Hanns-Friedrich Kaiser trägt bei den 17. Max-Reger-Tagen in der Kirche St. Michael imposante ...
Reger und zwei Tschechen

In die Kirche St. Michael hätten noch mehr Leute hineingepasst, als Hanns-Friedrich Kaiser im Rahmen der 17. Weidener Max-Reger-Tage zu einem Orgelkonzert ansetzt. Aber man kann einfach nicht erwarten, dass der große Kirchenraum ganz gefüllt wird. So viele Besucher wie im Saal des Alten Rathauses sind allemal anwesend. Das Motto "Max Reger und die tschechische Musik" führt dazu, dass zwei Werke des Oberpfälzer Komponisten je ein Werk eines tschechischen Tonschöpfers einrahmen. Kaiser beginnt seinen Vortrag mit sechs der "12 Orgelstücke" op 80 von Max Reger (1873 - 1916) . Festlich eröffnet eine "Toccata" mit unterschiedlicher Dynamik das musikalische Geschehen, gefolgt von einer schnellen "Fuge", die streng ihr Thema polyphon entwickelt und mit vollem Werk beschließt. Tänzerisch folgt ein "Scherzo". Den Kontrast dazu bildet die anschließende verträumte "Romanze". Das "Perpetuum mobile" präsentiert während seiner Dauer drängende Tonentwicklungen. Das abschließende "Intermezzo" rückt alles wieder gerade, indem es eine überschaubare Melodie vorträgt. Sie endet in sachter Verklärung.

Bewundernswert, wie Hanns- Friedrich Kaiser auf alle Tonideen Max Regers eingeht und sie stimmig verwirklicht. Von dem tschechischen Komponisten Josef Labor (1842 - 1924) folgt seine "Orgelsonate h-moll" op 15 mit einem kunstvollen "Allegro", in dem Melodien sich über einem Cantus firmus ausbreiten. Immer ergreifend ist das folgende "Andante" in verschiedenen Stimmen und Registern gestaltet. Das abschließende achttaktige Thema der "Ciacona" wird in unterschiedlichen Abwandlungen kunstvoll erweitert vorgeführt, bis es in einer großartigen Steigerung seinen Abschluss findet. Ein weiterer tschechischer Komponist, Petr Eben (1929-2007), schrieb "A festive Voluntary", ein Orgelwerk mit Variationen über das Lied "Good King Wenceslas".

Diese Veränderungen bleiben alle charakterlich beim Lob des guten Königs, tragen aber ein weitgefächertes Erscheinungsbild vor. Voll tonal und auch im vollen Werk differenziert, beeindruckt das Werk in Kaisers überzeugender Spielweise sehr.

Und noch einmal ein Orgelstück von Max Reger, die "Phantasie über den Choral: Straf mich nicht in deinem Zorn" op 40/2. Nach ungestümer Einleitung schafft es der Komponist, dem Inhalt von sechs Strophen eine jeweils passende musikalische Darstellung angedeihen zu lassen, die zum einen immer in der Nähe des Choralthemas bleibt, andererseits aber vor musikalischen Ausbrüchen nicht zurückschreckt. Auch erfolgt eine gewaltige Steigerung zum Schluss zu. Ein bemerkenswertes Werk, bemerkenswert interpretiert.
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