Dr. Michael Brenner erklärt Wesenszüge des Zionismus und seine Bedeutung für die Gründung des ...
Ein normales Volk in einem ganz normalen Staat

Michael Brenner erläutert seine Meinung zu Israel in der Buchhandlung Stangl in Weiden. Bild: Schönberger

Von Rudolf Barrois

Weiden. "Es ist das natürliche Recht des jüdischen Volkes, ein Leben wie jedes andere Volk in einem eigenen souveränen Staat zu führen." Dies ist einer der wesentlichen Sätze in der Unabhängigkeitserklärung, mit der 1948 die Gründung des Staates Israel proklamiert wurde. Der Wunsch, nicht immer die ewig anderen zu sein, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieses Volkes.

Als Michael Brenner, in Weiden geborener und aufgewachsener Historiker, sich entschloss ein weiteres Buch über Israel zu schreiben, nahm er sich vor, diesem Problem des Andersseins nachzugehen. In der Buchhandlung Stangl erklärte er seine Sicht der Dinge: Brenner ist schon als Schüler in die jüdische Geschichte, die auch die Geschichte seiner Familie ist, eingestiegen, als er im Rahmen eines Schülerwettbewerbs zu Beginn der 1980er Jahre einen Band über Weiden im Nationalsozialismus vorlegte. Heute gilt er als Kenner jüdischer Geschichte, ist Inhaber eines diesbezüglichen Lehrstuhls an der Universität München.

Brenner beginnt die Geschichte des Zionismus mit Theodor Herzl. Herzl erlebte, wie nach dem Dreyfus-Prozess in Frankreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Massen sich gegen die Juden wandten. In Europa hatte es immer wieder Pogrome gegeben. Herzl war beseelt von dem Gedanken, für sein Volk einen Staat zu gründen, in dem es normal wie andere Menschen leben könnte. Diese Grundformel des frühen Zionismus blieb freilich nicht unwidersprochen. Herzl formulierte sein Programm in dem Band "Der Judenstaat", dem er dann den utopischen Roman "Altneuland" folgen ließ. Herzl sprach nun von einer universalistischen Gesellschaft, in der nicht nur Juden, sondern auch arabische Muslime oder preußische Protestanten ihren Platz fänden.

Neben Palästina war auch Argentinien oder Uganda im Gespräch als Territorium für einen eigenen Staat. Als die Briten 1917 Palästina von den Türken zurückeroberten, sicherten sie den Juden dieses Gebiet als Heimstatt zu. Die Araber protestierten, wehrten sich. Es kam zu Aufständen und Zusammenstößen. 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen, der dann erst einmal in einem Krieg verteidigt werden musste. 1967 kam es erneut zum Krieg, den die Israelis nach sechs Tagen gewannen. Die Entwicklung im Nahen Osten hat den Israelis die Rolle eines normalen Staates im Sinne von Theodor Herzl genommen. Das Land gilt heute als hoch gerüstete Militärmacht.
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