Fabelwesen und Comic-Strolche

Die schrägen Gestalten, die Kevin Coyne auf seine Gemälde gebannt hat, beeindrucken derzeit beim Kunstverein Weiden. Bei der Eröffnung freute sich Kurator Stefan Voit über den Besuch von Kevin Coynes Witwe Helmi und von Robert Coyne, dem Sohn des Künstlers (von links). Bild: Wolke

Kevin Coyne war nicht nur ein begnadeter Musiker. Eine Ausstellung beim Kunstverein in Weiden präsentiert das Multitalent zum 70. Geburtstag als Maler und Zeichner ziemlich schräger Gestalten.

Manche Männer bekommen Hörner aufgesetzt. Dies zumindest bleibt den Geschlechtsgenossen bei Kevin Coyne erspart. Bei ihm gibt es andere Mutationen. Der Papa kriegt ein Schweineschwänzchen. Die Ehefrau verwandelt sich in ein animalisches Geschöpf mit langen Ohren, eine kleine Prinzessin wird von einem monströsen Auswuchs ihrer eigenen Märchenwelt verschlungen.

Starke Nerven und Humor

"Es geht in den Coyne'schen Zoo!" Wer dieser Aufforderung Stefan Voits nachkommen will, braucht starke Nerven. Oder einfach Sinn für Humor. Der Kurator der Ausstellung und NT-Redakteur jedenfalls ist dem künstlerischen Werk Kevin Coynes schon lange verfallen. Bereits für die Literaturtage 2012 brachte Voit den Musiker, Schriftsteller und Künstler für eine Ausstellung nach Weiden.

Ebenfalls von Voit kuratiert ist nun die aktuelle Schau im Kunstverein Weiden. Die Präsentation mit teilweise noch nie gezeigten Zeichnungen und Gemälden Coynes ergänzt eine unlängst über die Bühne gegangene "Mini-Bavarian-Tour", die Voit gemeinsam mit Coynes Sohn, dem Londoner Singer und Songwriter Robert Coyne, und Schlagzeuger Werner Steinhauser organisiert hat. Außerdem ehrt die Ausstellung das Multitalent aus gegebenem Anlass: Der Künstler wäre heuer 70 Jahre alt geworden. Vor zehn Jahren verstarb der Brite im selbst gewählten Exil in Nürnberg.

"Strange Creatures. Zeichnungen und Malerei" - der Titel der Schau im Kunstverein Weiden bringt es auf den Punkt. "Fabelwesen tummeln sich mit Comic-Strolchen, schräge Typen lassen sich allerlei Getier wachsen", ergänzt Kurator Voit. Und fügt noch hinzu: "Es geht turbulent zu. So wie im Leben von Kevin Coyne auch." Die Figuren geben bisher kaum gezeigte Einblicke in die stets skurrile Welt des Künstlers, der in einem seiner Gedichte schrieb: "Ich kann nicht und ich muss auch nicht begreifen, was das alles zu bedeuten hat. Aber es ist ergreifend und sehr schön."

Farbe hat große Bedeutung

Das bösartig schnappende Spielzeugkrokodil, der mit scharfen Zähnen bewehrte Vogel auf dem Autodach oder einfach die "Party Mouse": Die in Weiden gezeigten Bilder entstanden seit den 80er Jahren. Erstmals öffentlich zu sehen sind auch gegenstandslose und rein farbliche Arbeiten, die für Coyne selbst eine große Bedeutung hatten.

Zeit seines Lebens hat der Musiker gemalt. Das unterstreicht seine Witwe Helmi, die heute den Nachlass des Künstlers in Nürnberg verwahrt. Einfluss auf das Schaffen hatte nicht nur seine klassische Ausbildung an der Kunsthochschule. Auch die Tätigkeit Coynes als Kunsttherapeut an einer psychiatrischen Klinik hinterließ ihre Spuren. "Meinen Mann haben stets die Außenseiter der Gesellschaft interessiert", erzählt Helmi Coyne. "Er hat die traurige Seite des Menschlichen dargestellt. Aber stets gewürzt mit Humor und viel Empathie." Kevin Coyne zeigte Nachsicht. Seine Witwe zitiert ihn so: "The world is full of fools, but it doesn't make them bad people." Wer albern ist, ist nicht gleich schlecht - diese Botschaft vermittelt auch Coynes seltsamer Zoo.

Zeit für bildende Kunst

"Es ist an der Zeit, Kevin Coyne auch als bildenden Künstler zu entdecken", findet Stefan Voit. Also: Auf geht's in den Coyne'schen Zoo! Die Ausstellung "Strange Creatures. Zeichnungen und Malerei" zum 70. Geburtstag von Kevin Coyne läuft bis zum 23. November im Kunstverein Weiden, Ledererstraße 6. Öffnungszeiten sind Sonntag von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Weitere Informationen unter Telefon 0961/46308.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunstvereinweiden.de
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