"Hair" in der Max-Reger-Halle
Im Zeitalter des Wassermanns

Es ist eine einfache Botschaft: "Make love not war". Für das Musical "Hair" ist diese Forderung eine Grundprämisse des menschlichen Zusammenlebens. An Aktualität hat sie auch in der Gegenwart nicht verloren.

Die opulente Milos-Forman-Verfilmung des Musicals aus dem Jahr 1979 darf man nicht im Hinterkopf haben. Mit diesem Maßstab täte man der "Broadway Musical Company New York" und den Schauspielern Unrecht. Es verdient absolute Hochachtung, was sie auf die Bühne der Max-Reger-Halle zaubern.

Erfreulicherweise haben die Verantwortlichen um Regisseur Andrew Carn auf eine "moderne" Inszenierung verzichtet und nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise zurück in die 60er Jahre.

Und trotzdem: Irgendwie erinnert die damalige Zeit doch auch an das Jahr 2016. Ein zeitloses Werk eben. Sex und freie Liebe in allen Variationen, Drogen, Rassendiskriminierung, Auflehnung gegen Konventionen der Gesellschaft, der Zweifel am Sinn der Kriegsführung und der Wunsch nach dem Frieden.

Leben feiern


Die Künstler zelebrieren ihr "Hippy-Life" und besingen das Zeitalter des Wassermanns ("Age of Aquarius"). Denn, so heißt es im Eröffnungslied etwa frei übersetzt: "Wenn der Mond im siebten Haus ist und Jupiter sich an Mars ausrichtet, dann wird Friede die Planeten leiten".

Im Zentrum des Geschehens stehen Claude (Glen North) und Sheila (Jessica J. Dyer) mit ihren Hippiefreunden Berger (Brett Travis), Dionne (Shannon Dionne), Jeanie (Nadine Kühn), dem schwarzen Hud (Oludaré Bernard) und dem schwulen Woof (Michael Moore), die sich gegen die Wert- und Moralvorstellungen der Gesellschaft auflehnen. Anstatt sich, wie der Rest seiner Freunde, gegen den Wehrerfassungs-Bescheid aufzulehnen, fügt sich Claude seinem Schicksal, zieht in den Vietnam-Krieg - und stirbt.

Nichts geändert


Schilder und Plakate mit Forderungen wie "Love, Freedom, Happiness", "No war" oder "Stop Blood" können es nicht verhindern. Damals nicht und heute auch nicht. Das Zeitalter der Idealisten lässt noch auf sich warten. Gesanglich sind die quirligen Akteure bestens aufgelegt, die Klassiker von Galt MacDermot wie "Hair", "Manchester England", "Where do I go" oder "I got life" haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Glanzlichter des Abends sind die Darbietung von "Easy to be hard" von Jessica J. Dyer, sowie das Einstiegslied "Age of Aquarius" mit einer stimmgewaltigen Shannon Dionne. Die exzellente Choreographie von Michael Burnie kann ebenfalls mit "erste Sahne" bewertet werden.

Spartanisch, aber nicht weniger eindrucksvoll das Bühnenbild: Kaum Kulissen, keine großen Umbauten, kein Vorhang - was zählt, sind die fünfköpfige Band auf der Bühne unter der Leitung von Pete Lee sowie die Darsteller. Eher ungewöhnlich heutzutage, dass die Sänger ihre Mikros in der Hand halten - vielleicht eine Reminiszenz an die Zeit, aus der das Musical stammt.

Gegen Gewalt


Flower-Power, der Protest gegen den Vietnam-Krieg und dennoch "Love, peace and happiness" - es ist garantiert der richtige Film, der da am Sonntag in Weiden läuft. Und die große Anti-Kriegshymne "Let the sunshine in" als Schlusslied lässt an diesem Abend niemanden kalt. Verdientermaßen langanhaltende "Standing Ovations".
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