Das Jazzseminar ist auch beim 14. Mal ein Magnet für Musiker aus nah und fern
Weiden hat wieder den Groove

Nicht nur bierernst: Beim Proben der Combos begegnen sich konzentriertes Arbeiten und eine unbändige Spielfreude auf Augenhöhe. Bild: otj

Es geht um Bebop, Hardbop, Latin oder Fusion - Fremdwörter für Laien, essenziell für ambitionierte Jazzer. Genauso vielfältig wie die Genres sind auch die Musiker, die sich bereits zum 14. Mal in Weiden treffen, um beim Jazz-Seminar Neues auszuprobieren, zu lernen und die Grenzen neu auszuloten.

Am Dienstagnachmittag empfängt einen ein Klangwirrwarr beim Betreten der Franz-Grothe-Schule. Die insgesamt sieben "Combos" sind mitten in den Proben der Stücke, die sie beim Absolventenkonzert auf die Bühne bringen. Weiden hat wieder einmal den Groove.

Hinter Tür E04 ist gerade Combo 4 mitten in den Proben. Dozent Thomas Stock zählt an, und die Instrumentalisten konzentrieren sich auf ihre Einsätze - oft sind es Nuancen, die über die Qualität eines Stückes entscheiden. Aber trotz dieser nötigen Akribie - Albert am Kontrabass, Wolfgang und Dario an der Gitarre und Matthias am Schlagzeug haben offensichtlich einen Riesenspaß.

Als Drummer Matthias in seiner selbstversunkenen Konzentration ein Stick aus der Hand rutscht und durch das halbe Zimmer fliegt, gibt es keine bösen Blicke, sondern freundliche Lacher. Vielmehr wird sein Improvisationstalent goutiert, als er mit den Fingern weiter im Takt bleibt. Überhaupt wird während der und zwischen den Songs angeregt kommuniziert - oft ohne Worte, dafür mit Blickkontakt und Zunicken.

Die Combo um Thomas Stock hat sich drei anspruchsvolle Stücke vorgenommen. Gerade ist "Bolivia" von Cedar Walton in der Pipeline. Neben diesem Klassiker des Hardbop stehen noch "Ornithology" von Bebop-Legende Charlie Parker und die Latin Groove-Nummer "Little Sunflower" von Freddie Hubbard.

Wieder ausverkauft


Alle drei Stücke verlangen den Musikern ein großes Können ab. Das wurde bereits bei der Auswahl der Songs berücksichtigt. "Wir stellen die sieben Combos nach Leistungsstand zusammen und wählen dementsprechend die Nummern aus", erklärt Thomas Stock. "Ein weniger erfahrener Musiker wäre frustriert, wenn er immer den anderen hinterherlaufen müsste." Das Konzept "jeden abzuholen und mitzunehmen" geht nun schon seit 14 Jahren auf. Das Jazzseminar ist ein Erfolgsformat. Auch in diesem Jahr waren die Plätze ausverkauft. Mehr als die 55 Teilnehmer würden dem Anspruch nicht gerecht werden - und das bedeutet: Jeder soll etwas mitnehmen.

Dafür sorgen hochkarätige Dozenten: Susanne Schönwiese (Gesang/ Neustadt a.d. Aisch), Norbert Ziegler (Blechbläser/Straubing), Juri Smirnov (Holzbläser/Nürnberg), Gerhard Kraus (Gitarre/USA), Michael Flügel (Piano/Fürth), Markus Fritsch (E-Bass und Kontrabass/Regensburg) und Thomas Stock (Drum-Set/ Franz-Grothe-Schule). Deswegen gibt es neben dem Proben an den Stücken auch etwas härteres Brot zu kauen: "Die Harmonienlehre ist besonders wichtig, gerade bei nicht so erfahrenen Instrumentalisten, wenn es ans Improvisieren geht", erklärt Stock.

Bis Donnerstag sitzt's


Bei den Cracks aus Stocks Gruppe funktioniert das alles schon ziemlich gut - Gitarrist Wolfgang zitiert während "Bolivia" beispielsweise Parts aus "Birdland", einem Stück der Formation "Weather Report" - großes Kino. Auch wenn kleine Wackeleien oder verzögerte Einsätze passieren, dann wird das mit ein, zwei Sätzen aus der Welt geschafft. Man darf sicher sein: Am Donnerstag im "Bistrot Paris" klappt's mit Cedar, Charlie und Freddie wie am Schnürchen.
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