Die Wellküren in Weiden
Stubenmusik gegen Idiotisierung

Mit Instrumenten wie Akkordeon, Tuba und Saxofon sowie mit "Wutreden" unterhielten die Wellküren Burgi, Bärbi und Moni (von links) das Publikum in der Weidener Max-Reger-Halle. Bild: Schönberger

Wenn die Wellküren auftreten, glaubt man ihnen gerne, dass Stubenmusik Weltprobleme löst. Zusammen retten die Schwestern Moni, Bärbi und Burgi mit Morgen- und Abendlandlern vielleicht nicht die Welt, aber den Abend in der Weidener Max-Reger-Halle auf alle Fälle.

Es ist ein Abend voller Jubiläen. Während das Frauenforum Weiden-Neustadt, das das Konzert präsentiert, 20-Jähriges feiert, stehen die Wellküren seit 30 Jahren auf der Bühne. Mit ihrem Lob zur aufwendigen Bühnendekoration und dem besonders schönen Saal hatten Moni, Bärbi und Burgi angesichts der treffenden Ironie schon zu Beginn die Sympathien und die Lacher auf ihrer Seite.

In ihrem wie immer regionalisierten Bühnenprogramm war auch der Schwarzstorch aus Matzlesrieth ein Thema: Den Vogel hätten die doch aus Tschechien eingekauft, um die Windradln zu verhindern. Still und feierlich wird es am Samstagabend im Raum, als die Wellküren Mozarts Sonate in A-Dur für Klavier in ein Stück in G-Dur für Stubenmusik mit Harfe, Hackbrett und Gitarre umdichten. Hier wird besonders das harmonische Miteinander der Frauen in grünem, rotem und blauem Gewand deutlich, die zeit ihres Lebens zusammen Musik machen.

Kollektives Gelächter


Kurz danach brandet im Publikum wieder kollektives Gelächter auf, wenn Moni mit hochrotem Kopf eine ihrer berüchtigten "Wutreden" hält und in einem Atemzug über alle schimpft, die zur Debatte stehen: Bischof Tebartz-van Elst ("Wozu braucht des schwindsüchtige Mannl a freistehende Badewanne?"), Markus Söder ("A Franke soll bei uns Ministerpräsident werden?") und Pegida in Sachsen ("Wenn die das Volk sind, werden wir Flüchtlinge").

Moni ist die Rampensau in der Truppe. Sie redet am lautesten, macht am meisten Faxen und bringt Leidenschaft und Komik auf die Bühne. Sie sei die Jüngste der 15 Geschwister und habe deswegen das Bedürfnis, am meisten zu gefallen, erklärt sie. Folgerichtig ist das Hackbrett das Hautptinstrument der kernigen Musikerin. Die sanft und ein bisschen melancholisch dreinblickende Bärbi spielt grazil die Harfe. Urkomisch ist auch sie, wenn sie eine esoterische Hypochonderin parodiert, die bei jedem Lebensproblem zu Homöopathie und Naturmedizin rät und sich zwischendurch Globuli-Kügelchen in rauen Mengen in den Rachen wirft.

Dass Burgi die Älteste in dem Trio ist, merkt man daran, dass sie die Rolle der Vergesslichen spielt. Auf der Bühne wirkt sie jedoch, den Fuß lässig auf dem Stuhl und Gitarre klimpernd, am wenigsten damenhaft. Der Eindruck verfestigt sich, wenn sie mit süßer Mädchenstimme "Ich bin ein guter Verlierer" säuselt. Jede der Wellküren ist ein Orginal, und zusammen ergänzen sie sich perfekt.

Stubenmusik, predigen sie, ist die Lösung aller Probleme. Zu diesem Zweck gründen sie auch eine Pegida-Gegenbewegung namens Stugida, Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes. Nach dem Konzert werden sie sich im Foyer noch unter die Leute mischen und dazu passende Fähnchen verteilen, mit denen sie das Publikum in Weiden Fähnchen schwenkend in die Nacht entlassen.

Musikalisch schöpfen die Wellküren wie gewohnt aus dem Vollen. Morgen- und Abendlandler und fantasievoller Sprechgesang reihen sich neben lustige Gstanzln. Besonders die Nonnentrompeten erregen Aufsehen. Der Name des Streichinstruments aus dem 12. Jahrhundert ergibt sich aus der Tatsache, dass es Nonnen lange Zeit verboten war, ein Blasinstrument zu spielen.

Publikum bunt gemischt


Wenn die Schwestern im Trio auf diesem kuriosen Instrument quietschende, schiefe Töne erzeugen, amüsieren sich die Gäste auch ohne andere kabarettistische Einlagen. Das Publikum übrigens ist bunt gemischt. Frauen wie Männer lachen und singen mit. Auch wenn Letztere auch schon ihr Fett abbekommen, wenn Moni von den Vorteilen der Tierwelt schwärmt wie bei den Gottesanbeterinnen, die ihre Partner nach dem Sexualakt verspeisen. Angewidert verzieht sie dann den Mund und stellt fest: "Aber essen möcht ich's a niad."

Als die Frauen am Ende singen: "Waren Sie schon mal in mich verliebt? Das ist das Schönste, was es gibt", dann glaubt man das am Ende des Abends gerne.
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