Die große Ratlosigkeit

Faszinierend fein gefertigt: Maria Stewart drehte und baute die kleine Porzellanschale 1997, sie färbte sie mit Farboxiden. Dieses Stück ist Teil der Jubiläumsausstellung im Keramikmuseum Weiden. Bild: Kempf

Zum 25-jährigen Bestehen zeigt das Internationale Keramikmuseum in Weiden eine Sonderausstellung. Die Exponate sind interessant und wertvoll und dennoch lässt sie den Besucher enttäuscht und ratlos zurück.

"25+ - Highlights aus der Neuen Sammlung". heißt die Jubiläums-Ausstellung. Seit vielen Jahrzehnten trägt die Neue Sammlung in München Keramikobjekte von Künstlern aus der ganzen Welt zusammen. Jetzt werden im Zweigmuseum der Neuen Sammlung, dem Weidener Keramikmuseum, einige besondere Stücke vorgestellt. Das eine oder andere Stück wird dem interessierten Besucher bekannt vorkommen, wurde es im Laufe der vergangenen Jahre doch schon einmal in einer Sonderausstellung gezeigt.

Ziel ist es einerseits, zum Jubiläum der Weidener Zweigstelle einen umfassenden Rückblick zu geben, vergangene Sonderausstellungs-Themen erneut aufzugreifen, an frühere Präsentationen zu erinnern. Darüber hinaus soll betont und ins Gedächtnis gerückt werden, wie umfangreich die Sammlungen sind, welche Größen ihres Metiers in Weiden bereits Arbeiten zeigten.

Die Sonderausstellungen versuchen, die große thematische Vielfalt der modernen Keramik zu vermitteln und zudem einen Zeitraum vom Jugendstil bis in die unmittelbare Gegenwart abzubilden. Der Besucher erlebt mit der Jubiläumsausstellung eine Auswahl an besonders bedeutenden Beispielen, die künstlerische Höhepunkte bilden und ein Vierteljahrhundert Museums- und Sammlungsgeschichte spiegeln. Die Jubiläumsausstellung zeigt neben der zeitgenössischen Unikat-Keramik in einem neu gestalteten Raum, der auch nach dem Ende der Jubiläumsausstellung im April 2016 fester Bestandteil der Dauerpräsentation bleiben wird, den Designprozess moderner Industrieproduktion vom Entwurf bis zum fertigen Produkt (Siehe auch Kasten links).

Die Ausstellungsmacher fordern den Besucher mit der Präsentation. Es erschließt sich auf den ersten Blick nicht, nach welchen Maßstäben die Objekte zusammengestellt wurden. Es ist eine Darbietung, die in der Aufmachung den vielen anderen zuvor ähnelt. War man längere Zeit nicht im Keramikmuseum, erkennt man nicht unmittelbar, dass es sich um eine neue Ausstellung handelt. Objekte, die jedes für sich unbestritten sehr interessant sind, werden in den Vitrinen in den beiden Korridoren im Erdgeschoss und Obergeschoss unoriginell nacheinander gezeigt.

Jedes Objekt ist - wie stets - relativ schwer leserlich beschriftet, ohne Lesebrille ist der Besucher fast verloren. Kleine schwarze Buchstaben auf durchsichtiger Folie, aufgebracht auf die Glasböden der Vitrinen. Ein Umstand, der bei jeder Ausstellung ein Ärgernis ist, bislang von den Verantwortlichen leider nicht geändert wurde. Kann man eine Beschriftung dann doch entziffern, so tut sich die nächste Ratlosigkeit auf.

Man liest zwar den Namen des Künstlers, wann er das jeweilige Stück geschaffen hat, welchen Titel es hat, aus welcher Sammlung es stammen mag. Verschlossen bleibt jedoch der Zusammenhang, warum das Stück hier an dieser Stelle steht. Jedes Stück hat eine eigene, häufig sehr interessante Geschichte. Diese wird dem Besucher jedoch nicht mitgeteilt. Es fehlen erklärende Begleittexte, die das Bild abrunden, das Erlebnis einer strukturierten Ausstellung vermitteln.

Katalog hilft nur bedingt

Auf die entsprechende Frage bzw. Anmerkung dazu wird lapidar darauf verwiesen, dass der Besucher Zeit mitbringen muss, sich auf die Ausstellung einlassen sollte, den Katalog lesen muss. Oder eine Führung machen soll. Vielleicht ein Ansatz, jedoch befriedigt auch der zweisprachige Begleitkatalog nicht. Auch wenn man ihn vor dem Gang durch die Präsentation liest, ist man nicht wirklich klüger. Die Autoren schildern zwar die Geschichte der Neuen Sammlung wie des Keramikmuseums, gehen auf die Sonderausstellungen der vergangenen Jahre ein, die interessanten Hintergründe der einzelnen Ausstellungsstücke werden auch hier nicht erwähnt. Die zahlreichen Fotos ersparen es dem Besucher allein, die schwer lesbaren Beschriftungen in den Vitrinen mühsam zu entziffern, der Text der Zettel steht im Katalog neben der jeweiligen Abbildung. Eine befriedigende Erklärung bieten sie nicht, eine zufriedenstellende Darstellung des einzelnen Stückes, eines Konzeptes, eines Zusammenhangs fehlt. Spontanbesucher können damit nicht zufrieden sein. Zumal die Jubiläumsausstellung sich in der Präsentation nicht von anderen zuvor unterschiedet, sich nicht als "Zusammenstellung von Highlights" präsentiert. Es gibt zahlreiche Beispiele von Ausstellungen in der Region, die Freude machen, bei denen es ein Vergnügen ist, hindurch zu gehen. Die Ausstellungsmacher lassen sich etwas einfallen, ohne den sachlich-fachlichen Schwerpunkt aus dem Auge zu verlieren. Auch sie präsentieren mit großer Ernsthaftigkeit, jedoch mit Ideen, Esprit und "Macher-Freude". Die dann auch auf den Besucher überschwappt. Dies fehlt hier.

Ausstellung für Insider

Es ist eine Insider-Ausstellung für Fachleute. Auch im neu gestalteten Raum, der sich mit dem Designprozess befasst, sind die Erklärungen mehr als dürftig. Nichtsdestotrotz, die Ausstellung ist sehenswert, Künstler und Objekte haben den Besuch verdient. Jedoch sollte man viel Zeit mitbringen, den Katalog lesen, eine Führung buchen - und sich vielleicht zuvor schon intensiv mit allem befasst haben, was das Museum in den vergangenen 25 Jahren anbot.
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