"Christian Willisohn beim Auftakt der ""Klein & Kunst""-Reihe in der Max-Reger-Halle Weiden"
Im Spielrausch der Extraklasse

Der begnadete Blues-Pianist Christian Willisohn verzückte am Donnerstagabend beim Auftakt der neuen "Klein & Kunst"-Reihe in Weiden. Bild: Stiegler

Er lässt sich kaum noch bremsen: Christian Willisohn fordert das Klavier zum Auftakt der diesjährigen "Klein & Kunst"-Reihe in der Max-Reger-Halle. Und auch Pippi-Langstrumpf-Fans kommen auf ihre Kosten.

Es gibt Menschen, bei denen es das Schicksal äußert gut meint mit der Verteilung des Talents. Christian Willisohn ist so einer: Nicht nur, dass er ein begnadeter Pianist ist. Nein, auch stimmlich muss er sich wahrlich nicht verstecken. Das merken die Zuhörer am Donnerstagabend im Untergeschoß der Max-Reger-Halle schon nach wenigen Minuten. Die "Klein & Kunst"-Reihe erlebt in ihrer dritten Saison einen Auftakt nach Maß: Ein volles Haus, ein toller Künstler und ein begeistertes Publikum.

Durch und durch sympathisch

Es ist ein durch und durch sympathischer Kerl, der sich da ans Klavier setzt. Den Hocker in Form eines Schafs (oder ist es doch ein Stier?) hat er selbst mitgebracht. Intensiv, ja fast intim, wird die Beziehung zwischen dem Künstler und seinen Zuhörern. Nach über zwei Stunden sind sie alle zu Willisohn-Fans geworden. Was wiederum auch nicht sonderlich verwundert, gehört der 53-Jährige doch zur ersten Garde der deutschen Blues-Pianisten. Den Grundstein dafür hat er als 18-Jähriger mit Auftritten in der Clubszene seiner Geburtsstadt Münchner gelegt.

Es tut sich gehörig etwas auf der Bühne: Kopf und Füße des Musikers sind stets in rhythmischer Bewegung und seine Augen, auch beim schnellen Rhythmuswechsel und atemraubenden Tempo, hält er meist fest zusammengekniffen geschlossen. Da gleitet jemand in einen Spielrausch der Extraklasse, so ähnlich muss es sich wohl anfühlen, wenn man in Trance ist. Solch einen Pianisten sieht und hört man nicht alle Tage, allein das Zuschauen und Verfolgen der Finger macht schwindlig.

Blues, Jazz, Boogie und kleine Gospelausflüge - das ist das Metier von Christian Willisohn. Das Instrument ist das Eine, aber dann ist da ja auch noch seine Stimme, sonor, etwas angeraut, irgendwo angesiedelt zwischen Bariton und Bass. So singt Willisohn über Schafe, die nicht einschlafen können. Er haucht dem "Honky Tonk Train Blues" von Lux Lewis ewiges Leben ein. Und er macht einen John Hiatt bei "Have a little faith in me" fast vergessen. Doch Willisohn ist nicht nur Musiker, er hat auch Entertainer-Qualitäten, lässt durch Gestik und Mimik seinen Witz immer wieder aufblitzen. Oder sorgt für ein Lächeln im Publikum, wenn er das Mikro während des Klavierspielens mit der Stirn zur Seite schiebt, um ganz mit dem Tasteninstrument zu verschmelzen. Und der auch die Zuhörer immer wieder zum Mitsingen animiert und so einen stimmlich durchaus respektablen Chor ins Leben ruft.

Latte sehr hoch gelegt

Höhepunkt des Abends: Die über 20-minütige rasante Klavierimprovisation, in die auch die Titelmelodie des Fernsehklassikers "Pippi Langstrumpf" einfließend darf. Da fliegen Finger über die Tasten, wie man es zuvor wohl noch nicht gesehen hat. Die "Klein & Kunst"-Reihe steht erst am Anfang, aber Willisohn hat die Qualitätslatte für die weiteren Künstler verdammt hoch gelegt. Der Schlussapplaus beweist es!
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