Hat das "Schauspielweiden" nach Stephan Brunners Tod eine Zukunft?
"Es sollte weitergehen"

Bild von "Bash": 2010 war das die Produktion von "Schauspielweiden". Mit dabei (von links) Regisseur Jens Zörner, Ausstatter Stefan A. Schulz und Produzent Stephan Brunner. Archivbild: Wilck
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
15.04.2016
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Der Macher des "Schauspielweiden" ist gegangen. Bedeutet der Tod von Stephan Brunner auch das Ende dieses ungewöhnlichen Theaterprojekts? Nicht unbedingt. Einspringen könnte einer, der bislang im Hindergrund agierte.

"Er fehlt." Das ist das Erste, das Jens Zörner sagt. Er fehlt also. An allen Ecken. An allen Enden. Und in allen möglichen Erscheinungsformen. "Als Freund und als Leiter des ,Schauspielweiden'." Als "Inspirator", als derjenige, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Oder auch "als Fixstern dieses Projekts". Zörner fallen noch einige Ausdrücke mehr ein, um die Rolle von Stephan Brunner bei "Schauspielweiden" zu umschreiben. Im Grunde laufen sie alle auf eine einzige große Lücke hinaus, die der Tod Brunners hinterlassen hat. Eine, die eigentlich zu groß scheint. Schluss, aus, letzter Applaus also für diese besondere Form des Theaters in Weiden? Nicht zwingend. Zörner jedenfalls sagt: "Ich denke, es sollte weitergehen."

Beginn mit "Blaubart"


Zehn Produktionen brachte "Schauspielweiden" an wechselnden, teils spektakulär-überraschenden Orten auf die Bühne. Angefangen mit "Blaubart" 2006 in der Tiefgarage des Hotels "Admira". Zuletzt "Das Meeting" im Kunstverein. Brunner, der Ende März im Alter von 49 Jahren starb, war (anfangs mit Klaus Luther) derjenige, der Schauspieler trotz geringer Gagen zusammenholte, der Spielorte auftat, der alle Jahre wieder Gelder zusammenkratzte, teils selbst auf der Bühne stand, und und und. Die zweite konstante Personalie im Hintergrund: Zörner, der bei den meisten Stücken Regie führte.

Es sei noch sehr früh nach dem Verlust. Gewiss lasse sich deshalb noch nichts sagen, erklärt der 50-Jährige. Er könne sich aber vorstellen, als neuer Antreiber einzuspringen. "Wenn ich das nicht weitermachen wollte, dann würde ich ja die letzten zehn Jahre verraten." Wobei es nicht mehr so laufen würde wie in dieser Zeit. "Wir müssten möglicherweise einige Sachen ändern." Was natürlich zunächst an der Person liegt, die sich so oder so nicht ersetzen lasse. "Ich bin nicht Stephan Brunner aus Weiden." Brunner wuchs hier auf, hatte viele Kontakte, wusste, wo geeignete Spielstätten sind - all das fehlt dem Potsdamer Zörner. Vor allem aber, betont der 50-Jährige, "braucht ,Schauspielweiden' ein anderes Finanzkonzept".

Brunner musste sich alljährlich nach öffentlichen Geldern, Zuwendungen von Sponsoren strecken. Ein ermüdender Kampf. Er malte sich aus, dass eines Tages so etwas wie ein Stadttheater mit gesicherter Finanzierung entstehen könnte. "Diese Hoffnung habe ich nicht", sagt Zörner. Er setze stattdessen auf anderes. Zum einen natürlich auf öffentliche, institutionelle Förderung. Sei es durch Stiftungen, sei es aus Töpfen mit Mitteln aus kommunaler bis hin zu europäischer Ebene. Zum anderen sei es sinnvoll, Kooperationspartner zu finden, speziell: Theater. Bei denen wären dann auch Produktionen des "Schauspielweiden" zu sehen. Der Grund ist einfach: Eine Produktion kostet erst einmal recht viel. Spielen dagegen ist günstig. Und umso öfter gespielt wird, umso leichter lässt sich eine Produktion stemmen.

Neuer Charakter


Das würde sich freilich auch im Angebot des "Schauspielweiden" niederschlagen. Kaum mehr möglich wäre etwas wie "Henry/Georg/Krieg" 2014. Die größte "Schauspielweiden"-Produktion funktionierte in ihrem Spielort - der früheren Augustiner-Kirche - und war gespickt mit lokalen Bezügen. Künftig müsste sich jede Produktion daran messen lassen, dass sie auch in anderen Städten und auf handelsüblichen Theaterbühnen spielbar ist. Aber: Neu wäre das nicht. Auch "Das Meeting" hatte Brunner so konzipiert, dass es auf Tour gehen konnte. Damit das "Schauspielweiden" auf seine Kosten kommen könnte.

Wohlgemerkt: All diese Ideen Zörners sind noch lange nicht ausgereift. Allerdings sind Gespräche mit möglichen Partnern bereits geplant. Je nach deren Verlauf werde es weitere Schritte geben, sagt der Regisseur. In welche Richtung konkret - offen. Eines sei aber klar: Auch wenn sich der Charakter des "Schauspielweiden" ein wenig wandeln möge, auch wenn die Produktionen nicht mehr nur Exklusivprojekte für die Stadt sein könnten, der Name und die Bindung zur Stadt würden bleiben. Warum sollte es auch anders sein, sagt Zörner. "Wir wollen unsere Stücke machen und ein tolles Publikum haben. Und das haben wir in Weiden."
1 Kommentar
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Dieter Schmid aus Erbendorf | 15.04.2016 | 16:14  
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