Hubert Treml holt den englischen Dramatiker vom Sockel
Shakespeare: "Wou?", "A Goih"

Shakespeare wird hoffnungslos überschätzt, Hubert Treml dagegen begeistert: Mit seiner bissig-humorvollen Annäherung an den englischen Dramatiker, bei der natürlich der Oberpfälzer Dialekt nicht zu kurz kommt. Bild: Kunz

Er gilt als eine der größten Ikonen der Weltliteratur, der englische Dramatiker William Shakespeare. Für den Musikpoeten und Entertainer Hubert Treml ist der Hype um Shakespeare nur "Viel Lärm um nix."

"Er wor halt a guader Schwofler", charakterisiert der Regensburger mit Weidener Wurzeln das Genie in seiner neuen Show, die am Donnerstagabend im Innenhof der Regionalbibliothek Weltpremiere feierte. Nachdem er sich durch etliche Wälzer gearbeitet hatte, musste Treml feststellen, dass ihm die nötige Reife für Shakespeare fehle. "Ich bin wohl nicht gebildet genug."

Sich so zu outen, dazu gehört eine mächtige Portion Mut. "Aber man muss schon die Kirche im Dorf lassen." Die "Kernfusion", die manch ein Kritiker dem Dramatiker andichte, habe er nicht erkannt, winkt Treml ab. "Des is a wengerl so wie mit dem Bob Dylan, den S' auch ganz weit nach oben heben."

Unterhaltsamer Unterricht


Natürlich ist die persönliche Ansage nichts als dummes Gerede und Teil des Programms. Weiß man's? Ein Kabarettist ist schließlich gut beraten, sich an seinem Protagonisten zu reiben. Schließlich finden sich nur zwei Zuhörer, die den Finger heben und sich als Shakespeare-Experten ausweisen. Der Rest freut sich an Tremls kurzweiligem Unterricht.

Der hat sich ein halbes Jahr lang auf den Dichter vorbereitet, so lange wie andere aufs Abitur. Dass der Abend trotzdem ein äußerst vergnüglicher wird, liegt an der Art, wie Treml die Werke präsentiert, die er im Grunde auf ein einziges Gebräu reduziert: Nämlich auf den extra für die Show gebrauten "Schäix-Bier"-Zoigl. Und der schmeckt dem Publikum fast genauso gut, wie "Hamlet" oder die Romanze von "Romeo und Julia".

Treml trumpft mit Wissen auf, rezitiert unter anderem wie wild aus dem Eingangsmonolog von "Richard III.", trägt "Viel Lärm um nichts" und "Othello" vor. In allen Stücken geht es um Blut und Ehre, Liebe und Verrat. Fast immer biegt er die Texte ins Oberpfälzische. Und weil es hier kein Meer gibt, lässt er Wolken auch schon mal in den Tiefen des Flossenbürger Gaisweihers versinken. Shakespeare verbuchte ja nur deshalb Erfolge in seinem 3000-Zuschauer-Globe-Theatre, weil er Frauen von Männern spielen ließ, mutmaßt Treml und zitiert als Beweis aus "Hamlet": "Schwachheit, dein Name ist Weib." Die Leute, auch die Frauen, gehen begeistert mit.

Treml setzt auf bewährte Bühnenmuster, auf seinen unvermeidlichen Plakatständer, auf dem er schmiert und kritzelt. Zur "Konfrontation mit einer Zwiderwurzen", wie er "Der Widerspenstigen Zähmung" übersetzt.

Mitmusiker Robert Prill zeigt viel Disziplin, weil Treml bei seinen Erläuterungen oft abschweift. Voller Einsatz natürlich und immer wieder zur Gaudi der Zuhörer. Die lernen von Minute zu Minute hinzu. Dass der Oberpfälzer viel schneller zum Punkt kommt, als der elisabethanische Shakespeare mit seinem "Geschwafel" zum Beispiel.

Weniger ist mehr


Treml macht das klar, an der Unterhaltung zwischen Hamlet und Horatio. Letzterer behauptet, einen Geist gesehen zu haben. Aber anstatt Hamlet wie im Original weitschweifend auf vier Seiten faseln zu lassen, minimiert Treml dessen Reaktion auf nur drei Laute: "A wo!", "Wou?", "A Goih!"
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.