Hans Theessink bei Klein & Kunst
Willkommen im Kopfkino

Markantes Gesicht und Silbermähne - dem Charisma des Blues-Musikers Theessink kann man sich nicht entziehen. Am Donnerstag beendete er vor ausverkauftem Haus die 3. "Klein & Kunst"-Saison. Bild: otj

Von Jörg Otto

Weiden. Von oben brennt die Sonne gnadenlos auf den Highway, über dem Asphalt sieht man das Flimmern der heißen Luft, am Straßenrand wirbelt der Wind den Wüstensand auf, eine Klapperschlange versteckt sich zischend im Schatten eines Felsen. Dazu ein staubtrockener Akkord - willkommen im Kopfkino von Hans Theessink.

"Key to the Highway" ist nicht das einzige Roadmovie, das der Roots-Großmeister mit dem markanten Gesicht und der Silbermähne bei seinem ausverkauften "Klein & Kunst"-Gig in der Max-Reger-Halle einlegt. Der Niederländer ist ein Geschichtenerzähler. Es geht um Liebe, Freundschaft, Verzweiflung, das Outlaw-Dasein und den Glauben. Sein Sound spricht zu einem, seine Gitarre weint und seine tiefe Stimme umarmt die Menschen, die ihm zuhören.

Cash und Cooder


Seit mehr als vierzig Jahren zieht der "travelling troubadour" mit seinen Stories über die Bühnen auf der ganzen Welt. Gespielt hat der Wahlwiener mit den ganz Großen des Genres. Johnny Cash beispielsweise. Oder Ry Cooder. Während in anderen Musikstilen das Covern von Songs anderer Künstler oft verpönt und eher die Ausnahme ist, gehört das Interpretieren alter Standards zum Handwerk. Auch Hans Theessink begeistert mit einer Mischung aus fremden Songs und eigenen Kompositionen wie "Early this Morning".

Mit "Mercury Blues" von 1948 blättert der begnadete Gitarrist zum Beispiel tief in den Geschichtsbüchern des Blues. Oder er huldigt Johnny Cash mit dem Gospel "The Wayfaring Stranger", den er vom Man in Black persönlich gelernt hat, als sie sich bei einem Gig in Wien eine Garderobe teilten.

Der Theessink-Touch


Theessinks Setlist liest sich wie ein beeindruckendes Who-is-who der Roots-, Blues- und Folkmusik: Songs von Blind Willie McTell, Big Bill Broonzy, Leadbelly und Derroll Adams, Brownie McGhee bekommen den Theessink-Touch und werden so lebendig, als stünden sie selbst auf der Bühne - bereichert um den lässigen Groove des Musikers.

Die Töne, die der Virtuose der Steelguitar, der 6- und 12-seitigen Gitarre entlockt sind bis auf den zärtlichsten Zupfer präzise akzentuiert. Und was Theessink mit Bottle-Neck, Bending und Picking seinen Instrumenten entlockt - das ist sowieso ganz großes Kino. Kopfkino. Ein Roadmovie - von und mit Hans Theessink, das erst nach mehreren Zugaben endet.
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