Dornrose hilft nach sexualisierter Gewalt
"Wir sind für Betroffene da"

Die Taten sind schlimm, die Folgen sind es auch: Bei Frauen, die in der Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben, leidet die Gesundheit mitunter Jahre später. Die Beratungsstelle Dornrose bietet hier Hilfe an. Ab Oktober zum Beispiel mit einem Gruppenangebot.

Dorothea L. (Name geändert), 42 Jahre, litt seit Jahren ohne ersichtliche Gründe an Niedergeschlagenheit und Schlaflosigkeit. Im Beruf war sie erfolgreich. In der Freizeit aber oft sehr müde und antriebslos. Sie liebte zwar Sport, aber meist zog sie sich zu Hause zurück. Immer wieder kam sie ins Grübeln über unschöne Situationen in ihrer Kindheit.

Dorothea L. erinnert sich im Grunde nicht gerne an diese Zeit zurück. Die Eltern stritten viel und hatten wenig Zeit. Nur ein Onkel hatte sich liebevoll um sie gekümmert. Im Gegenzug wollte er aber immer häufiger Küsse und Berührungen. Sie versuchte, sich zu wehren. Als sie ihrer Mutter davon erzählte, bekam sie Ohrfeigen und das Verbot, weiter darüber zu sprechen. Danach hatte sich Dorothea L. niemanden mehr anvertraut. Bis zu dem Zeitpunkt, als eine Kollegin ihr vom sexuellen Missbrauch erzählte, den sie als Kind durch den Bruder erlebt hatte. Vor allem berichtete die Kollegin, dass sie bei einer Beratungsstelle Unterstützung erhielt und sich dort gut aufgehoben fühlte. Dorothea L. vereinbarter schließlich einen Termin. Sie fühlte sich verstanden und unterstützt. Und: Sie lernte Möglichkeiten, sich zu entspannen und zu beruhigen, was ihr in Krisenzeiten half.

Traumatische Erlebnisse


Berichte, die ähnlich klingen wie dieser, hören die Mitarbeiterinnen von Dornrose e. V., der Weidener Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt, häufig. "Wir sind für Betroffene nach sexualisierter Gewalt da - egal, wie lange das Erlebnis zurückliegt. Betroffene Frauen wenden sich mit den verschiedensten Anliegen an die Beratungsstelle. Ein Punkt liegt darin, zu begreifen, was passiert ist und welche Auswirkungen diese Gewaltsituationen haben können", weiß Mitarbeiterin Karin Schmidt.

"Wenn wir es mit sexualisierter Gewalt zu tun haben, dann haben wir es mit traumatisierenden Situationen zu tun, die mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen einhergehen können. Die Symptome können auch erst nach Jahren auftreten, ohne dass anfänglich der Zusammenhang mit der erlebten sexualisierten Gewalt hergestellt wird." Die Frauen litten zum Beispiel unter Spannungszuständen, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen, plötzlich auftretenden Erinnerungen an Gewaltsituationen, an Ängsten, Depressionen oder sozialer Isolation. Oft hätten sie Selbstwertprobleme.

Dornrose ist eine erste Anlaufstelle für Betroffene. Die Mitarbeiterinnen setzen sich individuell, aber auch per Öffentlichkeitsarbeit, für Betroffene ein. Bei Gesprächen stehen die Bedürfnisse, der Schutz und die Sicherheit im Mittelpunkt - es werden Wege gefunden, um mit dem Erlebten umgehen zu können. Außerdem helfen die Mitarbeiterinnen bei der Suche nach Therapieplätzen und begleiten im Falle einer Strafanzeige auf Wunsch zur Polizei und zu Gerichtsverhandlungen.

Kostenlos und vertraulich


Im Oktober startet eine angeleitete Gruppe für betroffene Frauen. Angeboten werden gemeinsame Freizeitaktivitäten. Zudem lernen die Teilnehmerinnen Entspannungsverfahren kennen. Kreatives Gestalten und Übungen, um eigene Kräfte zu stärken und Fähigkeiten wieder zu entdecken, sind ebenso geplant. Daneben gehören zur Arbeit von Dornrose Präventionsveranstaltungen, Beratung bei Verdacht oder bei Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch und Erstellung von Schutzkonzepten in Institutionen im Kinder- und Jugendbereich sowie in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Dornrose ist erreichbar unter 0961/33099
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