FOS/BOS: Ehepaar Doenitz erzählt von ihrem Leben in der DDR
Bitterer Alltag

Absolute Stille in der Aula der FOS/BOS. Und das, obwohl rund 100 Schüler dort sitzen. Grund ist das Ehepaar Doenitz, das mit den jungen Leuten ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung einen Blick hinter die Mauer wirft.

Voller Konzentration folgen die Schüler den Worten von Professor Dr. Fritz-Dieter Doenitz. Zum Jubiläum der Wiedervereinigung sprechen er und seine Frau, Dr. Uta Doenitz, über ihr Leben in der DDR. "Nicht alles war damals schlecht", erklärte der promovierte Physiker. Die soziale Absicherung sei beispielsweise sehr gut gewesen. Mit "Ostalgie" hat Doenitz allerdings nichts am Hut. Denn "schönlügen" könne er sich die DDR keineswegs.

Zu bitter waren seine Erfahrungen im Alltag der Diktatur: "Wir waren nicht in der Partei, bereits das machte uns verdächtig." Die Stasi-Akte des parteilosen Wissenschaftlers umfasste 700 Seiten. Die darin zu lesenden Lügen waren "entwürdigend", sagt Doenitz. "Ich wurde sechs Jahre lang von einer vermeintlich guten Freundin bespitzelt", fügt seine Frau hinzu. Eine haltlose Spionageunterstellung beendete die wissenschaftliche Karriere des Physikers: "Formal habe ich den Job als Oberassistent an der Uni Jena behalten. Doch beruflich stand ich am Abstellgleis." Mit Geschichten aus seinem Buch "Bockwurst, ade", bringt Doenitz den Schülern aber auch heitere Skurrilitäten des DDR-Alltags nahe. Dass ein Urlaub in einem Hühnerstall auf Hiddensee Anlass zum Jubeln gab, war für die jungen Damen und Herren allerdings schwer begreiflich.

Ausstellung eröffnet

Schulleiterin Gabriele Dill dankt am Ende Familie Doenitz für die "spannenden Geschichten aus einer versunkenen Welt". Mit dem Zeitzeugengespräch hat die FOS/BOS die Ausstellung "Der Weg zur Deutschen Einheit" eröffnet, die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Auswärtigen Amt herausgegeben wurde. Die von Studiendirektorin Dagmar Brühler initiierte und organisierte Schau ist für die Öffentlichkeit bis Anfang November in der Aula zu besichtigen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.