Drei Mädels machen kritische Volksmusik
Das Wellperium schlägt zurück

Nach den Biermösl Blosn und neben zahlreichen anderen Projekten sind die Wellküren die bekanntesten Vertreter der aufmüpfigen Musikerfamilie Well aus dem Dorf Günzlhofen - dem Schoß des selbst ernannten "Wellperiums". Seit 30 Jahren machen die Schwestern Notburga, Barbara und Monika Volksmusik mit gesellschaftskritischen Texten.

Am Samstag, 12. März (20 Uhr) sind die Damen mit ihrem Jubiläumsprogramm "30 Jahre Wellküren" zu Gast in der Weidener Max-Reger-Halle. Die Kulturredaktion hat sich von Monika "Moni" Well auf den Abend einstimmen lassen.

Die Wellküren und auch die Projekte Ihrer Brüder haben sich mit den Herrschenden angelegt. Ist Rebellion etwas, was sich vererbt? Oder war das bei Ihnen eine Sache der Erziehung?

Monika Well: Puh. Ich weiß nicht ob sich das vererbt, aber so sind wir erzogen worden - dass man eigentlich immer sagt, was man meint, dass man sich kritisch mit Sachen auseinander setzt. Unsere Mutter hat sich auf alle Fälle auch schon gegen Obrigkeiten aufgelehnt. Unser Vater war Lehrer, da war es ein bisschen schwieriger. Aber sie haben uns auf jeden Fall so erzogen. Das gab es bei uns nicht, dass man nicht sagen konnte, was einen stört. Da waren sie total offen. Sie haben jedem seine Freiheit gelassen, aber sich natürlich auch mit uns auseinander gesetzt - gerade nach dem Krieg, mit meinen älteren Geschwistern.

Sie haben 14 Geschwister, wie hat das so gut mit der musikalischen Früherziehung geklappt?

Well: Bei mir als Jüngste, ich bin da reingewachsen. Ich bin mit drei Jahren schon auf der Bühne gestanden, das war ganz normal für mich. Ansonsten hat es funktioniert, weil mein Vater Lehrer war, der schon mit seinen Schülern lieber Musik gemacht als Mathe. Und natürlich auch mit uns. Wir haben immer in der Früh schon Tonübungen gemacht, wir kennen es gar nicht anders.

Hatte das Musizieren auch Einfluss auf den Zusammenhalt?

Well: Ich glaube, dass meine Eltern den Weg auch gewählt haben, weil sie so die Familie haben zusammenhalten können. Dass man eben eines gemeinsam hat. Das ist heute ja schon bei zwei oder drei Kindern so, dass man das ganz schwer unter einen Hut bekommt, von den Interessen her. Und bei meinen Eltern war es auch noch eine perfekte Kombination: Der Vater war sehr musikalisch, die Mutter sehr ehrgeizig.

Hat man Sie als aufmüpfige, bunte Truppe im Dorf akzeptiert?

Well: Wir waren immer die Kinder vom Lehrer. Da gehört man nicht wirklich dazu. Wir haben immer so eine Ausnahmestellung gehabt. Und das habe ich auch als Kind schon gemerkt. Aber auch jetzt noch, weil man halt Sachen macht, mit dem die Leute nicht so einverstanden sind.

Ihre Mutter ist vergangenes Jahr mit 95 Jahren gestorben. War sie auch im hohen Alter noch mit Ihrer Kunst verbunden?

Well: Meine Mutter war die größte Rampensau von uns allen. Die ist einfach wahnsinnig gerne auf der Bühne gestanden. Und wahnsinnig gerne mit ihren Kindern, das war schon ein großer Stolz von ihr. Sie war auch oft mit den Wellküren unterwegs. Höhepunkt war - da ist sie 90 geworden - als wir in den Kammerspielen ein Programm mit den Well-Brüdern gemacht. Das waren lebenserhaltende Maßnahmen. Da war sie einfach glücklich, auf der Bühne.

Gab es eigentlich auch Zeiten, in der Sie die Stubenmusik verflucht haben und lieber Rocksachen gespielt hätten?

Well: Die Phase hat jeder von uns durchgemacht. Das ist ja logisch, in der Pubertät. Und der erste Freund konnte mit Stubenmusik nix anfangen können. Bei mir waren die Eltern allerdings schon sehr gelassen. Man ist dem aber irgendwie treu geblieben. Im Nachhinein gottseidank. Wir verdienen seit drei Jahren unseren Lebensunterhalt damit. Wir können nicht reich werden, aber wir können leben davon. Das haben wir unseren Eltern zu verdanken.

Haben Sie die Stubenmusik gesehen als Mittel, die Obrigkeit mit ihren eigenen Waffen zu schlagen - mit der Volksmusik?

Well: Na ja, schlagen tun wir sie ja nicht die Obrigkeit (lacht). Wir haben aber schon lange verstanden, dass wir die Welt nicht verändern. Aber es ist einfach schön, dass man mit dem was man gerne macht, und das ist bei uns das Musik machen und singen. Und man kann Sachen los werden, wie im Augenblick die ganze Scheiß-Asylpolitik.

Ein Grüner-Bürgermeister, der "ein Ende der unkontrollierten Einwanderung" fordert, aber eine CDU-Kanzlerin, die für eine humanitäre gesamteuropäische Lösung kämpft. Verkehrte Welt?

Well: Ich war ja nie ein Merkel-Fan, aber jetzt bin ich eigentlich ganz froh um sie. Ich möchte gar nicht wissen, wo wir heute wären, wenn sie nicht gewesen wäre. Das ist ein echter Kampf. Das tut mir so leid. Und wenn ich da nach Sachsen schau, das ist unvorstellbar. Wir mit unserer Vergangenheit, und dann so ein Verhalten. Das ist unentschuldbar. Da kriege ich fast ein bisschen Angst jetzt.

Bekommen AfD und Pegida da bei den Wellküren ihr Fett weg?

Well: Ja, aber was heißt "ihr Fett weg". Wir beschäftigen uns damit und greifen das im Programm auf. Aber es ist ein heikles Thema. Weil ich versteh auch die Leute. Da werden in einem Ort mit 500 Einwohnern 2000 Flüchtlinge geparkt. Das ist für beide Seiten eine Katastrophe. Man muss eine Einigung, einen Wege finden. Aber die Lösungen dafür können wir nicht liefern. Ich kann mich nur aufregen, wenn die vom Staat gut versorgten Bürger meinen, sie wären das Volk. Deshalb haben wir Stugida gegründet: Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes. Unsere Gegenbewegung (lacht).

Warum sind eigentlich die Wellküren rein weiblich und die Biermösl Blosn rein männlich? Warum gab es da nie einen Mix?

Well: Den Mix gab es ja dann letztendlich mit dem gemeinsamen Projekt mit den Well-Brüdern. Das war wirklich eine tolle Zeit, weil das war das erste Mal seit dem Kindesalter, dass wir zusammen musiziert haben. Wir haben da so viel Zeit miteinander verbracht, da ist man durchaus zurückgefallen in alte Rollen. Davor war das einfach so getrennt, das war nie eine Frage. Da hat jeder seine eigenen Themen gehabt. Wir waren eher gesellschaftskritisch aus dem Blickwinkel der Frau und die Brüder waren eher politisch. Die Well-Brüder mit dem Gerhard (Polt, Anm. d. Redaktion) gibt es ja nach wie vor.

Welche Rolle spielen Frauenthemen im Jubiläumsprogramm?

Well: Das ist insofern drin, weil wir mittlerweile auch schon alle knapp über 40 sind. Und natürlich geht es auch um Frauen in der Öffentlichkeit. Das war bei den Wellküren schon immer so, dass wir uns im Programm mit etwas beschäftigt haben, was uns persönlich betrifft. Wir sind Musikantinnen, keine Schauspieler.

Spiegelt sich das im Publikum wieder? Besuchen eher Frauen Ihre Auftritte?

Well: Es ist schon eher ausgewogen, aber wenn man von der Bühne runterschaut, sieht es so aus, als hätte der Mann mitgehen müssen.

Ans Aufhören denken Sie aber noch nicht, oder?

Well: Wir halten uns da ganz nach unserer Mutter. Die hat mit 90 noch Premiere in den Kammerspielen gefeiert. Die Wells sind zäh. Manche Frauen haben ab einem gewissen Alter Probleme mit der Öffentlichkeit. Uns ist das wurscht.

Am Ende des Interviews biete ich Ihnen an, eine Frage zu beantworten, die Sie schon immer gerne in gefragt worden wären.

Well: Puh. Vielleicht, warum die Wellküren noch nie einen Kabarettpreis gewonnen haben.

Also, warum?

Well: Das frage ich mich auch.

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