„Egerländer“ nur am Wochenende
Interview mit Ernst Hutter vor dem Konzert i Weiden

Ernst Hutter ist nicht nur Egerländer Volksmusikant. Ebenso wie sein "Ziehvater" Ernst Mosch kommt er vom Jazz. Am Samstag spielen die "Egerländer" in der Max-Reger-Halle. Vor ausverkauftem Haus. Bild: Kunz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
05.04.2016
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Der Vorgänger. Schon von Krankheit gezeichnet, zeigt das Bild Ernst Mosch bei einem seiner letzten Auftritte 1998 in der Ostbayernhalle Rieden. Bild: Kunz

"Ernst Mosch war ein überaus spannender Mensch. Musikalisch talentiert, als Leader talentiert, das muss man ja auch können", schwärmt Ernst Hutter von seinem ehemaligen Chef. "Er war ein Mensch mit großem Stehvermögen, sonst wäre er nie so weit gekommen. Und er war jemand, der wusste was er wollte."

Von Helmut Kunz

Dass Ernst Hutter Ernst Moschs Nachfolger wurde, kam nicht von ungefähr, ergab sich aus einem Gespräch mit Hutter im "Hotel zur Post". Gewiss liegt es nur bedingt daran, dass beide denselben Vornamen haben. Hutter repräsentierte bei den "Egerländern" unter Mosch die jüngere Generation. Mosch erkannte wohl auch dessen Führungsqualitäten, was ihm imponierte und ihn dazu veranlasste, seinen jungen Tenorhornisten schon frühzeitig zu fördern. Heute leitet Ernst Hutter das "erfolgreichste Blasorchester der Welt" und geht mit den "Egerländer Musikanten" auf große Jubiläumstournee, am 9. April 2016 auch in die Weidener Max-Reger-Halle. "60 Jahre Egerländer Musikanten" heißt die Tour und führt das 22-köpfige Ensemble durch 70 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Es könnte der Egerländer Algorithmus sein: Die Zahlenfolge 90-60-30-15. Mosch wäre am 7. November 90 Jahre alt geworden. Der 21. April 1956 gilt als der Geburtstag der "Egerländer Musikanten". Hutter ist seit 30 Jahren dabei und seit 15 Jahren leitet er das Orchester. Warum die Band nur an den Wochenenden tourt, hat einen einfachen Grund: Alle Mitglieder sind in großen Orchestern fest angestellt. Bei der Bundeswehr oder in Theatern zum Beispiel. Hutter selbst spielt auch bei der SWR Big Band. "Wir sind ein Auswahlorchester."

Es ist auch nicht so, dass alle Mitwirkenden nur Volksmusik am Hut hätten. Privat sind sie Klassiker, lieben Popmusik. "Ich zum Beispiel komme vom Jazz." Dies sei schon immer so gewesen. Selbst unter der Regie von Ernst Mosch, der ja selber Jazzer war. "Für mich als damals 27-Jähriger war er ein Riesenvorbild, weil ich ihn schon als Jugendlicher auf Platte, im Radio und Fernsehen beobachtet habe." Hutter: "Für meine Generation war es ein großes Ziel, bei ihm zu spielen. Hier fand man die Crème de la Crème."

Hutter erklärt auch, was Mosch musikalisch auszeichnete. "Er hat einen Bläsersound geschaffen, der wie ein Streichorchester klingt, wo von den Bässen bis zur ersten Geige alles völlig homogen und auf höchstem Niveau musiziert wird." Die "Egerländer" werden musikalisch oft unterschätzt.

Mit mutigen Entscheidungen und Zukunftsbewusstsein hat Hutter bereits die dritte Generation Musiker bei den "Egerländern" integriert und damit die großartige und wertvolle Tradition seines Vorgängers gesichert. Dass Blasmusik heute von Teilen der jüngeren Bevölkerung schief beäugt werde, liege wohl an der fehlenden musikalischen Bildung, glaubt Hutter. Die Vorbehalte spürten nicht nur Blasmusiker, sondern auch Jazzer. "Es wird heute viel zu wenig musikalische Bildung in den allgemeinbildenden Schulen vermittelt." Wer diese Bildung nicht bekomme, könne auch nicht wissen, dass klassische Musik, Pop, Rock, Jazz und Blasmusik zwar völlig unterschiedliche Stile sind, aber allesamt musikalisch spannend sein können.

Trotzdem: "Unsere echte und authentische Art zu musizieren, fasziniert die Leute." Deshalb die vielen öffentlichen Auftritte. Musik dürfe man nicht nur am PC oder von der CD hören, man müsse sie live erleben. "Man hat früher Ernst Mosch erlebt, wie der die Musik zelebriert und zum Klingen gebracht hat." Dies sei heute auch noch so. "Wir spielen sie nicht nur, wir tanzen, wir leben die Musik." Es sei auch falsch zu glauben, dass Mosch alle seine Lieder selber geschrieben hat. "Die meisten stammten von tschechischen Komponisten, die die "Egerländer" arrangierten und Ernst Mosch schrieb viele Texte dazu." Natürlich habe der Meister auch viele erfolgreiche Stücke selbst komponiert. Nie hat er sie aber arrangiert. "Das machten Arrangeure aus seiner Band." Hutter: "Bei uns läuft das heute genauso. Wir haben Ideen in der Band, viele Komponisten und Arrangeure." Auch er sei einer davon. Und er freue sich jedes Mal, wenn sich Leute im Konzert bei den "Rauschenden Birken" an den Händen fassten. Im Gegensatz zum alten Mosch-Orchester sei das aktuelle kleiner besetzt und etwas solistischer ausgerichtet, erzählt Hutter. Auch die Aufstellung auf der Bühne sei anders, erinnere ein bisschen an eine Bigband. Der Schlagzeuger agiere heute vorne und nicht mehr wie früher im Hintergrund. Der Bandleader dirigiert, spielt selber mit und bezieht das Publikum mit ein. Die Konzerte der "Egerländer" sind heute moderne Musikshows mit schönem Licht auf der Bühne sowie einer passenden Beamerpräsentation zur Musik. Konzertveranstalter Dieter Hanauer vom "Egerländer Fanprojekt" stammt aus Waidhaus, hat alle Blaskapellen in der Region angeschrieben. Von den 900 zu erwartenden Besuchern würden mindestens 300 aus umliegenden Jugendkapellen im Publikum sitzen, glaubt er. Der Zuspruch sei ungebrochen.

VerlosungLängst ist das Konzert von Ernst Hutter & den Egerländer Musikanten ausverkauft. Allerdings verloste das Medienhaus "Der neue Tag" noch fünf mal zwei Karten für den Musikgenuss am Samstag, 9. April, in der Max-Reger-Halle. Knapp 350 Leser machten mit. Gewonnen haben die Tickets diese fünf Anrufer: Maria Baumgärtner aus Altenstadt, Jukunda Kirchberger aus Vohenstrauß, Roland Schwarzmeier aus Waidhaus, Emmeram Ernstberger aus Waldsassen und Monika Härtl aus Friedenfels. Glückwunsch! (mte)
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