Ein ungewöhnliches Plakat prangt in der Sebastianstraße - Geschaffen hat es eine Gymnasiastin
Werbung fürs Nachdenken

Liebende? Lieb-Ende? Noch bis Mittwoch stellt dieses Plakat von Gymnasiasten Amelie Treml für Passanten in der Sebastianstraße ein Rätsel mit Botschaft dar. Bild: fku
Links ist eindeutig. Da lächelt ein adretter Mann von der Plakatwand. Dazu ein Firmenlogo. Okay, hier wirbt ein Versicherer, das erkennt auch noch jeder Autofahrer aus den Augenwinkeln. Auf den ersten Blick verunsichern dürfte dagegen das Plakat, das derzeit rechts auf der Werbetafel vis-à-vis des Augustinus-Gymnasiums bei der Sebastianstraße prangt. Es zeigt eine kräftige, ausgestreckte Hand, umklammert von einer kleineren. Darüber das Wort "Liebende".

Schlicht. Aber Amelie Treml hat sich natürlich umso mehr gedacht dabei. Die 17-jährige Augustinus-Gymnasiastin hat das Plakat geschaffen als Teil einer Arbeit für ein Kunst-Seminar bei Lehrerin Birgit Zimmermann. "Gewalt in der Kunst" lautete das Thema - und Gewalt zeigt auch das Plakat. Genauer: Es geht der Zwölftklässlerin um häusliche Gewalt.

Angelehnt an Werke der zeitgenössischen Künstlerin Barbara Kruger, die ebenfalls Schwarz-Weiß-Fotografie mit Schrift kombiniert, zeigt hier die ausgestreckte, kräftige Hand einen Mann, der zuschlägt. Die klammernde, weibliche versucht, den Angriff noch abzuwehren. Es soll ein Paar sein: An beiden Händen stecken Eheringe - nur, wie lange noch? Schließlich steht da ja noch "Liebende" darüber. Einen Kontrast wollte sie setzen, erklärt die 17-Jährige. Gleichzeitig ist es auch ein Wortspiel: "Lieb-Ende".

Noch bis Mittwoch, 22. Oktober, wird dieses Ende einer Liebe in der Sebastianstraße prangen. So lange hat Treml die Werbetafel angemietet. "Es soll aufmerksam machen", erklärt sie. Das Thema häusliche Gewalt solle "möglichst viele Leute erreichen". Auch wenn das freilich nicht ganz leicht ist. Treml hat - das gehört ebenfalls zur Seminararbeit - Passanten zum Plakat befragt. Ungefähr die Hälfte habe die Botschaft erkannt, berichtet sie. Womöglich fehlte der anderen Hälfte auch einfach die Zeit, das Plakat zu betrachten. Die bräuchte es aber. Es ist ja keine gewöhnliche Werbung. Sondern Werbung zum Nachdenken.
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