Gisela Bock als Model erfolgreich
Aus Weiden in die Glitzerwelt

Gisela Bock alias Lilli Beck stammt aus Weiden, hat aber fast keine Beziehungen mehr in ihre alte Heimat. Repro: Kempf
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
03.09.2015
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Werden Models heute in vielen Casting-Veranstaltungen gesucht, war es früher meist Zufall, als Model entdeckt zu werden. Gisela Bock aus Weiden verdankt ihre Karriere solch einem glücklichen Umstand.

Als 18-Jährige kam sie nach München und wurde in einer Disco von einer Model-Agentin entdeckt. Es folgten zehn Jahre Aufenthalt in Paris, Reisen, Foto-Shootings für Modezeitschriften, Burda-Moden oder Bademoden-Plakate. Sie war Vorlage für die Pirelli-Kühlerfigur und Covergirl auf der Platte "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" von Marius Müller-Westernhagen. Bock nahm Schauspielunterricht, wurde Cutterin und erhielt TV- und Filmrollen. 1980 wurde sie schließlich Visagistin. Und Autorin.

Unter dem Pseudonym Lilli Beck verfasste sie vor einigen Jahren den fiktiven Roman "Reich heiraten". Jetzt erschien ihr Roman "Glück und Glas". Die Kulturredaktion sprach mit Lili Beck über ihr Buch und ihr Leben.

Ihr erstes Buch "Reich heiraten" hatte, wie Sie uns 2008 sagten, keinen autobiografischen Hintergrund. Bei Ihrem neuen Buch Glück und Glas" ist dies anders.

Gisela Bock: Stimmt, mein erster Roman hatte keinen direkten autobiografischen Hintergrund. "Reich heiraten" war nie mein Ziel, dennoch flossen meine Hippie- und Kommunen-Erfahrungen ein. Bei "Glück und Glas" sind es die Model-Erfahrungen und teilweise private Erlebnisse, die ich habe einfließen lassen. Trotz des autobiografischen Hintergrunds ist es aber ein fiktiver Roman.

Sie führten ein Leben, das für ein Mädchen aus Weiden sehr besonders ist. Wie viel davon erzählen Sie in Ihrem Buch? Wie viel entspricht der Realität?

Bock: Die Figur der Marion, später Moon, hat viel von mir, vor allem die Model-Passagen sind authentisch. Anders als im Buch verlief meine Entdeckung als Model wesentlich unaufgeregter und ich war auch nie im Gefängnis. Ich habe aber lange mit einer Beamtin der JVA in Aichach telefoniert, die mir die damaligen Verhältnisse ausführlich geschildert hat. Aber auch Hannelore, später Lore, ist mir sehr nahe. Wie Lore hasse ich jegliche Ungerechtigkeit.

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte zweier Freundinnen über die Jahrzehnte ab 1945 hinweg. Gibt es diese Freundin wirklich oder ist es eine fiktive Freundin, die Ihre Erzählung über Ihr Leben flankiert?

Bock: Ja, ich habe eine Freundin, mit der mich eine sehr lange, intensive Freundschaft verbindet. In jungen Jahren waren wir auch in denselben Mann verliebt, ohne es voneinander zu wissen. Wir kennen uns zwar nicht seit der Geburt, sind aber seit 45 Jahren befreundet und hatten wie Moon und Lore auch Zeiten, in denen wir zerstritten waren.

Die Erzählung umfasst eine Zeitspanne von 70 Jahren ab 1945. Wie groß war der Einfluss der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen auf Ihre eigene Lebensgestaltung? Könnte Ihr Leben sich auch ab heute noch in ähnlicher Weise entwickeln? Oder, hätte es anders ausgesehen, wenn Sie 30 Jahre später geboren worden wären?

Bock: Mich hat vor allem die Hippie-Bewegung beeinflusst. Anfang der 70er-Jahre habe ich selbst eine Kommune gegründet. Wir wollten nicht wie unsere Eltern als Familien leben und lehnten auch sonst alles ab, was wir als spießig empfanden. Das sich daraus ergebende Chaos im profanen Alltag war allerdings nur anfangs lustig. Später war es einer der Hauptgründe für die Auflösung der Kommune. Politik beschäftigte mich nur am Rande. Die Einflüsse der 68er-Generation, mit dem Bedürfnis nach Aufbrechen der scheinheiligen Moral und die Beendigung des Vietnam-Kriegs haben mich wiederum schon geprägt. Ich träume immer noch vom Weltfrieden. Wäre ich 30 Jahre später geboren, sähe mein Leben sicher anders aus. Jeder ist auch immer ein "Kind seiner Zeit".

Haben Menschen heute mehr Möglichkeiten, ein aufregendes, ungewöhnliches Leben zu führen?

Bock: Meiner Meinung nach ist es weniger eine Frage der Möglichkeiten, sondern eher eine der Persönlichkeit. Eine Frage der Träume und wie zielstrebig man an deren Verwirklichung arbeitet. Ich selbst komme aus einer gutbürgerlichen Familie, habe aber schon als Kind von einer "großen Karriere" geträumt, ohne genaue Vorstellungen davon zu haben, wie die aussehen soll. Filmstar zu werden, stellte ich mir als Neunjährige schrecklich aufregend vor. Später war es dann der Film "Zur Sache Schätzchen", der 1967 den Wunsch weckte, nach München zu gehen. Meine Eltern erlaubten es, mit der Voraussetzung, dass ich mir in München einen Job suche. Bereits zwei Wochen nach meiner Ankunft wurde ich in der damaligen In-Disco "Blow up" von einer Model-Agentin angesprochen, ob ich Probeaufnahmen machen würde. So unspektakulär begann meine Modelkarriere. Mein Leben wäre sicher anders verlaufen, hätte ich diese Chance nicht ergriffen. Nach meiner Model-Zeit bin ich nicht zurück in ein festes Arbeitsverhältnis, sondern habe als freiberufliche Visagistin gearbeitet.

Streben heute mehr junge Frauen danach, in die "Glitzerwelt" einzutauchen?

Bock: Angesichts der massenhaften Castingshows und Model-Wettbewerbe in TV und Zeitschriften scheint es der Traumjob schlechthin zu sein, um ein glamouröses Leben führen zu können. Und sich einen Fußballer, Schauspieler oder sonstigen Promi zu angeln. Leider ist die Konkurrenz heute um ein vielfaches größer als in den 60er- und 70er-Jahren. Nur die wenigsten Mädchen schaffen es an die Spitze. Die Agenturen nehmen zwar viele Mädchen auf, um sie einfach auszuprobieren, aber wenn es dann nach zwei, drei Jahren nicht mit der großen Karriere geklappt hat, ist es ihnen egal, was danach kommt. Ich würde heute auf jeden Fall nicht alles auf die Model-Karte setzen.

Konnten die Weidener mit ihrem Leben als Model umgehen?

Bock: Meine Model-Karriere war ziemlich steil, weshalb ich schon nach wenigen Wochen ständig auf Reisen war und kaum noch Zeit hatte, nach Weiden zu fahren. Meine Mutter hat mich oft in München besucht, und ich hatte nur noch sporadischen Kontakt mit einer Freundin aus der Berufsschule.

Kennt man Sie in Weiden auch heute noch?

Bock: Außer mit meiner Familie und der oben erwähnte Freundin habe und hatte ich keine Kontakte mehr in Weiden. Lesungen sind oft Gelegenheiten, alte Bekannte oder Freunde zu treffen, und ich bin gespannt, wer bei meiner Lesung am 24. September in der Buchhandlung "Stangl & Taubald" dabei sein wird.

Wenn Sie heute noch einmal beginnen könnten - würden Sie sich dann ein anderes Leben wünschen?

Bock: Wie schon erwähnt, würde ich heute nicht mehr "nur" modeln. Aber ich würde immer einen kreativen Beruf wählen, in dem ich frei und ungebunden wäre. Beim Schreiben empfinde ich es als großes Glück, mir die Arbeit und den Tag selbst einteilen zu können.
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