Das "Jilman Zilman Quartett" aus Augsburg gastierte beim Jazz-Zirkel Weiden
Gegen den modischen Zeitgeist

"Jilman Zilman" - vier Musiker, die aus der Tradition des Jazz kommen, sich ihr aber nicht sklavisch verpflichtet fühlen und einen eigenen Stil entwickelt haben. Bild: Reitz
Im vergangenen Jahr hat das "Jilman Zilman Quartett" aus Augsburg den LAG-Jazzpreis gewonnen. Der Lohn: kein Geld, dafür aber die Möglichkeit zu einer Tour durch Bayerns Jazzclubs die nun auch zum Jazz-Zirkel nach Weiden führte.

Seit fünf Jahren besteht das "Jilman Zilman Quartett" rund um den 1984 in Augsburg geborenen Schlagzeuger Tilman Herpichböhm. Die Musik ist beeinflusst vom New Yorker Saxophonisten John Zorn und dessen "Masada Quartet". Auch der Bandname nimmt auf John Zorn Bezug: seine Anfangsbuchstaben werden vor den Vornamen von Bandleader Tilman Herpichböhm gesetzt. In den vergangenen Jahren machte das Quartett schon bei diversen Wettbewerben auf sich aufmerksam und wird als vielversprechender Newcomer in der Szene gehandelt.

Das junge Quartett fühlte sich sichtlich wohl im angenehmen Ambiente des Bistro Paris und präsentierte in bester Spiellaune seine ureigene Musik, verwurzelt in der Tradition, aber angereichert mit Elementen aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen.

Auf dem Programm standen ausschließlich Eigenkompositionen mit oft skurrilen Titeln. Da gab es gemütlich dahin swingende, einschmeichelnde Melodien, die in Klangcollagen und Eruptionen aus der Freejazz-Ära mündeten. In ironischen und hintergründigen Ansagen stimmte Bandleader Tilman Herpichböhm das Publikum auf die kommenden Ereignisse ein, etwa auf eine Suite zum Thema "Titanic" wobei er offen ließ, was sich dabei auf den legendären Luxusdampfer oder die Satirezeitschrift bezog.

Zwei Altsaxofone

Außergewöhnlich auch die Besetzung mit zwei Altsaxofonen, Kontrabass und Schlagzeug und der völlige Verzicht auf ein Harmonie-Instrument. Am Anfang steht meist ein eingängiges, swingendes Bass-Motiv, behutsam unterlegt von Akzenten auf dem Schlagzeug, wobei Hand-Percussion, Rim-Schläge, Besen und filigrane Beckenarbeit das Klangbild prägen.

Julian Bossert und Johannes Ludwig spielen nicht nur die gleichen Instrumente, auch die Themen werden oft unisono intoniert, um dann in spontane Improvisationen zu münden, wobei es auch zu Freejazz-Ausbrüchen im Geiste des legendären Yosuke Yamashita Trios kommen kann.

Die Gruppe überzeugt durch ein luftiges, durchsichtiges Klangbild und lässt Erinnerungen an Ornette Coleman oder Jimmy Giuffre wach werden. Meditativ wird es, wenn Peter Christof in einem entschleunigten Bass-Solo zum Bogen greift und mit Flageolett-Effekten und Pausen die Töne genüsslich ausspielt. Auch Tilman Herpichböhm lässt sich bei solistischen Passagen viel Zeit, um Töne und Klänge zu entwickeln, ausufernde Trommelorgien sind nicht seine Sache.

Mutig auch die Entscheidung, beim Konzert in Weiden mit Ausnahme eines kleinen Bass-Verstärkers vollständig auf elektronische Klangmittel zu verzichten. Der natürliche Klang der Instrumente ist Balsam für die Gehörgänge und liegt so gar nicht im aktuellen Trend. So gab es als Zugabe ein Stück mit dem provokanten Titel "Synthetikscheiß" ein Begriff, der aber keinesfalls zur Musik dieses Abends passte.
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