Hans Weishäupl tüftelt beispiellose Kampagne aus
Weidener zaubert für J. K. Rowling

Ein kreativer Kopf: Hans Weishäupl.

Die junge Frau mit dem Zopf schlägt die Augen auf und lächelt nett, als die Kamera langsam auf sie zufährt. "Wollen Sie wissen, wer ich wirklich bin?", fragt ihre Stimme aus dem Off. "Dann schauen Sie genau hin." Für Sekundenbruchteile wird das hübsche, freundliche Gesicht überlagert von einer bösartigen Fratze. "Denn vielleicht", hört der Zuschauer das Mädchen sagen, "bin ich ja ganz anders ..."

Um eine ganz andere Werbekampagne handelt es sich dabei auf jeden Fall. Die attraktiven jungen Menschen, die J. K. Rowlings Buch "Ein plötzlicher Todesfall" (Ullstein/Carlsen) bekannt machen sollen, haben zwei Gesichter. Sie offenbaren ihre dunkle Seite. Das ist gruslig, geheimnisvoll - und gigantisch: Die Schwarzweiß-Spots laufen zur besten Sendezeit in den Fernseh-Werbeblöcken, sind unausweichlich. "Jeder hat etwas zu verbergen" - so lautet der Slogan, der schon mal ganzseitige Anzeigen in Printmedien ziert. Bis Mittwoch vergangener Woche war es der dicke Coup, den der gebürtige Weidener Hans Weishäupl zu verbergen hatte: Für die Kampagne galt allerhöchste Geheimhaltungsstufe.

Inhalt unbekannt

Zu viel wusste der 42-Jährige anfangs ja selbst nicht. Und so sei's nicht gerade leicht gewesen, "für ein Buch zu werben, dessen Inhalt Sie nicht kennen". Weishäupls Hamburger Agentur "das comitee" habe hier in enger Abstimmung mit der Harry-Potter-Autorin agiert: "Wir haben Frau Rowling gefragt: Was können Sie uns sagen, was dürfen Sie uns sagen?" Und so erfuhr Weishäupl lediglich, dass sich in einem kleinen Städtchen in England ein Todesfall ereignet, woraufhin sich menschliche Abgründe auftun. Abgründe? Genau: "Jeder hat etwas zu verbergen ..."
Den spektakulären Auftrag - die Deutschland-Kampagne für das erste "Erwachsenen-Buch" der Potter-Schöpferin - sicherte sich Hans Weishäupl vor etwa vier Monaten. Da hatte "das comitee" gerade eine Iphone-App für den Carlsen-Verlag präsentiert, die offenbar großen Gefallen fand. "Man hat uns gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, Vermarktungsideen für das Rowling-Buch zu entwickeln. Wir sagten: Ja, klar!"

Zu den Kunden des "comitee"-Chefs, dessen Onkel Karl die Metzgerei Weishäupl am Oberen Markt in Weiden führt, zählen Konzerne wie Siemens, Cinemax und Mercedes. Mit dem Auftrag für "Ein plötzlicher Todesfall" schreibt er nun ein Stück PR-Geschichte: "Das ist das erste Mal in Deutschland, dass ein Buch so flächendeckend beworben wird", staunt der Wahl-Hamburger selbst noch. "Fernsehen, ganze Seiten in Welt, FAZ und Zeit: Wahnsinn." Für die Werbeagentur bedeutet das auch unbezahlbares Prestige. Und so gibt es sogar einen Slogan in eigener Sache: "Die Werbeagentur das comitee zaubert für J. K. Rowling."

Insgesamt zwei Wochen flimmern Weishäupls "zwei Gesichter" über die Bildschirme. Vier Wochen lang begegnen sie den Zeitungs- und Zeitschriftenlesern. In Frankfurt stolpern demnächst die Besucher der Buchmesse über die ausgefallenen Ideen des Weideners: "Treppen wie die des Bahnhofs bekleben wir mit den Buchrücken."
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