Der Wissenschaftsjournalist Christian Schwägerl sucht einen Ausweg - Lesung in der Buchhandlung ...
Rettung durch Roboter

Der gebürtige Weidener Christian Schwägerl begann seine Karriere beim "Neuen Tag". Am Freitag stellte er sein neues Buch vor. Bild: uz
George Orwells "1984" war gestern. Der Zukunftsroman über die Versklavung des Menschen durch ein omnipotentes Überwachungssystem ist längst überholt durch die Enthüllungen des 29jährigen Software-Ingenieurs Edward Snowden, der das wirkliche, hässliche Gesicht der digitalen Revolution enthüllte.

Der Wissenschaftsjournalist Christian Schwägerl wagt in seinem Buch "Die analoge Revolution" einen Blick in die Zukunft, entwickelt aus seinen sorgfältigen Recherchen Szenarien einer Total-Unterwerfung unter die Macht einiger weniger IT-Oligarchen, bietet aber auch Lösungswege an, die eine nicht mehr zu stoppende digitale Entwicklung in einen Rettungsmechanismus integrieren.

Am Freitag stellte sich der Journalist seinem Publikum in der Buchhandlung Rupprecht in seiner Geburtsstadt Weiden. Er versuchte die inzwischen in weiten Teilen unübersichtlich gewordene Problematik zu umreißen. Schwägerl ist durchaus kein Gegner digitalen Fortschritts, er wendet sich nur gegen einen Missbrauch desselben durch Kräfte, die die Erfolge in den Dienst von Gewinnmaximierung, Rohstoffplünderung und Unterwerfung des Menschen unter einen beispiellosen Konsumterror nutzen wollen.

Technik und Natur

Schwägerl ist davon überzeugt, dass moderne Technologie und Natur längst eine Symbiose eingegangen sind. Dafür liefert er Beweise, unter anderem den, dass sich über die Ausbeutung von Rohstoffen und die daraus resultierende Abfallwirtschaft ganz neue Elemente den bisher bekannten hinzu gesellen. Die Bergwerksindustrie ist freilich einer der Schlüssel für mächtige Aktiengesellschaften, die nichts anderes planen als den unterworfenen gläsernen Menschen, der jeden Zugriff erlaubt.

Der Autor nutzt in seinem Buch geschickt das Mittel der erzählten Geschichte um die Konsequenzen aus den Machenschaften der Daten-Oligarchen dem Leser spürbar und nachvollziehbar zu machen. Dies steht im Gegensatz zur nüchternen Wissenschafts-Prosa, die das Werk ansonsten auszeichnet. Die Darstellung einer Überwindung der Krise durch eine bewusstes Bekenntnis zur Natur und zu den positiven Ergebnissen moderner Technologie wäre auch ohne die Szenarien gelungen. Sie erleichtern freilich dem Leser den emotionalen Einstieg.

Schwägerl schürft wirklich tief, wenn er die Nachweise für die gegenwärtigen Zustände und die zukünftigen Gefahren anschaulich macht, unterstützt dies während der Lesung durch Bildmaterial.

Für den Journalisten ist das Internet mehr als eine Suchmaschine. Es ist Teil des Lebens geworden, ein naturhaftes Gebilde, das sich in das Leben eingräbt, sich produktiv aber auch destruktiv in die Natur einwühlt. Daraus resultiert für Schwägerl der Lösungs-Ansatz. Er glaubt, die Welt so begreifen zu können, wie sie wirklich ist, dass die Elemente letztlich nicht zu trennen, gegeneinander zu eliminieren sind. Stoffe und Energien fließen, so glaubt Schwägerl, unentwegt zwischen dem Mineralischen und Organischen. Dies bedeutet "einen idealen Nährboden für ein echtes Internet und für wirklich lebendige Bio-Roboter".

Es braucht Verantwortung

Schwägerl denkt mit einem ganz neuen Ansatz fort, was die Kulturphilosophie längst als unleugbar erkannt hat: Wenn sich das Eingreifen des Menschen in die Natur, ihre Veränderung und Nutzung als Wesenszug von Kultur versteht, haben auch moderne Technologien im Sinne einer Fortentwicklung der Menschheit diese Funktion. Voraussetzung ist natürlich die Unterbindung jeglichen Missbrauchs. Denn nicht das Werkzeug trägt Schuld an gewissen Zuständen, sondern der, der es benutzt.

Christian Schwägerls Buch "Die analoge Revolution - wenn Technik lebendig wird" ist im Riemann Verlag in München erschienen, hat 322 Seiten und kostet 18.99 Euro.
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