Der Bayerische Landesjugendchor in der Max-Reger-Halle Weiden: Großer Erfolg für die jungen ...
Liebeslieder in allen Facetten und aus allen Zeiten

"Songs of Love" - so lautet das Motto des Chorkonzerts, speziell auf das "Hohelied Salomos" bezogen, auf die Liebeslyrik, welche einfühlsam im Alten Testament die Liebe zwischen Freund und Freundin darstellt.

So ist es nur folgerichtig, dass Komponist Eric Whitacre Schlüsselwörter des menschlichen Daseins aneinanderreiht, "Hope, Faith, Life, Love" mit "Dream, Joy, Truth, Soul" zusammenfügt und in eindringlich leiser wie intensiver Tongestaltung als wichtige Bestandteile eines erfüllten Lebens bezeichnet. Die 55 Chormitglieder, davon 31 junge Frauen, singen beschwörend und meditierend die einzelnen Begriffe in großer Eindringlichkeit.

Glaubhaft und präzise

Dirigent Gerd Guglhör vermag es, mit diesem Auftakt am Sonntagabend eine erwartungsvolle Stimmung in der Max-Reger-Halle zu erzeugen. Die vielen Zuhörer - nur wenige Stühle bleiben frei - sind gespannt und aufmerksam. Die Bayerische Chorakademie, in die der Landesjugendchor integriert ist, leistet hervorragende Arbeit in der Ausbildung junger Talente. Das ist vom ersten Stück an zu hören und erstreckt sich über Chorlieder von der Renaissance bis zur Moderne. Präzise abgestimmt gestaltet der Chor als Einheit die Musikstücke, dabei absolut glaubhaft in der Aussage der Worte.
Rhythmische Klanggestalt in lauter wie leiser Artikulation ist in "Frühzeitiger Frühling" op. 59/2 von Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören, der das Erwachen der Natur schildert. Mit schwellender Stimme singt Anna Lena Elbert "Ein Traum" op. 48/6 von Edvard Grieg. Die nächsten drei Chorgesänge aus "The Song of Solomon" von Juhani Komulainen orientieren sich eng am Bibeltext: Gemäßigt moderne Tonsequenzen vermitteln einen eindringlichen Klangeindruck, der vom Chor tonschön wiedergegeben wird.

Völlig gegensätzlich in der Tongestaltung singt der Kammerchor die fugierten Tonfolgen des "Nigra sum, sed formosa" vom Renaissancekomponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina. Und dann wieder die Moderne: Aus "Song of Songs" von Sven David Sandström erklingen drei Gesänge, die in Tonreibungen und deren Auflösungen auf ihre Art die Liebe preisen.

Es folgen zwei Lieder der Romantik. "Es muss ein Wunderbares sein" von Franz Liszt singt Manuel Adt. Nachdenklich thematisiert er die Liebe, so, wie sie der Komponist sich vorgestellt hat. Dann gestaltet Victor Nordmann einfühlsam die unterschiedlichen Stimmungen der "Widmung" op. 25/1 von Robert Schumann. Beide werden begleitet von Fritz Schwinghammer am Klavier.
Nach der Musik des 19. Jahrhunderts ein weiterer Komponist der Renaissance: Orlando di Lasso. In "Bonjour mon coeur" begrüßt ein Mann seine Frau herzlich, in "Quand mon mari vient de dehors" zeigt eine Frau ihre Furcht, dass ihr Mann sie schlägt, wenn er nach Hause kommt. Aus dem "Mörike Chorliederbuch" op. 19 von Hugo Distler ertönt "Die Tochter der Heide", ein böses Lied über verschmähte Liebe.

Nach der Pause die Vertonung eines Textes von Federico Garciá Lorca durch Eric Whitacre: "With a Lily in your Hand" ist rhythmisch höchst virtuos und wird vom Chor ebenso gestaltet. Gerd Guglhör als Chorleiter gibt immer die nötigen Impulse in richtiger Abstimmung. Erwähnen muss man Manfred Ball, der kenntnisreich und informativ moderiert.

"Von ewiger Liebe"

Dann die speziellen Rhythmen von "Lullaby" und "Come away, Death", zwei der "Four Shakespeare Songs" von Jaakko Mäntyjärvi. Und wieder der Kontrast dazu in einem Lied von Orlando di Lasso: Leise und in schönen Tönen schwebend ertönt "Mon coeur se recommande a vous". Dann singt Anna-Maria Gieron von Robert Schumann "Singet nicht in Trauertönen" op. 98a/7 und Clemens Joswig von Johannes Brahms "Von ewiger Liebe" op. 43/1, begleitet von Fritz Schwinghammer und Nicole Winter.
Pianist und Pianistin gestalten schließlich die Walzer für Singstimmen und Klavier zu vier Händen, die "Liebeslieder" op. 52 von Johannes Brahms. Der kühle norddeutsche Tondichter beherrschte eben auch die flotte Tonsprache des Walzers. Die Interpretation gerät zum Höhepunkt des Abends - ohne das Können des Ensembles in den vorangegangenen Stücken schmälern zu wollen. Als Zugabe erfreut das begeisterte Publikum der Hexentanz "Double, double...", noch ein "Shakespeare Song" von Jaakko Mäntyjärvi.

Es gibt nicht oft solche Chor-Abende mit einem solch exquisiten Riesenprogramm. Umso schöner sind die Entdeckungen, die man dabei machen kann.
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