"Herbert und Schnipsi" begeistern in Max-Reger-Halle
Der Wahnsinn im Alltäglichen

Der ganz normale Wahnsinn ist die Vorlage für ihre Komik: "Herbert und Schnipsi" nehmen das Eheleben nicht so ernst und am Freitag in der Max-Reger-Halle genüsslich auf die Schippe. Bild: Otto
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
01.02.2016
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Keine temporeiche Comedy mit minutiös platzierten Pointen, kein bissiges politisches Kabarett: Das Programm "Juchhu, glei schmeißt's uns wieder!" von "Herbert und Schnipsi" ist Old-School-Komik. Und der Freitagabend in der Max-Reger-Halle ist der Besucher gewordene Beleg dafür, dass es nach wie vor viele Fans dieses traditionsreichen Genres gibt.

Die Trommel auf dem Rücken, das Akkordeon in den Händen - der Einzug von "Herbert und Schnipsi", die auch privat ein Paar sind, kündigt ein "Spitzen-Aufgebot" an. Die Stimmung im Saal der Max-Reger-Halle ist bestens, auf und vor der Bühne. Von Anfang an holen die beiden Routiniers das Publikum mit ins Boot. So sollen die Zuschauer mit Applaus über die Rocklänge von Schnipsi abstimmen - je lauter das Klatschen, umso kürzer das Kleid.

Ehe ist ein Kraftakt


Während die Comedians von heute mit einer Armada von Trucks durch die Republik tingeln, passt die Kulisse von Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger-Meilhammer in einen handelsüblichen Kleinwagen. Ein Tisch, ein paar Stühle, natürlich die Instrumente und ein kleines Quietsche-Schweinchen - fertig sind die Bretter, die dem Paar seit über 30 Jahren die Welt bedeuten.

Vielleicht sind die beiden Komödianten genau deswegen so erfolgreich. Der Blick, den sie ihren Zuschauern gewähren ist herzerfrischend normal: Szenen einer Ehe durch die komische Linse. Der Wahnsinn des Alltäglichen. All die Dialoge könnte es so wirklich geben in deutschen Wohn- und Schlafzimmern.

Versteckte Breitseite


Da ist das mit Herbert und Schnipsi befreundete Pärchen, das sich frisch aus den Flitterwochen zurückgekehrt schon wieder trennen will. "Dann will ich aber auch die 250 Euro zurück, die wir ihnen geschenkt haben", fordert Schnipsi. Während sich Herbert als Familientherapeut betätigt und damit wie so oft der eigenen Gattin eine mitgibt. "Die Ehe, das ist ein ständiger Kraftakt. Sisyphosarbeit."

Auch die lieben Nachbarn werden aufs Korn genommen, deren Hund Brutus sich auf dem Fußabstreifer des Ehepaares erleichtert hat. Die perfide Rache geht auf: Der Vierbeiner bekommt Hackfleisch mit Abführmittel und dekoriert das Wohnzimmer der ungeliebten Tierfreunde von nebenan neu - in Braun.

Weitere Themen des Abends sind nicht minder alltäglich wie der Umgang mit Versicherungshaien oder Bewegungsmeldern auf öffentlichen Toiletten. Die Rollen auf der Bühne sind klar verteilt. Die etwas schrille Schnipsi ist die Frau für die lauteren Töne, unterstrichen von ihrer etwas arg klamaukigen Mimik. Herbert hingegen ist eher der Wolf im Schafspelz. Er wartet auf seine Stichwörter und kommentiert die Aussagen seiner Ehefrau - vermeintlich harmlos, aber immer mit einer "versteckten" Breitseite. Wirklich stark sind die beiden Komiker, wenn es musikalisch wird. Skurril und originell - auf den Spuren von Liesl Karlstadt und Karl Valentin. Das Lied über "das Tröpferl", das immer wieder daneben geht oder eine Ode an den Misthaufen - das Publikum geht begeistert mit. Ein Höhepunkt ist die bayerische Version von "Something stupid", das das Duett in "So was depperts" umgetextet hat.
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