Die tschechische Philharmonie Prag und die amerikanische Cellistin Alisa Weilerstein begeistern ...
Von der Moldau in die Neue Welt

Tosende Ovationen gab es beim Konzert der tschechischen Philharmonie Prag mit der Cellistin Alisa Weilerstein in der Weidener Max-Reger-Halle. Bild: Christoph Skutella
Das Projekt "Pilsen - Kulturhauptstadt Europas 2015" trieb am Freitag musikalische Blüten, trug sinfonische Früchte und ließ die kalte und warme Moldau durch Weiden sprudeln. Die tschechische Philharmonie Prag unter dem kundigen, mit impulsivem Temperament geführten Dirigat von Petr Altrichter bewies beim Förderkreis-Konzert in der Max-Reger-Halle, dass sie zu Recht einen festen Wohnsitz im Olymp der zehn besten Orchester Europas hat.

Homogener Klang

Mit Blick auf die Spieler kann man sie als "junges Orchester" etikettieren. Ihr Musizieren wirkt wach und reaktionsschnell. Jugendliche Risikofreude und gereifte Erfahrung gehen eine überaus glückliche Lebensgemeinschaft ein. Anders als in vielen Orchestern stammt die Überzahl der Mitglieder aus einem Land - aus Tschechien. Man ist mit der gleichen musikalischen Tradition groß geworden, man spricht und fühlt tschechisch, man bildet ein familiäres Team.

Vom ersten Einsatz an fasziniert der außergewöhnlich homogene Klang. Expressiv, weich, erdig und ehrlich die Streicher: Sie beweisen, dass weder Smetana noch Dvorák eine sentimentale Lackschicht nötig haben. Begeisternd die flexiblen Holzbläser, die wunderbar auch im Piano begleiten können. Ein Traum das hochkultivierte Blech - man denke nur im Cellokonzert an das fantastisch luftige Hornsolo (1. Satz, man hört es meist muffig und pappig) oder die elegant-schlanken Posaunen nebst Tuba (2. Satz). Die Musiker sind offenbar schon pränatal mit Smetanas "Mein Vaterland" genährt worden, so selbstverständlich, mit dem richtigen Tonfall musizieren sie das Largo Maestoso in "Vysherad": Weihevoll, bedeutsam, fast liturgisch ernst erzählt der mythische Harfner Lumir vom Ursprung der Nation. "Vltava": Die beiden klanglich fein differenzierten Moldauquellen vereinen sich, der Fluss erzählt von der melancholischen malerischen Landschaft, Realität und Traum, von Ereignissen im Lauf eines Menschenlebens.

So punktgenau hat man den swingenden Polka-Rhythmus kaum je gehört, ebenso wie die vielen wichtigen Stimmen unter der Wasseroberfläche der führenden Melodie! In Janáeks "Schlauem Füchslein" ein Spiel mit den überaus differenzierten Klangfarben des Orchesters.

Zum Ereignis wird das in Amerika komponierte Cellokonzert h-Moll op. 104 von Antonín Dvorák. Ungemein feinsinnig korrespondieren die Musiker mit der superben Solistin Alisa Weilerstein. Sie kann in einem Moment solistisch auftrumpfen und sich im nächsten für ein begleitendes Arpeggio zurücknehmen, wo viele ihrer namhaften Kollegen dumpf lärmend weiter schuften.

Lebendige Phrasierung

Sie hat noch bei den virtuosesten Passagen die Souveränität für eine lebendige Phrasierung. Sie verzaubert bei den Pianissimo-Stellen, die oft untergehen. Immer spielt sie spannungsgeladen, emotional, geschmackvoll, nie flüchtet sie in oberflächliche Effekte oder Show. Als Zugabe nach tosenden Ovationen Bachs C-Dur-Sarabande, getaucht in abgründig-fahles Licht.
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