Dieter Held beschreibt Arbeit im Imbiss am ZOB
Tausend Rollen hinterm Grill

Es ist nicht nur eitel Sonnenschein, was die Betreiber Ilona und Dieter Held an ihrem Imbiss am ZOB erleben. Trotzdem lieben die beiden ihre Arbeit und die Menschen, die bei ihnen vorbeischauen. Bild: Hartl

Er betreibt den Imbiss am ZOB. Doch Inhaber Dieter Held, gelernter Koch, ist mehr als Organisator, Ein- und Verkäufer. "Teilweise musst du auch ein wenig Psychologe sein", beschreibt er seine Arbeit am Großparkplatz Naabwiesen. Und dann ist er wieder "Tröster oder Ratgeber".

Die Lunge war sauer. Und der Kunde war's auch. Es war Winter, und der Mann, der sich nach dem Einkaufen mit Tüten voll Klamotten beim Imbiss am ZOB anstellte, brauchte eine Stärkung. Die saure Lunge, die er bestellt hatte, servierte ihm Held. Dann allerdings verlangte der Mann auch noch ein Bier. Weil der Kunde aber schon angetrunken war, sagte Held Nein. Das aber schmeckte dem Gast überhaupt nicht. Er nahm sein Essen, hob es demonstrativ hoch - und schüttete es in eine seiner Tüten. "Das hast jetzt davon. Kannst amal sehen, was ich mit deiner Lunge mach."

Held muss lachen. "Für uns ist es Alltag, dass manchmal Wahnsinnige auftauchen." Er ist seit 1987 beim Imbiss dabei, für den seine Eltern Dieter senior und Anneliese 1979 mit einem Verkaufswagen den Grundstein gelegt haben. Lange Jahre, in denen Held eine Menge erlebt hat. Wobei Betrunkene die Ausnahme sind. Vor allem war da Vertrautes mit Stammgästen und Bewegendes mit Fremden.

Auch Retter

Selbst die Rolle als Retter gehört dazu. Einmal etwa, erzählt der 48-Jährige, hatte er es scheinbar wieder mit einem seltsamen Kunden zu tun. Betrunken womöglich? Jedenfalls wirkte der Mann, als ob er auf einem der Stühle hinterm Imbiss eingeschlafen wäre. Als Held ihn antippte, kippte er nach vorne weg - kein Rausch, sondern ein Schlaganfall. Held fuhr ihn sofort ins Krankenhaus. Es seien zwar Folgeschäden geblieben, sagt Held. Aber der Mann habe überlebt.

Es sind nicht immer so kuriose oder dramatische Begebenheiten. Ein Imbiss, das hat Held in all den Jahren gelernt, ist ja auch was ganz anderes, eine Anlaufstation für Fremde. Da kommen nicht nur die Gestrandeten an, sondern auch die Touristen. Marketing übernimmt der 48-Jährige also auch noch. Denn die Reisenden fragen oft nach Tipps - und er muss ihnen die Vorzüge der Stadt erläutern. Held macht's gern. So wie er auch seine Arbeit bis heute gerne macht. "Ich habe Spaß wie am ersten Tag", sagt er. Vor allem wegen der Menschen, die am Großparkplatz so auftauchen. Es sind ja schließlich längst nicht alle von saurem Gemüt.

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Wer mit Menschen arbeitet, bekommt die kuriosesten Dinge mit. In unserer kurzen Sommer-Serie stellen wir Weidener aus den verschiedensten Branchen vor, die besondere Erlebnisse mit anderen Menschen aus ihrem Berufsleben berichten.
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