Eher feine Spitze denn trister Abgesang

Irene Fritz (Zweite von rechts) eröffnete die Ausstellung "Letztes Ma(h)l " im Kunstbau in Weiden. Renate Höning (Dritte von rechts) stellt ihre Kunstprojekte mit Werken aus Glas, Papier, Faden, Kreide und Draht aus. Bilder: Otto (2)

"Letztes Ma(h)l" heißt die Ausstellung mit Werken von Renate Höning, die Irene Fritz im Kunstbau eröffnete. Der hintersinnige Titel nimmt Bezug auf die in diesem Jahr auslaufenden Bayerisch-Bömischen Kultur- und Wirtschaftstage.

Ein trister Abgesang also? Nein. Eher eine feine Spitze - ästhetisch, leicht und transparent, fast fragil. Aus Glas, Papier, Faden, Kreide und Draht "soll dieses Arrangement eine geistige, ästhetische Mahlzeit sein, die sich hier auf dem Tisch vor uns ausbreitet", beschreibt Irene Fritz die Idee hinter diesem Kunstprojekt.

Drahtstücke wie die Stacheln eines Igels in einem mundgeblasenen Glaskolben, ein transparenter Knochen, die Form eines organischen Herzens, Schalen aus Papier - die Werke der Kötztinger Künstlerin ließen eine Fülle von Interpretationen zu, sagt Irene Fritz. "Als ich die Objekte zum ersten Mal sah, wähnte ich mich im Studio einer Archäologin. Sind es Artefakte einer Ausgrabung oder Relikte aus unserer eigenen Zeit? Kultgegenstände? Archaische Zeichen?"

"Wie der Mensch"

Die Zuneigung der Künstlerin gehört den Reststücken, den Fehl-Stellen oder Mängel-Exemplaren. "Gerade das Bruchstückhafte, nicht Perfekte wird zum wertvollen Stück, das einzigartig, authentisch und nicht zu wiederholen ist - ein bisschen wie der Mensch als Individuum." Kunsthistorisch rückt Irene Fritz die Werke von Renate Höning in die Nähe der Popart, aber auch in die der Arte Povera, die in den 70er Jahren mit weniger wertvollen Materialien und "mit dem was herum liegt" gearbeitet habe.

Die Künstlerin selbst wolle sich nicht so recht einordnen lassen, sagt Fritz. Sie denke nicht viel bei ihrer Arbeit. Erst recht sieht sie sich nicht als Glaskünstlerin, obwohl das Material in ihren ausgestellten Arbeiten eine dominante Rolle einnimmt. "Ihre Liebe gilt den wechselnden Zuständen verschiedenster Materialien, den Transformationen und Verschmelzungen", beschreibt Fritz den Kunst-Ansatz der Kötztingerin.

Renate Hönings Werkstatt sei ein Ort des Experimentierens und Ausprobierens: ein Labor und Spielplatz. Deswegen legte Fritz den Besuchern ein Zitat der Künstlerin Eva Hesse in Bezug auf Kunst und ihre Interpretation ans Herz: "Frage nicht, was es bedeutet oder worauf es sich bezieht. Frage nicht, was sie darstellt. Schau, was die Arbeit macht." Jeder solle sich den Stücken ganz unvoreingenommen und offen zuwenden. Die Objekte von Renate Höning sind bis 12. April immer sonntags von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung im Kunstbau zu sehen.
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