Dozenten zeigen Perlen aus Jazz

Auch Kompositionen von Antonio Carlos Jobim erklangen beim Dozentenkonzert in der Sparkasse: Michael Flügel (Piano), Gerhard Kraus (Gitarre), Markus Fritsch (Kontrabass), Susanne Schönwiese (Gesang), Juri Smirnov (Querflöte) und Thomas Stock (Schlagzeug) entführten in die Klangwelt des Bossa Novas. Bild: Reitz

Mit 56 Teilnehmern war das 13. Weidener Jazzseminar in diesem Jahr komplett ausgebucht. Los ging es vor zwölf Jahren mit Schlagzeug, Bass, Klavier, Gitarre und Saxofon, heute sind auch Gesang und Trompete nicht wegzudenken. Beim "Dozentenkonzert" standen diesmal sieben Musiker auf der Bühne.

Sie kennen sich seit Jahren, haben immer wieder in den unterschiedlichsten Projekten gearbeitet und so war es kein Problem, gleich am zweiten Tag ein Programm auf die Bühne zu stellen, das sich hören lassen kann. Stilistisch dem "Modern Jazz" verpflichtet, bewegt man sich im Bereich zwischen Bebop und Hardbop, gewürzt mit einer gehörigen Portion Latin. Stücke von Clifford Brown, Freddie Hubbard, Charlie Parker, Sonny Rollins und Antonio Carlos Jobim sind angesagt, allesamt Ohrwürmer, die jeder Jazzfan in- und auswendig kennt. Mit vier hervorragenden Solisten und einer Sängerin in der Frontline bleibt für Bass und Schlagzeug die Aufgabe, für ein solides Fundament zu sorgen. Thomas Stock und Markus Fritsch erfüllen dies zuverlässig und treten nur gelegentlich mit kurzen solistischen Einwürfen in Erscheinung.

Wert auf Dynamik

Michael Flügel und Gerhard Kraus liefern das harmonische Gerüst und ergänzen sich optimal, Norbert Ziegler und Juri Smirnov repräsentieren den klassischen Bläsersatz mit Trompete und Saxofon. "Sandu" vom Clifford Brown eröffnet den Abend, und hier zeigt Norbert Ziegler an der Trompete, dass er Tonbildung und Eleganz dieses Meisters völlig verinnerlicht hat.

Auch Gerhard Kraus kann Vorbilder wie Wes Montgomery oder Joe Pass nicht verleugnen, hat aber zu einem individuellen Stil gefunden. Er spielt Melodien unisono im Satz mit den Bläsern, brilliert mit kurzen Einwürfen und Akzenten, oder hält sich auch mal dezent im Hintergrund, wenn es dem Gruppenklang dienlich ist. Michael Flügel ist ein Virtuose auf seinem Instrument. Er legt großen Wert auf Dynamik. Meist beginnen seine Solos mit sparsam eingesetzten Tönen und viel Freiraum, verdichten sich und explodieren in feurigen Klangkaskaden. Da werden auch schon mal Erinnerungen an Oscar Peterson wach.

Juri Smirnov ist seit Jahrzehnten eine Konstante auf der Weidener Szene. Mit unterschiedlichsten Formationen bereichert er das musikalische Leben, und seine Verdienste als Musiklehrer sind enorm. Sein Ton auf dem Tenorsaxofon erinnert an Sonny Rollins, und mit der Nummer "Airegin" ist er voll in seinem Element. Sein erdiger, expressiver Ton, angereichert durch raffinierte Tonfolgen, geht unter die Haut.

Susanne Schönwiese verfügt über eine variable, ausdrucksstarke Stimme, die sie auch gerne in der Tradition von Scatgesang instrumental einsetzt. Mit "How high the moon" knüpft sie an die Tradition der klassischen Diven des Jazz an, ihre Interpretationen der Songs von A.C. Jobim zeigen ihr Faible für Latinjazz. Hier kann Thomas Stock beweisen, dass er auch bei Samba und Bossa Nova fest im Sattel sitzt. Bei Jobims "Favela" greift Juri Smirnov zur Flöte und Gerhard Kraus zupft die Latin Rhythmen auf der Gitarre.

Duett mit Gitarre

Ein Höhepunkt des Abends ist ein Duett von Stimme und Gitarre. Mit "Save your love for me", ein R&B-Hit aus den 50ern, der vor allem in der Version von Nancy Wilson mit Cannonball Adderley bekannt wurde, intonieren Susanne Schönwiese und Gerhard Kraus eine soulig angehauchte Ballade, die unter die Haut geht.

Erinnerungen an die Duo-Auftritte von Ella Fitzgerald und Joe Pass drängen sich auf. Das Publikum ist begeistert und fordert eine Zugabe. Mit Charlie Parkers "Now's the time" legen sie noch einmal los: Susanne Schönwiese scatet, dass es ein Vergnügen ist, auch Bass und Schlagzeug legen sich solistisch noch einmal ins Zeug.
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