Die zwei Männer der Julia Durant

Daniel Holbe war hör- und sichtbar bewegt, als er bei den 31. Weidener Literaturtagen über Julia-Durant-Schöpfer Andreas Franz sprach. Dessen Werk fortzusetzen sei eine große Ehre. Bild: Wilck

Andreas Franz schuf die Krimireihe um Hauptkommissarin Julia Durant. Während seiner Arbeiten zum zwölften Fall verstarb der Schriftsteller überraschend. Die Beamtin ermittelt jedoch auch nach seinem Tod weiter.

Inzwischen ist der 15. Fall von Julia Durant auf dem Markt ("Die Hyäne"). Das ist Daniel Holbe zu verdanken. Der bis dato unbekannte Autor vollendete zunächst Franz' zwölften Band "Todesmelodie", ehe er die Reihe fortführte. Bei den 31. Weidener Literaturtagen zeigte sich Holbe vor etwa 50 Zuhörern bewegt von der unerwarteten Entwicklung. "Ohne ein vorhandenes Skript oder die bereits veröffentlichte Ankündigung des neuen Falls wäre mit Julia Durant sicher nichts mehr passiert", sagte er am Montagabend in der Buchhandlung Stangl und Taubald.

Wechselbad der Gefühle

Er habe zu dieser Zeit an einem anderen Projekt gearbeitet, das er aber schnell in einer Schublade ablegte, nachdem ihn sein Agent mit der Suche nach einem neuen Autor konfrontierte, der "Todesmelodie" beenden sollte. Als begeisterter Durant-Leser habe ihn der Gedanke an diesen Auftrag mit "Kribbeln, Angst, Panik, Ehre und Freude" erfüllt. Letztlich sagte er sich aber: "Ich muss es machen." Holbe durchlebte ein Wechselbad der Gefühle. Die Angst vor einem Scheitern war mit vielen Emotionen beladen. "Wenn ich Durant in den Sand setze, begrabe ich meine eigene Karriere gleich mit." Nachdem der Verlag von seinem Entwurf angetan war, wartete der schwierigste Schritt: die Einschätzung der Witwe von Andreas Franz. "Als sie mich am Bahnhof abholte begrüßten wir uns und ihr erster Satz war: 'Sie tragen einen Ohrring - genau wie Andreas.' Damit war das Eis schnell gebrochen." Inzwischen verbinde den Autor und seine Familie eine enge Freundschaft zur Witwe Franz'. Er habe sämtliche Vorarbeiten erhalten und die Witwe begleite weiterhin alle Durant-Fälle Seite für Seite. "Es ist für mich eine große Ehre, meinen Namen unter dem des Schöpfers auf dem Buchcover zu sehen", erklärte der Autor, der in Wetterau nahe Frankfurt lebt.

Düstere Fälle

"Die Hyäne" heißt der inzwischen 15. Fall von Hauptkommissarin Julia Durant. Auch in diesem Krimi dominieren düstere Fälle mit sexueller Gewalt an Frauen oder Kindern. Ein Serienkiller, der sich selbst Hyäne nennt, mordet scheinbar ohne Plan. Er weidet seine Opfer aus und schickt deren Organe an die Frankfurter Polizei. Wer ist der Mörder, der Durant und ihren Kollegen Frank Hellmer auf Trab hält? Und das obwohl beide mit jeder Menge privater Problemen zu kämpfen haben. Die Hauptkommissarin bangt nach einem Schlaganfall um das Leben ihres Vaters und ihr Kollege kämpft mit den pubertären Macken seiner 13-jährigen Tochter. "Jeder Fall von Julia Durant ist in sich abgeschlossen. Wer die ersten 14 Bände nicht gelesen hat, kann auch mit dem 15. einsteigen", verspricht Holbe.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.