Gedächtnisausstellung zum 65. Geburtstag
Karl Aichinger und seine Nähe zur Musik

Sie kannten "ihren Karl" wohl am besten: der ältere Bruder Fritz Aichinger und der jüngere Bruder Werner Aichinger (von rechts). Laudator Dr. Wolf Erdel erinnerte an das humorvolle, authentische "Gesamtkunstwerk" Karl Aichinger. Bild: Wilck
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
27.04.2016
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Kein Zufall: Die Gedächtnis-Ausstellung für den verstorbenen Maler und Bildhauer Karl Aichinger trifft mit dem 100. Todestag des Komponisten Max Reger zusammen. Beide waren Wahl-Weidener. Die Gemeinsamkeiten reichen aber viel weiter. Die Ausstellung offenbart Verbindendes zwischen Tönen und Farben.

"Art by Heart" , schrieb Karl Aichinger einmal. Ja, das Herz führte bei seiner Malerei die Hand und die Musik inspirierte seine Kreativität: Ob die stringenten, sauber strukturierten Kompositionen von Johann Sebastian Bach oder die klassische Moderne mit dem aufbegehrenden, avantgardistischen Max Reger oder dem eigenwilligen, bisweilen schroffen Jean Sibelius.

Zur Eröffnung der "Gemäldeausstellung im Gedenken an Karl Aichinger" - er hätte am 25. April seinen 65. Geburtstag gefeiert - im Foyer des Neuen Rathauses sprach Laudator Dr. Wolf Erdel vom Bezug der Bilder zur Musik - von der "Bild- und Tonkunst" in ihrer Gesamtheit. Wahrscheinlich wäre der Ende Dezember 2014 verstorbene Künstler vor den (gutgemeinten) Reden an diesem Abend geflohen, erinnerte Erdel an den unverstellten Menschen Aichinger: "Er mochte keinerlei Aufheben um seine Person."

"Absoluter Anspruch"


So wäre der "Karl" vielleicht "nach draußen zum Rauchen" gegangen, als Oberbürgermeister Kurt Seggewiß die stattliche Anzahl der lokalen Honoratioren begrüßte, an der Spitze zwei ehemalige Bundestagsabgeordnete (Ludwig Stiegler und Georg Girisch) sowie den Landtagsabgeordneten a. D. Werner Schieder. Mehr als 150 Gäste gaben dem bedeutendsten Künstler der Stadt Weiden die Ehre. Quasi Posthum.

Erdel, Verleger und Galerist in Regensburg, kämpfte mit den Tücken einer desolaten Lautsprecheranlage (ein Sinnbild für die Finanzknappheit der Stadt?), als er die Vita des Verstorbenen gegenwärtig machte: Aichingers "absoluten Anspruch" an das eigene Werk und dessen "Lebensglauben" (nicht Frömmigkeit), dieses "Mannes im Hier und Jetzt".

Professor Reiner Ginzel, der Aichinger bei den Max-Reger-Tagen kennen- und schätzen gelernt hatte, erinnerte an dessen "fast innige Verbindung" zur Musik Max Regers: Von der großen Zartheit bis zum explosiven Ausbruch. "Seine Bilder sind so wie Regers Musik". Regersche Klangfarben "mischte" der aus Tutzing stammende Professor auf dem Violoncello mit den mächtigen Bildern der Ausstellung ...

Ungestüm und sanft


Oberbürgermeister Seggewiß würdigte den "außergewöhnlichen Künstler", dessen Werke Eingang in das Germanische Nationalmuseum Nürnberg, die Staatsgemäldesammlung in München, in die Sammlung der Stadt Tampere in Finnland und die Sammlung Monica Strauss in New York fanden.

"Vom Urkreis der Welten/ins Magnetfeld der Erde/Membrane zitternd in Gottes Hand": Die archaische, eindringliche Allgewalt der Schöpfung fesselte und faszinierte den Maler Karl Aichinger. Seine abstrakten Kompositionen wühlen den Betrachter auf, wohl auch beeinflusst durch die innigliche Nähe zur Musik - aufbrausend und harmonisch, ungestüm und sanft, wild und geordnet. Hier führte der breite Pinsel nach den Klängen und der unbändigen, manchmal ungezügelten Freude am Farbenspiel die Regie.

Schlüsselwerke


Nicht minder spannend sind die Frühwerke Aichingers aus den 70er Jahren: Gouachen mit Wasserfarben in zarten, wie hingehauchten Pastelltönen. Der in den Jahren 2010 und 2011 auf Bach, Sibelius & Co ausgerichtete Zyklus (Acryl auf Glas) spiegelt zweifelsohne am markantesten das Talent dieses großen Künstlers wider: Die Bilder sind - in sich - nicht nur vollendet harmonisch, sie sprudeln in überschäumenden Facetten über vor schierer Lust am Surrealen. Die Bilder schenken ein tief berührendes Schau-Erlebnis - mit ständig neuen Überraschungen!

"Gesintertes Blau/ist ein Flügel/im Harz der Erinnerung": Dem Verstorbenen hätte der unverfälschte Charakter-Mix der ausgestellten Werke wohl einige Sinnen-Freude bereitet. "Halleluja".
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