Die jungen Musiker von "The Flip Side" begeisterten mit ihrem Konzert beim Weidener Jazz-Zirkel
Eine Bühne für den musikalischen Nachwuchs

"The Flip Side" - vier vielversprechende Musiker der Würzburger Musikhochschule - inszenierten beim Jazz-Zirkel-Weiden ihre Auffassung von zeitgemäßer und eigenständiger Musik. Bild: Reitz
Sphärische, elektronisch verfremdete Klänge von Bass-Gitarre und Fender-Rhodes-Piano eröffnen den Abend und verweisen auf die frühen 70er Jahre als Miles Davis, Wayne Shorter und Herbie Hancock die heile Welt des Modern Jazz mit Rock und Funk infizierten. Auf der Bühne vier junge Musiker, allesamt Studenten der Würzburger Musikhochschule, die ihr Handwerk verstehen und auch die Jazzgeschichte aufgearbeitet haben. Saxofonist Lorenz Bergler hat seine Wurzeln in Weiden. Vor acht Jahren ließ er als Schüler bei einer Jam-Session bereits durch sein außergewöhnliches Talent aufhorchen.

Kontraste und Dynamik

Das gut eingespielte Quartett gleichberechtigter Musiker legt Wert auf Kontraste, Dynamik und Spannung und lässt sich stilistisch nicht eindeutig festlegen. Wie sie schon in im Gruppennamen "The Flip Side" anklingen lassen, gibt es immer auch eine andere Seite, ein "sowohl als auch". Da wechselt Bergler vom spröden und bewusst unterkühlten Klang auf dem Altsaxofon zum warmen Ton der Klarinette, es kontrastieren die Klangfarben und Ideale des "Cool Jazz" mit heißen, emotionsgeladenen Funk-Themen, da stehen altbekannte Kompositionen von Wayne Shorter oder Herbie Hancock gleichberechtigt neben Werken aus der eigenen Feder.

Die einzelnen Songs gehen oft unmerklich ineinander über und werden miteinander verwoben, ein Konzept das Miles Davis bereits vor 45 Jahren entwickelte und das heute Wayne Shorter bei seinen Auftritten immer noch konsequent anwendet. Thomas Listl weckt mit seinem Fender Rhodes fast nostalgische Gefühle, wechselt aber auch zum Klavier und setzt auch ein modernes Keyboard ein.

Simon Ort spielt einen fünf-saitigen E-Bass und moduliert den Ton durch elektronische Zusatzgeräte, zeigt dabei aber Geschmack und Stilsicherheit, bei solistischen Ausflügen agiert er auch mal in Tonhöhen, die eher an eine Gitarre erinnern. Er baut Flageolettklänge ebenso selbstverständlich ein wie hämmernde, wuchtige Bass-Riffs. Schlagzeuger Marco Dufner setzt seine Trommeln gruppendienlich und dynamisch ein, mal dezent mit Besen und Becken untermalend, dann wieder mit harten Schlägen akzentuierend.

Die Musik ist interessant und spannungsgeladen, alte Schlachtrösser wie "Autumn Leaves" oder "Body and Soul" werden runderneuert und zerpflückt und nehmen oft unerwartete Wendungen. Bei Wayne Shorters "Footprints" kommt Lorenz Berglers schöner, schnörkelloser Ton auf dem Saxofon voll zur Geltung, das Klangbild ist durchsichtig und luftig.

Hoher Stellenwert

Als Zugabe gibt es Dave Brubecks "Take Five". Auch hier wird das markante Pianoriff durch eigenwillige Akkorde ersetzt, und auch das obligatorische Schlagzeugsolo findet diesmal nicht statt - eigentlich schade, denn man hätte Marco Dufner gerne auch als Solisten gehört!

Die Besucher im Bistrot Paris spenden am Freitag den jungen Musikern begeistert Beifall. Wieder einmal wird deutlich, welch hohen Stellenwert diese Location für die Weidener Musikszene einnimmt. Podien für junge Newcomer werden immer rarer, und es genügt nicht, wenn man sich auf die musikalische Ausbildung beschränkt ohne auch Auftrittsmöglichkeiten zu bieten. Bleibt zu hoffen, dass der Jazz-Zirkel und das Bistrot auch in Zukunft die Kulturszene der Max-Reger-Stadt bereichern dürfen.
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