Die Sprache der Kunst
Asylbewerber verarbeitet seine Erfahrungen mit Tonskulpturen

Alle seine Tonskulpturen, die im Alten Schulhaus zu sehen sind, hat Mahdi Rubaie (hinten, rechts) im Weidener Asyl geschaffen. Bürgermeister Jens Meyer (links) eröffnete die Ausstellung, bei der auch Udo Binder (rechts daneben) und Tina Meyer ihre Kunst zeigen. Bild: Kunz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
10.05.2016
284
0

Studiert hat er am "Institute of Art" in Bagdad. Derzeit lebt er in Weiden - als Asylbewerber. Mahdi Rubaie formt seine Objekte aus Ton. Sein Lieblingsmotiv: der Mensch.

Der Asylsuchende und dessen künstlerische Auseinandersetzung mit der Flucht - dies steht im Mittelpunkt der Ausstellung, die Bürgermeister Jens Meyer im Alten Schulhaus eröffnete. Die Werke waren allesamt in der der Max-Reger-Stadt entstanden. Ergänzt wird die Schau durch themenbezogene Bilder von Udo Binder und abstrakte Specksteinarbeiten von Tina Meyer. Aber: "Für Mahdi Rubaie ist diese Ausstellung gedacht", betonte Binder. Die Vernissage am Sonntag sollte auch Gruppierungen und Menschen sein zusammenbringen, um gegenseitige Standpunkte und Kulturen kennenzulernen.

Auch wenn das Musikduo "Wonderful World" interpretierte, gebe es Menschen, für welche die Welt alles andere als "wonderful" sei, unterstrich Bürgermeister Meyer. Anstatt des gewünschten Friedens gebe es bei ihnen Krieg und Auseinandersetzungen. Er sprach die Schicksale der Flüchtlinge an, die Ungeheures auf sich genommen, ihre Freunde und Bekannten verlassen hätten, um in einer friedlicheren und demokratischeren Gegend eine neue Heimat zu finden. "Das war auch Ihr Ziel", bekundete er in Richtung des irakischen Künstlers. Fünf Jahre lang habe Mahdi Rubaie in Bagdad studiert. "Seine Art Kunst ist dem IS nicht genehm", erklärte Binder. Seit Herbst 2015 sei der Künstler in Deutschland. Zuerst war er in einer Kaserne in Cham untergebracht, wo er bereits erste Skulpturen geschaffen habe.

Sofort guter Draht


Manfred Weiß habe als Koordinator den Kontakt zur Weidener Künstlergruppe hergestellt. "Wir hatten gleich beim ersten Treffen einen guten Draht zueinander." Sofort sei die Idee geboren worden, in Weiden eine Ausstellung zu organisieren. "Mahdi ist Bildhauer, und sein Material ist der Ton. Für diese Präsentation hat er neue Objekte geschaffen."

Die Arbeiten aus Cham habe er zurücklassen müssen. Beim Dialog, so Binder, mit wenigen sprachlichen Möglichkeiten beiderseits, müsse die Kunst sprechen. "Auch hier im Raum treten unsere Arbeiten in einen Dialog." Portraits sind die Spezialitäten des Irakers. Skulpturen wie das schlafende Kind, Hanan Mutter, Kinderrose, Einstein oder Petra. Der Künstler zeigt aber auch auf, dass der Mensch nicht ohne Technologie sein könne. Das Smartphone stelle den Kontakt zur Heimat her. Andere Skulpturen zeigten die innere Zerrissenheit eines Flüchtlings. Den Preis der Freiheit, der oft mit dem Tod ende. Auch die Nachprüfung, wo die Einbürgerungs-Interviews in Regensburg dargestellt würden.

"Wir können da nicht helfen", bedauerte Binder. "Die Politik handelt ja oft selbst sehr unbeholfen." Aber das Kunstinteresse und der Kontakt zu den Weidener Künstlern könne dem Asylbewerber etwas Lebensfreude wiederbringen. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Mai zu sehen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.