Ein schaurig schöner Tag

McKena, Kody, Kaitlyn und Kyler (von links) wohnen mit ihrer Familie seit rund einem Jahr in Weiden. Die Amerikaner lieben es, sich an Halloween zu verkleiden und an den Haustüren nach Süßigkeiten zu fragen. Bild: Huber

Schrill krächzend lacht die kleine Hexe in ihrem Schaukelstuhl. Im Garten von Familie Smith strecken sich Skeletthände aus der Erde. Dahinter stehen Grabsteine. Morgen ist Halloween - auch in der Oberpfalz.

Kaum ein Eck ohne gruselige Geister, Spinnennetze, Kürbis-Monster oder Bilder von Zombies - die siebenköpfige Familie von US-Soldat Byron Smith (37) fiebert dem Horrortag des Jahres entgegen: Halloween. Zwölf große Kisten, voll bis an den Rand mit Dekoration, schleppt Byrons Ehefrau Kari durch das Haus. "Mehr als für Weihnachten", lacht sie. Eine Woche braucht sie, um alle Zimmer und den Garten zu schmücken.

Byron Smith, seine Frau Kari und die fünf Kinder Kelsi (15), McKena (12), Kaitlyn (10), Kody (7) und Kyler (9 Monate) sind vor rund einem Jahr nach Weiden gezogen. Mitgebracht in die Oberpfalz haben sie auch ihre Halloween-Rituale: "Wir sitzen zusammen am Tisch, höhlen Kürbisse aus und schneiden böse Grimassen rein", erzählt Kaitlyn. In die Hüllen kommen Teelichter. Eine gruselige Bastelstunde mit der Familie. "Das schönste an Halloween sind die Süßigkeiten, das Verkleiden und die Dekoration", schwärmt die 10-Jährige. Alle nicken. "Wir dürfen sogar in der Schule unsere Kostüme anziehen." Kody schiebt stolz seine Plastik-Maske nach oben. Er verkleidet sich in diesem Jahr als Patriot. Sogar Baby Kyler ist eingepackt in ein weiches, graues Fell und mit großen Elefanten-Ohren. Der kleine Bub geht als "Dumbo".

Wenn es dunkel wird an Halloween, fährt die Familie nach Netzaberg. Dort trifft sie sich mit Freunden. Gemeinsam ziehen sie durch die Siedlungen - immer auf der Jagd nach Bonbons oder Schokolade. "Brennt an den Haustüren Licht, dürfen wir klingeln. Ist das Licht aus, haben die Bewohner keine Süßigkeiten mehr", erklärt Vater Byron die Tradition.

Wir haben unsere Leser aufgefordert, uns Fotos von ihren selbstgeschnitzten Kürbissen zu schicken. Sie zeigen: Halloween ist nicht nur ein gruseliges, sondern auch ein kreatives Fest. Vielen Dank für die Einsendungen!

"Und was sagt ihr dann an der Haustür?", fragt Kari Smith ihre Kinder. "Trick or treat" - "Süßes, sonst gibt's Saueres", rufen sie begeistert. Sind die Taschen voll, fährt die Familie nach Hause und schaut Gruselfilme wie "Ghostbusters" oder "Freddy Krueger". "Dabei naschen wir natürlich." Mutter Kari lächelt. Zuhause hat sie selbst auch Halloween-Snacks vorbereitet: Finger aus grüner Schokolade, die wie Eis am Stil auf einer Salzstange stecken, liegen in einer Schüssel. Die 35-Jährige schneidet außerdem Hotdogs in dünnere Streifen und grillt sie. "Sie runzeln dann zusammen und sehen aus wie braune Würmer", sagt sie und verzieht das Gesicht.

Halloween in Deutschland

Auch Deutsche finden Gefallen an dem Kultur-Import aus Amerika: In Ebermannsdorf (Kreis Amberg-Sulzbach) erweckt Jana Michel gruselige Gestalten zum Leben. Sie ist Deutsche und hat sich von ihrem amerikanischen Mann Charles anstecken lassen. "Ich liebe es, mein Make-up mal nicht schön machen zu müssen", sagt sie. Je schauriger, desto besser. Die Wunden sollen täuschend echt aussehen. Sie schmiert flüssiges Latex auf die Haut, legt Klopapier darüber. "Wenn alles getrocknet ist, sieht es aus wie Hautfetzen." Dazwischen verteile Michel ein paar Spritzer Kunstblut.

Selbst das Essen darf an Halloween unappetitlich aussehen: "Mein Mann hat einmal Weißbrot mitgebracht. Ich träufelte grüne Lebensmittelfarbe darauf und verteilte Mehl darüber." Kurz darauf sei er aufgeregt zu ihr gelaufen und habe sich für das verschimmelte Brot entschuldigt.

Überall gleich gefeiert

Egal ob in Deutschland, Kalifornien oder Texas, die 35 000 Amerikaner der Garnison "Bavaria", die sich aus den Standorten Hohenfels, Vilseck, Garmisch und Grafenwöhr zusammensetzt, würden laut Pressesprecher Franz Zeilmann wie in den Vereinigten Staaten feiern. "Es gibt auch keine Unterschiede zwischen den Bundesstaaten. Sie feiern überall gleich." Auch die Erwachsenen seien im Halloween-Fieber. "Das erinnert sie an ihre Kindheit", sagt Zeilmann. "Die Amerikaner kennen keinen Fasching. Dafür haben sie Halloween. Und sie lieben es."

Im Truppenübungsplatz Grafenwöhr werde extra ein Spukhaus aufgebaut. Für die Familien der 8200 Soldaten in Vilseck und Grafenwöhr ist der Tag wie Weihnachten oder Thanksgiving. "Halloween ist für uns ein Familienfest", schwärmt Kari.
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