Das Georgische Kammerorchester und Radek Baborak begeistern bei Weidener Meisterkonzerten mit ...
Wolfgang Amadeus atmet wieder

Dirigent und Hornist Radek Baborak und das Georgische Kammerorchester bereiten dem Publikum bei den Weidener Meisterkonzerten in der Max-Reger-Halle einen überzeugenden Klassik-Abend. Bild: Otto
Die nun am Donaustrand in Ingolstadt ansässigen Musiker hatten am Freitag bei den Meisterkonzerten in der Max-Reger-Halle ein ausgewogenes Mozart-Programm geschnürt: Das Divertimento D-Dur KV 205 (Jugendwerk), das Hornkonzert KV 417 (Reifezeit) und die Sinfonie g-Moll KV 550 (Spätwerk). Radek Baborak, der Chef des Orchesters bläst dabei superb das Horn und führt souverän den Taktstock.

Er provoziert die zum guten Ende übliche Zugabe schon vor der Pause: Ein delikates Horntrio von Anton Reicha (1770-1836), geblasen zusammen mit den Orchesterkollegen. Schon bei den ersten Tönen der "Corno-Principale"-Stimme im vorangegangenen Es-Dur-Konzert stellt er klar: Hier ist ein Hornist der obersten Liga zu Werke.

Nuancierte Feinarbeit

Ohne effekthaschende Kraftmeierei, ohne protziges Geschmetter, ohne eitles Solistengehabe bläst er den heiklen Part makellos, ausziseliert und mit hinreißender musikalischer Gestaltung. Vordergründig laut klingt sein Horn nie, aber ungemein raumfüllig, hinreißend samtig-rund und unglaublich sämig-weich. Die Kollegen begleiten ihren Chef aufmerksam, sympathisierend und lassen auch Mozarts witzigen Spirit spüren. Aus der ruhigen Überlegenheit kommt Baboraks Kraft, am Horn wie am Pult. Auch in der Rolle als Dirigent hat er sein Team von den Vorzügen nuancierter Feinarbeit überzeugt. Die Motive und Themen haben Sinn, Verstand und Ziel. Beim eingangs gebotenen Divertimento findet man sich nach ein paar Dutzend Takten Anlaufzeit bestens zusammen, die Bläser eingenordet, die schnellen Passagen scharf gestellt. Wir dürfen wieder einmal Mozart bewundern: Auch ohne 2. Violinen schafft er ein ausgewogenes Klangbild. Die Stimmführer von Violine und Viola dürfen im Adagio auch mal solistisch, eine geschmackvolle Schattierung. Sie schönen die Töne etwas zu sehr mit Vibrato statt mit Bogen-Klangfinessen. Die präsenten Bratschen feiern ihre Auferstehung. Sie schlüpfen gleich in zwei Rollen, einmal supplieren sie frech die 2. Violinen, dann sind sie wieder ganz die guten alten Bratschen. Immer darf man die vitale und elegante Bassgruppe bewundern, die ein hervorragendes Fundament liefert.

All seine Qualitäten zeigt das Orchester dann in der berühmten g-Moll-Sinfonie KV 550, diesmal geboten in der 1. Fassung ohne Klarinetten. Mozarts Alltag war im Sommer 1788 von Geldsorgen und Depression geprägt. Diesen düsteren Zug stellen die Musiker dar, ohne ihn theatralisch-pathetisch zu überhöhen.

Hervorragender Lehrmeister

Die bestens ausbalancierte Interpretation Baboraks meidet die Extreme (Tempowahl), meidet herbe Schroffheiten (Artikulation), sie verharmlost aber nicht. Bläser können es, Streicher können es lernen: Das Atmen, Musik zu empfinden und zu gestalten wie ein Sänger. Sie alle haben in Radek Baborak einen hervorragenden Lehrmeister. Alles ist einheitlich weich gesprochen und gesungen. Wir hören, wir verstehen, wir gehen mit, wir sind begeistert.
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