Die Kantorei Weiden führt Passionskantate "The Crucifixion" von John Stainer auf
Weithin unbekanntes Glanzstück

Violinisten kennen den Südtiroler Geigen-Baumeister Jakob Stainer, aber wer kennt den Engländer John Stainer? 1840 in London geboren, war er seit seinem 15. Lebensjahr als Organist tätig.

Schließlich hatte er die Stelle des Organisten in der Saint Paul's Cathedral London inne und wurde Professor an der Oxford University, wo er sich vor allem mit Forschungen zur Alten Musik beschäftigte. Stainer, der 1901 in Verona starb, komponierte zahlreiche Kirchengesänge, Liturgien, Orgelstücke und verfasste sogar eine Orgelschule.

In England sind seine Kompositionen heute noch geschätzt - und wenn man seine Passionskantate "The Crucifixion" in der Michaelskirche zusammen mit viel Publikum in feierlicher Stimmung erlebt, fragt man sich, warum nur Eingeweihte dieses großartige Werk kennen und es nicht schon längst einen festen Platz im allgemeinen Repertoire einnimmt.

Es ist in jedem Fall ein Verdienst des Dirigenten Hanns-Friedrich Kaiser, dieses eindringliche und dennoch ruhige Werk, ein Musterbeispiel englischer Spätromantik, interessierten Zuhörern verständlich zu machen. Dementsprechend gestalten die Kantorei Weiden, der Tenor Otto Eberhardt, der Bassist Gerhard Hess und Organist Stefan Schultes eine ergreifende Tonfolge von Chorsätzen, Sologesängen und Zwischenspielen. So beispielsweise im Duett von Tenor und Bass, wenn es darum geht, die "Liebe der göttlichen Art" zu würdigen, die "an jeder schwachen gefallenen Kreatur einen Grund findet, sie zu erlösen".

Die verhaltene Melodieführung stellen beide Sänger mit inniger Stimmführung dar. Ebenso ergreifend wie einfühlsam singt der Chor, etwa "Ich bete dich an! Erhaben warst du schon, ehe die Welt begann; noch prächtiger strahlst du nun" und bringt die Zuhörer damit in genau die Stimmung, die John Stainer vorschwebte.

Theologische Texte

Alles dient dem Ziel, die Texte des Theologen W. J. Sparrow-Simpson musikalisch überzeugend darzustellen. Kunstvoll schafft es Kaiser, die Aspekte der melodiereichen Komposition zu einem Gesamtkunstwerk zu verknüpfen, dessen Stimmung den Eindruck der Passionszeit vertieft. Es ist gut, dass sich das Repertoire aufgeführter Musik derzeit dauernd erweitert und damit auch bislang vernachlässigten Meisterwerken die Chance vermittelt, einen größeren Zuhörerkreis zu erreichen.
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