Gerhard Polt und die Well-Brüder begeistern in der Max-Reger-Halle
Watsch'n für Amigos und Vereinsmeier

Die Well-Brüder sind mehr als eine Pausenband. Neben Polts Bühnenpräsenz glänzen sie mühelos mit ihrem virtuosen Multi-Instrumentalismus. Bild: otj
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
21.10.2016
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Die halbe Oberpfalz pilgert in die ausverkaufte Max-Reger-Halle. Kein Wunder. Mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern halten echte Legenden des bayerischen Kabaretts Audienz.

Fürs Anfangsgstanzl haben die brillant aufspielenden Multiinstrumentalisten aus dem Biermoos recherchiert. OB Kurt Seggewiß, Weidens CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch und der Pleitegeier im Stiftland bekommen erst einmal eine liebevolle Watsch'n. Apropos Liebe: "Bayern, das ist ganz gewiss, ist die Vorstufe zum Paradies", singen die Well-Brüder - Karli, Stofferl und Michael Well - in einem Gstanzl. Aber auch, wenn das ein wenig ironisch gemeint sein mag.

Gerhard Polt und die Musikantentruppe aus dem Biermoos eint eine zwiespältige Liebe zum Heimatland. Musik, Dialekt, Natur: Ja. Korrupte Amigos, Wichtigtuer, Vereinsmeier: Nein. Da lässt Polt als Vorsitzender das 125. Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Revue passieren. Wir haben bei einem Brainstorming gesagt: Wir wollen auch kulturell ein bisschen was auffahren. Und drum stellen wir ein Bierzelt auf." Nur der örtliche Fernsehsender habe dieses "Mega-Event" in den Dreck gezogen. "Die Drecks-Amsel, die mistige, erzählt da Lügen, das ist schon geschäftsschädigend. Angeblich sei dieses Jahr weniger Rollbraten verzehrt worden, als bei anderen Festen in Hausen." Der Chef von der Südfleisch habe bestätigt: "So viel Rollbraten ist in Hausen noch nie verzehrt worden!" Und der muss es wissen. Von dem komme der Rollbraten.

Ironische Überspitzung


Gerhard Polt macht das, was ihn seit Jahrzehnten unvergleichlich macht. Er beobachtet und schaut den Leuten aufs Maul, seziert Verhalten und Sprache. Daraus bastelt er seine Figuren, über die man so herzlich lachen kann. Und wenn man genau hinhört, erkennt man trotz aller ironischer Überspitzung - diese Leute gibt es wirklich, sie sind einem in Teilen näher, als man wahrhaben möchte. Er gibt den liebevollen Großvater, der für die überbeschäftigten Eltern einspringt und sich um die historische Bildung seines Enkels kümmert, den er zum "lupenreinen Demokraten" erziehen möchte. "Wenn wir den Ersten Weltkrieg nicht verloren hätten, hätte es den Zweiten gar nicht gebraucht." Jetzt müsse er aber mal schauen. Die Kinder würden im Keller etwas basteln. "Und da ist jetzt in der Nähe so ein neues Asylbewerberheim gebaut worden ..."

Ein in der Ehre verletzter Landrat. Er lamentiert über die Presse, die sich darauf stürzt, dass sein Geburtstagsfrühstück 120 000 Euro verschlungen hat. In einer bitterbösen Satire auf die kommunale Vetternwirtschaft lässt Polt sein Alter Ego den Kreislauf einer Kiste "Schampanninger" zwischen Sparkassendirektor, dem Pfarrer und dem Landrat nachvollziehen. "Ja, wir haben ihm den Privatweg zur Alm geteert. Das hat den Steuerzahler aber gar nichts gekostet. Das hat die EU gezahlt".

Im Laufe des Abends lässt er noch viele weitere skurrile Charaktere auftreten. Der ultrakonservative Pfarrer aus Indien will Bayern mit harter Hand rechristianisieren. In einem Radiointerview lernen die Hörer den Alkoholsportler kennen, der seine Begabung leider nicht weiter geben konnte. "Ja, die Jungen muss man machen lassen. Und mein Sohn hat ganz früh schon gesagt, dass er lieber Komasäufer werden will." Alles ganz, ganz stark.

Virtuose Musiker


Auch wenn Polt eine beeindruckende Bühnenpräsenz aufbringt - die Well-Brüder sind keine Pausenfüller, sondern virtuose Musiker mit einer atemberaubenden Vielseitigkeit. Drehleier, Harfe, Gitarre, Ballastsaite oder Tuba - die Brüder demonstrieren, wie sich echte Volksmusik von den volkstümlichen Schlagersängern unterscheidet. Auf dem Alphorn geben sie ein Medley großer Melodien. "Alle Lieder sind eigentlich erst einmal fürs Alphorn geschrieben."

Neben einigen spektakulären Tanzeinlagen gibt Stofferl Well authentisch mit Wollmütze den Rapper "Little Mili", der mit dem Protestsong für die Milchbauern 40 Cent die Max-Reger-Halle aufwiegelt, naja, sagen wir, es versucht: "40 Cent, 40 Cent. Weil sonst Bayern brennt." Mit einem schönen Gstanzl verabschieden sich die Musiker. "Frauen haben Haare auf den Zähnen, das ist ihre Natur. Aber bei der Frauke Petry hat jeder Zahn eine eigene Frisur."
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