Ein Kasten voller Geschichte(n)
Architekt blickt auf Sanierung des Waldsassener Kastens zurück

Seit 25 Jahren beherbergt der Waldsassener Kasten das Internationale Keramikmuseum. Zum Jubiläum blickte Dr. Emil Lehner auf Historie und Sanierung des Komplexes zurück. Bild: Hartl
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
22.02.2016
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Er diente als Kloster-Außenstelle, als Landgericht und Schulgebäude. Heute beheimatet der Waldsassener Kasten Regionalbibliothek und Keramikmuseum. Und Dr. Emil Lehner ist nicht ganz unschuldig daran.

Zwischen 1986 und 1994 leitete Dr. Emil Lehner vom Architekturbüro SHL die Sanierung des Waldsassener Kastens. Der von 1739 bis 1742 erbaute Gebäudekomplex, der in seiner Geschichte als Kloster- Außenstelle, als Probstei mit Getreidespeicher, als Landgericht mit Gefängnis sowie als Schulgebäude gedient hatte, wurde in dieser Zeit zum Internationalen Keramikmuseum und zur Regionalbibliothek umgebaut. Auf Einladung von Museumsleiterin Stephanie Dietz und Ulrike Feth vom Vorstand des Fördervereins "Die Keramischen" referierte Lehner am Donnerstag über die bauliche Entwicklung im historischen Kontext sowie Funktion und Gestalt des Gebäudes im Wandel der Zeit.

Dietz, seit 1990 Hausherrin im Internationalen Keramikmuseum, und Kunsterzieherin Feth würdigten Lehner als "Verantwortlichen dafür, dass das Kleinod so genossen werden kann, wie es derzeit da steht". Es sei Herberge für ein "Museum mit Weltstadtniveau". In der Mitte der Barockzeit sei das Kloster Waldsassen geistiges, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Oberpfalz gewesen, berichtete der Referent. Damals ließ das Kloster von Johann Jacob Philipp Muttone (1699-1775), dem Sohn eines italienischen Stukkateurs und einer Waldsassener Bäckerstochter, in Weiden den Waldsassener Kasten errichten. In den 34 Jahren seiner Schaffenszeit als Klosterbaudirektor erbaute Muttone insgesamt 13 bedeutende Objekte. Auffallend, so Lehner, seien frappierende Ähnlichkeiten mit der Basilika in Waldsassen.

"Goldener Schnitt"


Typisch für die Barockzeit sei der "Goldene Schnitt" des Grundrisses. Mit der Struktursanierung habe man einen "kontextuellen Geschichtseintrag des 20. Jahrhunderts in die alte Bausubstanz" machen wollen, sagte der Architekt. Unterstützt worden sei man von Karljosef Schattner, der 35 Jahre lang Diözesanbaurat gewesen war. Lehner zeigte Bilder von den Lösungen im Innen- und Außenbereich. Die Durchgängigkeit der weiten Räume im Keramikmuseum sei Voraussetzung für die "Aufhebung der Grenzen" gewesen, die im Café der Regionalbibliothek durch Glas erreicht worden sei.

Vor 25 Jahren habe die Stadt mit der Sanierung des Waldsassener Kastens ein "historisches Juwel" geschaffen, betonte Lehner. Die "gelebte Kultur" dort könne aber nur durch seine Funktionen am Leben gehalten werden, die weit über den Standort hinaus wahrnehmbar seien. Der Vortrag des Architekten war eine von zahlreichen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr des Museums.
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