Experten bestätigen Wirksamkeit der neuen blutgerinnungshemmenden Medikamente
Die Dosis macht's

Prof. Dr. Sylvia Haas und Chefarzt Dr. Michael Angerer erläuterten die Therapie mit modernen Medikamenten zur Blutverdünnung. Bild: Wirtz-Roegner
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
18.10.2016
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Die neuen blutgerinnungshemmenden Medikamente bilden ein wirksames Schutzschild gegen Schlaganfall. Darin sind sich die Experten einig. Doch weltweit würden häufig viel zu niedrige Dosierungen verschrieben.

Die neuen Medikamente (NOAK) haben den Test auch im Praxisalltag bestanden. Studienergebnisse, die beweisen sollten, dass diese moderne Antikoagulationstherapie zur Vorbeugung von Schlaganfällen und Embolien sehr gut geeignet sei, hätten sich längst bestätigt. In dieser Einschätzung bestand bei Professorin Dr. Sylvia Haas, ehemals TU München, und Chefarzt Dr. Michael Angerer von der Neurologie am Klinikum Weiden beim Fortbildungsabend des Ärztlichen Kreisverbands im Hotel "Zur Heimat" absolute Übereinstimmung. "Wenn es um die neuen gerinnungshemmenden Substanzen ging, war ich von Anfang an dabei", sagte die Professorin aus München.

Auch Alter berücksichtigen


Nach rund sechs Jahren stehe fest, dass die NOAKs, bei den Patienten besser bekannt als neue Blutverdünner, ein wirksames Schutzschild bilden, um die meist sehr fatalen Folgen eines Schlaganfalles zu verhindern oder abzumildern. Notwendig sei ihre Verordnung vor allen Dingen bei Patienten mit Vorhofflimmern oder mehreren sonstigen Risikofaktoren wie etwa Herzinsuffizienz, hohem Blutdruck oder auch höherem Lebensalter. Voraussetzung sei, dass die Medikamente regelmäßig eingenommen und richtig dosiert werden. Für jede Anwendung gebe es eigene Studien unter Alltagsbedingungen, sagte Prof. Haas.

Sie bedauerte, dass weltweit häufig viel niedrigere Dosierungen gegeben würden als geprüft und in Studien empfohlen. Das bedeute "die hoffnungslose Unterdosierung", wovor die Expertin ausdrücklich warnte. Für den behandelnden Arzt gelte es, das Schlaganfallrisiko abzuwägen. Die Dosisanpassung sollte auch nach Alter und Körpergewicht erfolgen. Außerdem spiele die Nierenfunktion eine Rolle.

Chefarzt Dr. Angerer bestätigte mit Fällen aus dem Alltag im Klinikum, dass Herz-Kreislauferkrankungen sowie Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen. Aspirin-Gaben brächten bei Vorhofflimmern keine wirksame Vorbeugung.

Zuverlässige Einnahme


Bedauerlich sei, dass bei den neuen Blutverdünnern eine Spiegelbestimmung - ähnlich wie beim Quicktest unter Marcumar - immer noch nicht möglich sei. Man müsse sich auf die Zuverlässigkeit der Patienten verlassen, wobei die Unterbehandlung gerade bei höherem Alter zunehme. Erfreulich nannten beide Referenten die Tatsache, dass Antagonisten, die zum Stoppen des Blutungsrisikos dienen, in der Entwicklung vorangekommen seien.
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