Frauenflüsterer in Nöten

Weiden. Jochen Busse gibt den Hochstapler im Theaterstück "Der Kurschattenmann" bei der Kulturbühne in der Max-Reger-Halle. In der amüsanten Komödie hat er mit vier nicht ganz einfachen Damen zu kämpfen.

Jochen Busse, vielfach dekorierter Kabarettist, Schauspieler und Regisseur, hat bei der Komödie im Bayerischen Hof in München offensichtlich eine neue Heimat gefunden, nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur. Am Montag war er in Weiden bei der Kulturbühne in der Max-Reger-Halle zu Gast, und mit ihm vier Damen, die ihm so richtig unangenehm auf den Pelz rücken.

Denn Busse spielt den "Kurschattenmann" in der gleichnamigen Komödie von Rene Heinersdorff. Das Stück fordert von seinem Hauptdarsteller sein ganzes Selbstdarstellungs-Talent und verwöhnt die Zuschauer mit Bonmots und Situationshumor. Das Theaterstück schöpft die Stoffsammlung, die das Thema Kurschatten bietet, über Gebühr aus.

Eine Kurklinik im schönen Bad Aibling ist das neue Betätigungsfeld für den nicht mehr ganz jungen, aber nichtsdestoweniger abenteuerlustigen Schönling Ulrich. Er will es gleich bei drei Frauen wissen, jongliert nebenbei mit weiteren Liebschaften. Ein echter Hochstapler also, ganz nah an einem echten Schurken, der es nicht nur auf das eine oder andere billige Erlebnis abgesehen hat, sondern auch auf die finanzielle Seite seiner Liebschaften.

Nicht ganz mühelos


Man kann eigentlich nicht sagen, dass ihm die drei Frauen, um die es vor allem und zunächst geht, rettungslos verfallen wären, sie sind es in einer abgestuften Intensität. Und er, der mit seinem geschmierten Mundwerk alles beherrscht, hat schon Mühe, sein Ziel zu erreichen. Da ist zunächst die strenge Ärztin Isabell, spröde, pflichtbewusst, die von Christiane Rücker gemimt wird.

Vor ihr hat Ulrich Respekt. So hält sie ihm, sobald sie ihn mal zu greifen bekommt, seine Verstöße gegen die Hausordnung vor. Da wirkt das Süßholzraspeln nicht. Doch er findet dann doch - auf verbalen Umwegen - den Weg zu ihrem etwas weicheren Herzen. Misstrauisch und nicht so ohne weiteres zu überzeugen ist die Powerfrau Alice, die von Christine Schild dargestellt wird. Sie versucht, die unendlichen Geschichten, die ihr Liebhaber ablässt, als Lügen zu entlarven.

Er hingegen setzt alles daran, endlich den pekuniären Wert dieser Beziehung herauszubringen, was ihm zunächst nicht gelingt. Denn auch sie erzählt Geschichten von einem Mann, den sie anscheinend losgeworden ist. Er soll daraus lernen, dass sie nun keineswegs an einer neuen Beziehung interessiert ist. Warum ihr trotzdem seine pausenlosen Schmeicheleien gefallen, bleibt ein Geheimnis.

Leichter hat er es da bei der Dauerpatientin Edith, gespielt von Ingrid Steeger. Hier hat er auch schon mal partielle Erfolge mit Zärtlichkeitsattacken, stößt auch hier auf Misstrauen, weil Edith seine Geschichten kennt und von seinen Liebschaften weiß. Dahinein tritt nun die selbstbewusste, geheimnisvolle Oda, die sofort die Situation durchschaut.

Simone Rethel hat diese Rolle übernommen. Die neu Angekommene ist dem inzwischen gestressten Verführer zumindest ebenbürtig, so scheint es wenigstens. Sie ist ebenso schlitzohrig, zeigt Ulrich, der es auch hier mit schamloserer Flunkerei versucht, seine Grenzen. Schließlich entpuppt sie sich als trinkfeste Pokerspielerin. Es gelingt ihr tatsächlich, die drei anderen betrogenen Frauen zusammenzubringen und den Ulrich das Fürchten zu lehren.

Dieses Unternehmen mutet dann doch an , als sei es von Teenagern geplant worden. Und dass der anscheinend so gewiefte Betrüger einem lächerlichen Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen erliegt, ist selbst in einer Komödie nur schwer vermittelbar. Schwierig ist auch das Finale: Nachdem nun der Mann erledigt ist und nach den Regeln der Theatralik das Ende der Geschichte gekommen sein dürfte, raffen sich die vier Frauen zu einem Abschiedszeremoniell auf.

Donnernder Applaus


Und dann darf Ulrich, den alle schon für tot halten, noch einmal auferstehen, sich mit der Ärztin zusammentun und das Stück mit dem Satz beenden: "Der erste Mensch auf dem Mond war ich". Eigenartig. Die Zuschauer belohnten die schauspielerische Leistung mit reichlichem Beifall, denn klar war am Schluss nur eins: Die Prominenz der Darsteller hatte die Aufführung gerettet.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.