Funk und Jazz im Blut

"James Brown liebte mein Spiel. Das musste er nicht mit Worten ausdrücken, das zeigten mir seine Reaktionen". Viele der großen Hits wie "Hot Pants" oder "The Payback" stammen aus der Feder von Frank Wesley und zeigen eine deutlich am Jazz orientierte Spielauffassung. Bild: dpa

"Alles, was du spielst, sollte aus dem Herzen kommen", sagat Fred Wesley, ein Mann, der nicht in engen Kategorien oder Schubladen denkt. "Ich liebe es, Jazz zu spielen, aber Funk bringt mehr Geld ein!"

Anlässlich seines 40-jährigen Jubiläums bringt der Jazz-Zirkel-Weiden, nach der faszinierenden Gruppe "Oregon" und dem überragenden "European Jazz Trio", am 11. Juli Fred Wesley, das Urgestein der Soul- und Funk-Musik mit seiner Band, den "New JBs", zum Sommerfest nach Weiden.

Bekannt wurde Wesley zusammen mit Maceo Parker und Pee Wee Ellis in der Band von James Brown. Als "JB Horns" prägten sie den unverkennbaren Sound der Band, sie waren Wegbereiter des Funk. Aber die Wurzeln des 72-jährigen Posaunisten liegen tief im Jazz. "Anfänglich wollte ich gar nicht mit James Brown spielen. Ich hätte viel lieber einen Gig bei Ray Charles, Horace Silver oder Art Blakey gehabt. Doch ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit James Brown arbeiten konnte. Er war ein Innovator, und ich hatte große Freude daran, meinen Teil dazu beizutragen."

Vom Sideman zum Leader

James Brown, der selbst eine große Vorliebe für Jazz hatte, brachte es auf den Nenner: "Happiness is Fred Wesley playing his horn!" Seine ersten Schritte als Musiker machte Fred Wesley in der Band seines Vaters. Schon als Kind hatte er Trompete gelernt, aber dann winkte der Einstieg in das Orchester seines Vaters. "Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, brachte mein Vater eines Tages eine Posaune mit nach Hause. Ich lernte schnell." In der Band von Ike & Tina Turner begann der damals 17-Jährige seine Profi-Laufbahn, von 1968 bis 1975 formte er als musikalischer Leiter, Arrangeur, Komponist und Posaunist den Sound der James-Brown- Band. 1978, als er schon mit James Brown weltberühmt geworden war, stieg er im Count-Basie-Orchester ein und zeigte, dass er auch relaxt swingen konnte. Seitdem spielte er mit der Creme aus Funk und Jazz, darunter Berühmtheiten wie Ray Charles, George Benson oder Van Morrison.

In klassischer Besetzung

Am 11. Juli ist Fred Wesley mit seiner Band "The New Jbs" in der klassischen Besetzung mit Posaune, Trompete, Saxofon, Keyboards, Gitarre, Bass und Schlagzeug auf Europatournee. Zwischen Auftritten auf dem renommierten Jazzfestival in Montreux und London gibt es im 40. Jubiläumsjahr des Jazz-Zirkels ein sensationelles Konzert in Weiden.

Dr. Reinhard Roth, seit 1998 Vorsitzender des Jazz-Zirkels, erzählt im Interview, wie es zu diesem außergewöhnlichen Konzert kam:

Reinhard Roth: Mit Fred Wesley and "The New JBs" wurde gezielt eine Band eingeladen, die sich nicht nur an Jazzpuristen wendet. Soul und Funk in Kombination mit erstklassigen Improvisationen, gespielt von Weltklasse-Musikern, die sonst vor Tausenden auf Festivals spielen, werden sicher auch einen größeren Teil der Bevölkerung begeistern und schon oft hat gerade ein Liveauftritt die Tür zum Jazz geöffnet.

Wie kamen Sie auf diese Gruppe?

Roth: Bei "Jazz in the City" in Salzburg vor einigen Jahren habe ich die Formation erstmals live gesehen. Vom ersten Ton an sprang der Funke auf die Zuhörer über, mitreißende Grooves und exzellente Solos sorgten für helle Begeisterung im Auditorium, ein großer Teil begann zu tanzen. Dabei entstand der Traum, einmal den Meisterposaunisten und Protagonisten der ganzen Soul- und Funkwelle mit seinem Ensemble nach Weiden zu holen.

Fred Wesley ist auf den ganz großen Bühnen zu Hause. Ist Weiden nicht eine Nummer zu klein?

Roth: Nachdem Fred Wesley eigentlich nur auf großen Festivals und in Metropolen gastiert, kostete es schon einige Beharrlichkeit, den Meister auf seinem Weg vom legendären Jazz-Fest in Montreux nach London nach Weiden in der Oberpfalz zu locken. Lange war völlig offen, ob er den "Umweg" über Weiden macht, und die Organisation, vor allem die Finanzierung, bereiteten viel Kopfzerbrechen.

"Stars" dieser Größenordnung sind ja nicht gerade billig zu haben. Wie wird das Konzert finanziert? Gibt es Sponsoren? Welchen Beitrag leistet die Stadt Weiden?

Roth: Einige Wirte am Unteren Markt unterstützen uns materiell und finanziell, die Stadt Weiden leisten einen Beitrag, die Stadt Neustadt/WN stellt uns die fahrbare Bühne zur Verfügung. Den größten Teil machen trotzdem die Beiträge der Mitglieder aus, deren Zahl weiterhin erfreulicherweise wächst.

Wo und wie geht das Konzert in Weiden über die Bühne?

Roth: Das Konzert findet bei freiem Eintritt am Samstag, 11.Juli, auf dem Unteren Markt in Weiden ab 19.30 Uhr statt und ist natürlich auch als weiteres Highlight in der Reihe unserer Sommerfeste zu sehen. Falls das Wetter nicht mitspielt, weichen wir in unser Domizil im Bistrot Paris am Schlörplatz aus. Dort würde es allerdings etwas eng!

Welche Erwartungen knüpfen Sie an das Konzert?

Roth: Zum 40-jährigen Vereinsjubiläum gehen wir ganz bewusst mit einem "Open air"-Konzert in das Herz der Stadt Weiden, um ein breites Publikum über die Arbeit des Jazz-Zirkels zu informieren. Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Begeisterung und die Freude an der spontansten und lebendigsten aktuellen Musikform, dem Jazz, vielen zu vermitteln - Begeisterung, die den Jazz-Zirkel Weiden schon seit 40 Jahren antreibt.

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Weitere Informationen im Internet:

http://jazz-zirkel-weiden.de/
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