Fred Wesley & the New JBs sorgen für eine heiße Sommernacht zwischen Funk und Jazz
"Funky Good Time" am Unteren Markt

Die "New JBs" mit Fred Wesley (Posaune), Gary Winters (Trompete), Phillip Whack (Saxofon), Peter Madsen (Keyboards), Reggie Ward (Gitarre), Dwayne Dolphin (E-Bass) und Bruce Cox (Schlagzeug) heizten bei hochsommerlichen Temperaturen in der Fußgängerzone gehörig ein.
"40 Jahre Jazz in Weiden" - zu diesem Jubiläum brachte der Jazz-Zirkel eine zugkräftige Formation von Weltrang nach Weiden. In der Fußgängerzone am Unteren Markt hatte man eine Bühne aufgebaut, und bei freiem Eintritt und hochsommerlichen Temperaturen fühlte man sich in südliche Gefilde versetzt, eine Atmosphäre, wie man sie mit den großen Musikfestivals in Lugano oder Ascona verbindet.

Zwischen Montreux und London konnte Dr. Reinhard Roth, der Leiter des Jazz-Zirkels, auch einen Termin in Weiden aushandeln, und eine Formation, die ansonsten nur auf den ganz großen Bühnen zu Hause ist, in die Provinz bringen. Während die Eintrittspreise beim Montreux Jazzfestival allerdings zwischen 90 und 195 Franken kosteten, gab es das Spektakel in Weiden zum Nulltarif.

Fred Wesley, der vor wenigen Tagen seinen 72. Geburtstag feiern konnte, hat in seiner Eigenschaft als musikalischer Leiter der James-Brown-Band an der Entwicklung des Funk maßgeblich mitgewirkt, und es war faszinierend, diese Musik aus erster Hand hautnah zu erleben. Diese Musik geht in die Beine, und so gab es im Publikum eine Anzahl von Tänzern, aber auch Klatschen und Mitsingen war angesagt. "It's Party Time" hatte der Meister versprochen, und alle machten begeistert mit.

"Horny Horns"

Musikalisch bietet Fred Wesley mit seinen Mannen eine Mischung aus Funk und Jazz, wobei vor allem die Bläser im Mittelpunkt stehen. Mit Posaune, Trompete und Saxofon verfügt man über einen kraftvollen und dynamischen Satz, präzise und exakt werden die Themen intoniert - ein Stilmittel, das Fred Wesley von James Brown übernommen hat. Dabei gibt es viel Raum für solistische Ausflüge, die sich durchwegs am Jazz orientieren. Wegbereiter wie Art Blakey mit seinen Jazz Messengers oder Horace Silver, sowie zahllose andere Hardbop-Gruppen legten dazu den Grundstein.

Ein groovender E-Bass, ein donnerndes Schlagzeug, sowie eine Gitarre, die sich fast ausschließlich auf den Rhythmus beschränkt, sind die Grundelemente des Funk. Der Mann am Keyboard vermittelt zwischen diesen Polen, füllt mit Harmonien und Zwischenspielen die Freiräume. Anders als im Jazz üblich, steht hier nicht das individuelle Können im Mittelpunkt, was zählt ist der Gesamtklang und die Energie. Musikalisch gibt es wenig Abwechslung. Ein eingängiges Thema über einem zündenden Rhythmus wird ständig wiederholt, oft mit Gruppengesang und einer simplen Textzeile angereichert, und dann improvisieren die einzelnen Solisten ausgiebig über diesen Vorgaben.

Der Bass groovt

"Gonna have a funky good time", "Houseparty" oder "Breakin' Bread" sind wohl noch älter als der Jazz-Zirkel, und wurden zum Markenzeichen von Fred Wesley und seinen JBs. Diese Hits sorgen auch heute noch für Höchststimmung und dürfen bei keinem Auftritt fehlen.

Leider war die Anlage nicht optimal eingestellt, der Bass war zu dominant, so dass die anderen Instrumente oft nicht richtig zur Geltung kamen. Nur direkt vor der Bühne war das Klangbild einigermaßen ausgewogen, in den hinteren Reihen war außer einem aufdringlichen Bass nicht viel zu hören, eine stimmungsvolle Ballade wurde vom dröhnenden Bass erschlagen.

Punkt 22 Uhr musste die Party leider enden, aber der Jazz-Zirkel wird wohl noch lange an dem finanziellen Loch zu knabbern haben, das dieses Konzert in seinen Etat gerissen hat. Allein die Gema-Gebühren sind bei Veranstaltungen unter freiem Himmel immens! Dr. Reinhard Roth, der Vorsitzende des Jazz-Zirkels, erhofft sich von diesem Konzert einen Werbeeffekt und neue Mitglieder für den Verein, der seit vier Jahrzehnten das musikalische Spektrum der Max-Reger-Stadt bereichert.
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