers am 11. Mai wurde zu einem kulturellen Ereignis der seltenen Art.

Der Förderkreis für Kammermusik hatte das Event mit großem Einsatz arrangiert, das Programm mitgestaltet. Für den erkrankten Franz Welser-Möst sprang Karl-Heinz Steffens ein und lieferte in München und Weiden seine Visitenkarte ab, die zu einer Empfehlung für höhere Weihen taugt.

Wendung ins Positive


Das Programm war eines Todestages mehr als würdig. Und - notabene - zwei Galionsfiguren der "absoluten Musik" ordnen hier die Struktur des Werks einem literarischen Programm unter, gerade Reger komponierte sein Opus 144b in hautnaher Tuchfühlung mit dem Textausdruck. Erst aber von Regers Vorbild Brahms die "Tragische Ouvertüre" op. 81. Tragik, keine Tragödie, ein ernster entschlossener Blick nach vorne, keine depressive Verzweiflung. Dann Regers düsteres Hebbel-Requiem op. 144b, geschrieben wie in Vorahnung des Todes. Mit der nicht-liturgischen Vorlage "Seele, vergiss nicht die Toten" (Weidens Seelen haben Reger nie vergessen!) bleibt sich der exkommunizierte eher kirchenferne Katholik treu. Nach der Pause von Brahms die lichte, schier in freier Natur angesiedelte 3. Sinfonie F-Dur op. 90 und sein "Schicksalslied" op. 54 nach Hölderlin. Brahms wendet dessen Textaussage mit abgeklärt-gelassener Weisheit ins Positive, der ätherische C-Dur-Schluss legt es nahe.

Was für ein Orchester ...


Man weiß das Orchester des BR unter den weltbesten. Die famosen Musiker zeigen ihre atemberaubende Klasse und ihr Gespür für Hochromantik, das über coole Perfektion weit hinausreicht: Karl-Heinz Steffens entfacht Leidenschaft und kontrollierte Hitze bis zur Weißglut, anders als in Walhall kommt es glücklicherweise nicht zum Brand der Regerhalle. Das im Pianissimo wie im Forte blitzsauber geschmiedete hohe wie tiefe Blech, das hochkultiviert gewachsene Holz, die makellosen, warm intonierenden Streicher, die sonore Erdung durch die geschmeidige, außerordentlich bewegliche Bassgruppe, der unglaublich homogene immer transparente und schlierenfreie Gesamtklang, das alles sucht seinesgleichen.

... welch ein Chor


Einen sensationellen Auftritt legt der von Michael Gläser einstudierte Chor hin. Vom durchschlagenden Forte der ausgesprochen anspruchsvollen Reger-Partien bis zum überirdisch entmaterialisierten Pianissimo bei Brahms dürfen wir eine phänomenale Stunde der Chorkultur auf Weltklasse-Niveau erleben. Das geht so tief unter die Haut, wie es früher nur dem legendären Stockholmer Rundfunkchor unter Eric Ericson gelang.

Eine umfassende Reger-Dämmerung ist überfällig, möchte man nach seinem bestürzenden Requiem meinen. Steffens dreht kundig an den Schalthebeln der Klangmacht, öffnet neue Sphären, macht tief betroffen. Klar, gefasst, präsent und ohne Rührseligkeit führt der schlanke Bariton von Michael Volle quasi den Trauerzug an. Nicht frömmelnd-plakativ, sondern weit weg, wie eine vage Erinnerung schimmert dann der Choral "Wenn ich einmal soll scheiden" durch. Der Geist, die Werke leben fort. Ovationen in Orkanstärke.

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Weitere Informationen:

www.br-klassik.de
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