Fotografische Ehrlichkeit im Fokus

Georg Gruber zeigt seine Fotografien noch bis 30. September in der Weidener Regionalbibliothek. Bild: Götz

Es sind die hinreißenden Ergebnisse der analogen Fotografie-Kunst, die bis 30. September in der Weidener Regionalbibliothek zu sehen sind. Georg Gruber überschreibt einen kleinen Einführungstext dazu mit den Worten: "Landschaft - Unergründliches Werk der Schöpfung und die ewige Frage nach dem Warum".

Georg Gruber fotografiert seit vielen Jahren, sieht die Welt in seinem ganz eigenen Blickwinkel, transportiert mit seinen Aufnahmen seltene, unverfälschte Momente. Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus 20 Jahren mit Eindrücken aus zahlreichen Urlauben in der Schweiz, Italien, Andalusien, auf dem Sinai, in Israel, Griechenland, Ägypten oder in den Dolomiten sind in der Ausstellung ebenso zu finden wie kleine Motive aus der Region.

Gruber sucht seine Motive nicht, er findet sie. Oder sie ihn. Er sieht, was andere vielleicht übersehen. Geduldig sucht er mit dem Objektiv den perfekten Blickwinkel, die umfassende Schönheit des Motivs. Oder er reagiert blitzschnell, wenn eine flüchtige Wolkenformation Schnelligkeit verlangt. Wichtig ist ihm die Authentizität, er bearbeitet nicht, verändert das Motiv nicht, unterlegt oder schmückt eine Felsformation, einen Baum, eine Landschaft nicht durch eine nachträglich eingebrachte Wolkenanhäufung.

Berührende Motive

Vielmehr drückt er auf den Auslöser, wenn ihn eine Ansicht, ein Moment, ein Landschaftsereignis berührt, einfängt, beeindruckt, in den Bann zieht. Das kann ein kleiner Busch sein, der aus einer felsigen Fläche wächst. Die Natur bahnt sich den Weg. Gruber erkennt das Besondere darin, drückt auf den Auslöser seiner Kamera, bewahrt das Besondere in seiner "Entdeckung", hält es fest, für sich und auch für andere. Die Farbdias scannt er, wandelt die Farben in schwarz-weiß um, ansonsten ändert er nichts. Keine technische Bearbeitung, sondern fotografische Ehrlichkeit. Was sollen seine Motive ausdrücken, will er eine Botschaft transportieren, einen "roten Faden" vermitteln? "Jeder muss sich meine Bilder selbst erschließen. Ich mache keine Vorgabe, ich biete die fotografierte Grundlage für eigenes Entdecken, Interpretieren", erklärt Gruber. "Manch einer kann mit den Motiven etwas anfangen, ein anderer nicht. Das ist wie in der Malerei, ein Bild spricht den Betrachter an - oder auch nicht."

Die Bilder zeigen vielfach nicht alltägliche Szenen. Die Aufnahme eines Berges wird zu einem ganz besonderen Augenblick, als an dem massiven und gewaltigen Berg kleine Schäfchen-Wolken vorbei ziehen. Eine Landschaft in der Toskana nimmt gefangen. Zu sehen ist hinter einer großen Wiese eine Baumreihe, darüber ein schmales Himmelsband.

Keine Bearbeitung

Dasselbe Motiv, ein anderer Ausschnitt, die wenigen Bäume wirken plötzlich riesig, ziehen den Betrachter fast zu sich ins Bild hinein. "Mit dem Nicht-Bearbeiten der Motive beginnt für mich die Redlichkeit des Fotografierens", erklärt der leidenschaftliche Fotograf.

"Ich erkenne ein Motiv intuitiv, es fällt mir in den Blick." Es können Wolkenbänder sein, Gesteinsformationen in den Dolomiten oder abgestorbene Sträucher im Toten Meer. Gruber erkennt das Besondere im Alltäglichen, scheinbar Selbstverständlichen, für andere unauffällig. Neben den überwältigenden Schwarz-weiß-Bildern präsentiert er auch einige wenige Farbaufnahmen, sie wirken durch die Farbigkeit, Nuancen bleiben erkennbar, die in der Reduzierung auf schwarz-weiß verloren gingen. Gruber macht kein Dogma aus der Farbreduktion, er erkennt, wann er mit seinem Stil "brechen" muss.

Georg Gruber, geboren 1935 in Schwandorf, kam 1961 als Journalist zum Medienhaus "Der neue Tag", arbeitete anfangs in der Amberger Redaktion, später in Weiden und war zuletzt Chef vom Dienst im Verlag.
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