Feinsinnige Scherze und schräger Humor mit dem Danel-Quartett
Lachen ausdrücklich erlaubt

Gilles Milet (von links), Yovan Markovitch , Vlad Bogdanas und Marc Danel versprechen ein anspruchsvolles und amüsantes Musikerlebnis. Bild: hfz
Es ist der Albtraum jedes Konzertgängers: Der Applaus kam von Herzen, aber zu früh. Besondere Vorwarnung gilt hier für Haydns Streichquartett Es-Dur "The Joke", das bei den "Weidener Meisterkonzerten" auf dem Programm steht. Ein augenzwinkernder "Scherz" von Papa Haydn, harmlos im Vergleich zu den Späßen, die Bürgerschreck Paul Hindemith dem Hörer serviert: Schräge Töne, falsche Einsätze und eine Kurkapelle auf Abwegen. Musik zum Schmunzeln und zum Lachen erwartet die Hörer, wenn am Freitag,13. März, um 20 Uhr das Danel-Quartett in Weiden zu Gast ist. Die Kulturredaktion sprach mit Geiger Marc Danel über das außergewöhnliche Programm.

Herr Danel, mit welchem Scherz foppt Haydn die Hörer am Ende seines Es-Dur Quartetts op. 33/2?

Marc Danel: Kurz vor Schluss deutet alles darauf hin, als ob der 4. Satz beendet sei. Aber nach kurzer Pause folgen unerwartet noch einige Takte.

Mehr als nur ein Scherz ist Hindemiths Streichquartett "Minimax", eine bunte, schrille musikalische Groteske. Wen oder was nimmt Hindemith hier auf die Schippe?

Danel: "Minimax" ist im Stile eines Militärmarsches komponiert, verarbeitet aber auch Elemente aus Operette und Salonmusik. Hier klingt einfach alles "falsch" gespielt. Eine sehr geschickt gemachte Karikatur.

Und dann wäre da noch die Ouvertüre zum "Fliegenden Holländer", "wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um sieben Uhr vom Blatt spielt". Welche "Pannen" hat Hindemith in dieses kuriose Werk hineinkomponiert?

Danel: Alles Mögliche. Falsche Noten, falsche Intonation, falsche Einsätze. Hindemith wusste sehr genau wie es klingt, wenn Musiker vom Blatt spielen.

Zum Beispiel?

Danel: Lauter spielen sobald es einfacher wird, oder Oktaven, die nicht rein klingen. Lustig wird es, wenn die Kurkapelle plötzlich und unversehens einen Walzer spielt. Das ist Musik, die ihr vertraut ist und folglich spielt sie auf einmal sehr gut.

Fällt es schwer, ein Werk bewusst und absichtlich zu "vergeigen"? Wie hoch sind die spieltechnischen Anforderungen?

Danel: Es ist extrem schwer, da man ja nicht einfach "irgendwie" falsch spielen kann. Das wird vom Komponisten sehr gezielt und präzise vorgeschrieben und von uns notengetreu wiedergegeben. Und ja, eine reine Oktave zu üben, das sind wir gewöhnt, aber gezielt ein "bisschen falsch" zu spielen, das ist schon eine besondere Herausforderung.

Diese Werke kann man doch nicht bierernst aufführen? Wie viel schauspielerisches Talent ist hier von Nöten?

Danel: Natürlich werden wir diese Musik anders auf die Bühne bringen als ein Rasumowsky-Quartett von Beethoven, aber das muss spontan geschehen, aus dem Moment heraus.

Was das Publikum betrifft: Ist Lachen zwischen den Sätzen erlaubt?

Danel: Ja, aber natürlich.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.weidener-meisterkonzerte.de/
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