"Ernst wird es immer ab dem ersten Ton"

Eigentlich ist Alexei Kornienko Chefdirigent der Internationalen Donauphilharmonie. Beim Eröffnungskonzert der "Weidener Meisterkonzerte" am 12. Oktober nimmt er vor dem Klavier Platz. Bild: Ergott

Mit dem Klavierkonzert B-Dur von Brahms starten die "Weidener Meisterkonzerte" in die neue Saison. Alexei Kornienko erzählt im Interview, wie es ist, diesmal nicht als Dirigent, sondern als Pianist dabei zu sein.

Am Sonntag starten die "Weidener Meisterkonzerte" in die neue Saison. Zu Gast ist die Internationale Donauphilharmonie (Leitung: Victor Sawa), die den Abend mit Werken von Zoltan Kodaly ("Tänze aus Galanta") und Gottfried von Einem ("Dantons Tod", Orchestersuite) eröffnet. Mit Spannung erwartetes Hauptwerk ist das Klavierkonzert Nr.2 B-Dur von Brahms, den Solopart übernimmt Alexei Kornienko. Die Kulturredaktion führte ein Gespräch mit dem Pianisten und Chefdirigenten der Internationalen Donauphilharmonie.

Er habe ein "ganz kleines Klavierkonzert geschrieben", so Brahms über sein Klavierkonzert B-Dur. Herr Kornienko, wie "klein" ist dieses Werk in Wirklichkeit?

Alexei Kornienko: Das Konzert dauert über 50 Minuten und ist in vier große Sätze unterteilt. Das ist offensichtlich seine Art von Humor.

Brahms überraschte bei der Uraufführung nicht nur mit ungewohnter Dimension, sondern auch mit neuer Form. Musikkritiker Eduard Hanslick schrieb von einer "Symphonie mit obligatem Klavier". Was meinte er damit?

Kornienko: Zweierlei; zum einen war bis dahin die Form eines Klavierkonzerts eindeutig in drei Sätze gegliedert. Brahms war der erste Komponist, welcher als zweiten Satz ein Scherzo einfügte und damit das Klavierkonzert auf vier Sätze, also auf die klassische Symphonieform erweiterte. Zum anderen bezog sich Hanslick wohl auch auf die neue Rollenverteilung zwischen Klavier und Orchester. Nahm früher das Orchester eine eher begleitende Rolle ein, so verschmelzen bei diesem Werk die beiden Parts ineinander.

Ist es da von Vorteil, wenn man wie Sie das Werk von beiden Seiten her kennt, als Dirigent und als Pianist?

Kornienko: Da ich das Werk einige Male als Dirigent zur Aufführung bringen durfte, bin ich natürlich mit der Partitur sehr vertraut. Auf meine Interpretation als Pianist wirkt sich das allerdings nur sehr bedingt aus.

Die spieltechnischen Anforderungen an den Pianisten sind immens, obwohl das Werk erst einmal sehr entspannt mit idyllischen Hornrufen beginnt. Ab wann wird es ernst für den Pianisten?

Kornienko: Ernst wird es immer ab dem ersten Ton und das bleibt es auch bis zum letzten. Konkret betrachtet ist es natürlich die Kadenz, die gleich nach den von Ihnen erwähnten Hornrufen einsetzt und den Pianisten sofort fordert. Übrigens eine weitere Neuartigkeit, da die Kadenz für gewöhnlich am Ende des Satzes kam. Vielleicht eine Anlehnung an Beethovens fünftes Klavierkonzert.

Dem Eröffnungssatz folgt ein, so Brahms, "ganz kleines, zartes Scherzo". Wieder ein Fall von Brahms'schem Humor?

Kornienko: Auf jeden Fall, denn dieser Satz, das Allegro appassionato, trägt wahrscheinlich die größte Dramatik in sich.

Was können Sie uns zum Andante-Satz sagen? Brahms-Freund Theodor Billroth fühlte sich an eine "Vollmondnacht" erinnert.

Kornienko: Hier treffen wir auf das lyrische Zentrum des Konzerts! Das Cello-Solo ist in die Musikgeschichte eingegangen. Jeder Cellist freut sich über diese Möglichkeit, sich beweisen zu können.

Was den Finalsatz betrifft, welche Stimmung nimmt der Konzertbesucher mit nach Hause?

Kornienko: Im letzten Satz kommt es zu vielen liedhaften und tänzerischen Momenten. Er hat schon fast etwas Verspieltes und lässt den Zuhörer am Ende mit einem Lächeln aus dem Saal gehen.

___

Eröffnungskonzert der "Weidener Meisterkonzerte" am Sonntag, 12. Oktober, um 17 Uhr in Max-Reger-Halle Weiden. Karten bei den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Konzertkasse.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.konzerte-weiden.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.