Das Landesjugend-Jazzorchester Bayern mit Gaststars beim Jazz-Zirkel-Weiden: ein Abend mit ...
Unbändige Spiellaune und brasilianisches Temperament

Im Landesjugendjazzorchester Bayern unter der Leitung von Harald Rüschenbaum haben junge Musiker die Chance, auf höchstem Niveau die ersten Schritte in eine Profi-Laufbahn zu machen. Bild: Reitz
"Bavarian First Herd", in Anlehnung an Woody Hermans "First Herd", so nannte Dusko Goykovich seine junge Mannschaft, als er vor 27 Jahren die Leitung des Landesjugendjazzorchesters Bayern übernahm. Unvergesslich der erste Auftritt des Orchesters 1991 beim Sommernachtsfest des Weidener Jazz-Zirkels im Biergarten Strehl, bei dem auch der gerade aus Lettland emigrierte Saxofonist Jouli Smirnov spontan auf die Bühne stieg.

Echte Talentschmiede

Seit 1993 ist Harald Rüschenbaum der künstlerische Leiter dieses einzigartigen Klangkörpers, der sich mittlerweile als Talentschmiede für zahlreiche junge Musiker erwiesen hat. Keines der Mitglieder ist älter als 25, und Rüschenbaum versteht es, die unbändige Spiellaune und Begeisterung seiner jungen Musiker zu bündeln.

Mit fünf Saxofonen, vier Posaunen und vier Trompeten verfügt das Orchester über einen gewaltigen Bläsersatz, und auch die Rhythmusgruppe ist mit Klavier, Gitarre, Bass, Schlagzeug und zwei Percussionisten stark besetzt.

Immer wieder verpflichtet das LJJB auch renommierte Gastdozenten, und diesmal lag der Schwerpunkt auf brasilianischer Musik. In nur einer Woche intensiver Proben wurde ein Programm erarbeitet, das völlig auf eingefahrene Standards verzichtet und vom ersten bis zum letzten Ton voller Spannung war. Marco Lobo, vor 50 Jahren in Bahia geboren, ist ein virtuoser und vitaler Musiker, der neben der herkömmlichen Percussion auch allen nur erdenklichen Gegenständen Klänge und Geräusche entlockt. Da werden Schläuche, Plastikflaschen, Keksdosen zu ungewöhnlichen Klangerzeugern, und natürlich benützt er das ganze Arsenal von Bongos, Congas, Rasseln, und gibt so dem Orchester einen individuellen Sound. Glanzlichter sind ein Solo auf dem Berimbau, dem typischen brasilianischen Instrument, und eine Percussionnummer mit allen rund dreißig Teilnehmern, wobei auch das anfangs noch etwas zaghafte Publikum einbezogen wird, ein Stück mit ungeheurer Dynamik und Intensität.

Vokalsextett begeistert

Kim Nazarian genießt mit ihrer Gesangsgruppe "New York Voices" Weltruhm und hat gemeinsam mit ihrem Ehemann Jay Ashby schon viele Projekte initiiert. Mit "No more Blues" (Chega de Saudade von Carlos Jobim) und Billy Strayhorns "Lush Life" präsentierte sie zwei Songs, die unter die Haut gingen. Im Mittelpunkt stand aber die Vokalgruppe mit fünf Sängerinnen und einem Sänger, mit der sie innerhalb einer Woche einige Nummern erarbeitet hatte. Da gab es eine Symbiose von "Take the A-Train" und "So Danco Samba", die gleichzeitig gesungen wurden. Bei "So many stars" von Sergio Mendes kamen die einzelnen Sängerinnen auch solistisch zum Zug und bei einigen Scat-Einlagen konnten sie ihre improvisatorischen Fähigkeiten ausleben.

Jay Ashby hatte ebenfalls einige eigene Kompositionen und Arrangements mitgebracht. Er konnte die jungen Musiker für die lateinamerikanischen Klänge begeistern und steuerte auch einige wunderbare Posaunensolos bei.

Zu den Höhepunkten des Abends gehörte auch eine spannungsgeladene Interpretation von Herbie Hancocks "Butterfly" aus dessen "Headhunters"-Periode. Hier griff Marco Lobo tief in seine Kiste mit ungewöhnlichen Klangerzeugern und schuf eine geheimnisvolle, gespenstische Atmosphäre. Besonderen Wert legte Rüschenbaum bei dieser Nummer auf dynamische Prozesse und es war ausgesprochen spannend, wie sich Flügelhorn und Sopransaxofon mit dem geballten Bläsersatz abwechselten.

Mit "Recife's Blues", einer Komposition von Claudio Roditi, tauchte man noch einmal tief in die brasilianische Klangwelt ab. Ein Abend mit wunderbarer Musik und einem restlos begeisterten Publikum ging zu Ende. Es wurde auch deutlich, dass die Jugend-Jazzförderung in Bayern ihre Früchte trägt und hier kein Cent falsch angelegt ist. Man spürt, mit welcher Begeisterung die angehenden Profis bei der Sache sind, und sie werden die Flamme auch an zukünftige Generationen weitergeben.
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