Folk-Rock-Sängerin Barbara Clear reißt die Zuhörer in der Max-Reger-Halle mit
Unabhängige Rampensau

Voller Leidenschaft und Inbrunst sang Barbara Clear in der Max-Reger-Halle. Selbst kleinere Pannen brachten sie dabei nicht aus der Fassung. Bild: Kunz
Für Barbara Clear ist klar: Sie macht sich nie mehr von Plattenlabels abhängig. Die Besucher ihrer Konzerte sollen stets selbst entscheiden, was ihnen der Auftritt der Lebenskünstlerin letztendlich wert war. Und die Zuhörer in der Max-Reger-Halle bekamen ihre Meinung zu Eingriffen in der Natur gratis dazu.

Wenn Barbara Clear mit der alten Kris Kristofferson-Nummer "Me und Bobby McGee" die Max-Reger-Halle befeuert, die Akustikgitarre im Anschlag, dann macht sie diesen ganz besonderen Augenblick sinnlicher Begierde begreifbar, der im Text steckt. Dann geht sie vollends auf in der Rolle Janis Joplins, dieser einzigartigen Blues-Rockerin und Woodstock-Veteranin, die den Song coverte und 1970 an einer Überdosis starb.

Ihre eigenen Lieder entwickelt Barbara Clear auf ähnliche Art: laut und leise, klug, anklagend und nachdenklich. Die Teetasse steht in greifbarer Nähe auf dem Boden. Ein Tischchen, das ihr den Zugriff erleichtern würde, will sie nicht. "Würde ich glatt umschmeißen." Die Frau braucht Raum wenn sie singt, weil sie ihre Songs mit jeder Faser ihres Körpers auslebt.

Auf eigene Kosten

Künstlerin trifft es nicht ganz. Vielmehr ist Barbara Clear Lebenskünstlerin. Und eine echte Rampensau dazu. Lampenfieber scheint sie nicht zu kennen. Es gehört schon eine Riesenportion Mut dazu, auf eigene Kosten die Münchner Olympiahalle zu mieten - wir sprechen hier von einem hohen fünfstelligen Betrag - und darauf zu hoffen, dass Menschen kommen und zehn Euro Eintritt zahlen, um eine damals noch relativ unbekannte Sängerin zu hören.

Das war vor zwölf Jahren, als sie mit ihrer Aktion 8000 Besucher mobilisierte. Seitdem kennt man Barbara Clear. Inzwischen verlangt die Singer/Songwriterin keinen Eintritt mehr. Sie möchte die Entwicklung nicht mittragen, dass sich Qualität von Kunst durch den Betrag definiert, der auf einer Eintrittskarte steht, sagt sie. "Die Menschen, die es erleben, sollen selbst entscheiden, was es ihnen wert ist." Deshalb hat sie im Foyer eine Spendenbox aufgestellt. Ob diese Methode gewinnbringender ist? Sie unterstreicht auf alle Fälle ganz klar ihre Ansage gegen die von ihr praktizierte Unabhängigkeit von Plattenlabels. "Wenn Sie meine Arbeit honorieren wollen, auf Ihrem Weg nach draußen, sage ich ganz herzlich Dankeschön." Eine weitere Einnahmequelle bei ihren Gratis-Konzerten sind Porzellantassen mit von ihr gestalteten Motiven ihrer Traumwelten, die sie bei Seltmann Weiden brennen lässt. "Ich mache nichts, was mir nicht lieb ist." Deshalb wäge sie je nach Stimmungslage ab, ob sie singt oder malt. Kreativ ist sie dabei allemal. So kann es schon mal vorkommen, dass sie innerhalb von zwei Monaten 40 Mal auf der Bühne steht, um dann wieder irgendwelche Specials in ihrer 400 Quadratmeter großen Galerie in Kalteneck bei Passau zu veranstalten.

"Musik und Malerei lassen sich nicht trennen." "Musik ist Farbe" spiegelt ihre innere Einstellung komplett wider. Sie singt den "Power Pummel Blues", eine Breitseite auf den Schlankheitswahn in der Modebranche. Mit "Battlefield" beklagt sie den Zustand einer manipulierten Menschheit, die nur noch geduldet sei als Nahrungsmittel blutsaugender Zeckenbataillone.

"Klang des Lebens"

"Millionen Jahre siegte die Intelligenz". Jetzt laufe die Erde Gefahr von Geldgier, Lobbyismus und einer helfenden Politik vernichtet zu werden. Barbara Clear interpretiert den "Klang des Lebens", so das Motto ihrer Tour. Einmal hat sie einen Frosch im Hals, räuspert sich, findet aber sofort wieder den Draht zum Publikum: "Das ist so, als wenn ihr euch an einer Cocktail-Tomate verschluckt." Dann lässt sie eine ihrer beiden Gitarren im Stich, die sie für spezielle Akkorde braucht.

Für die Sängerin ein Zeichen dafür, dass sie den Song einfach überspringen sollte. Kleine Pannen, die den Sympathiewert steigern. Wie ihr Statement gegen "unbegreifliche" und "unvernünftige" Eingriffe in die Natur: "Niemand kann Fracking befürworten, weil es um unser aller Leben geht." Vor zwei Jahren habe sie einen Song geschrieben, wie die Erde wohl in tausend Jahren aussehe. "Ich hätte den Zeitraum enger spannen sollen."
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