Hummel summt und brummt für Reger
Gustav-Mahler-Ensemble und die Geigerin Denisova würdigen den großen Kompnisten

Das hochsensibel musizierende Gustav-Mahler-Ensemble unter dem Dirigat Alexei Kornieko trägt maßgeblich zu dem gelungenen Konzert bei. Bild: Kunz

Von Peter Donhauser

Weiden. Konzert "In Memoriam Max Reger": Es gedenken am Samstag das Gustav- Mahler-Ensemble unter dem Dirigenten und Pianisten Alexei Kornienko, die Geigerin Elena Denisova, der Komponist Franz Hummel und die Chefin des Max-Reger-Instituts Susanne Popp. Die Musik in der Max-Reger-Halle beginnt in doppelter Bedeutung mit einem Paukenschlag: mit der rundum erfolgreichen Uraufführung des 2. Violinkonzerts, benannt "Poème in memoriam Max Reger" von Franz Hummel, geboren 1939 im damals oberpfälzischen Altmannstein. Hummel reflektiert Motive Regers, doch ist sein Opus beileibe keine billige Zitatsammlung nach dem Motto "Erkennen Sie die Melodie?"

Spannung und Atem


Natürlich erkennen wir das einleitende Solo-Paukenmotiv als Anspruch setzenden Bezug zu Beethovens Violinkonzert, schmunzeln wir beim Reger-Zitat der Mozart-Variationen op. 132. Wir verlinken die klagend fallenden Sekunden, die Doppelgriffe der Solovioline, die Achtel-Sechzehntel-Rhythmik mit Regers Motivik. Außen vor lässt Hummel weitgehend dessen Formmodelle und polyphone Satztechnik. Und das ist gut so: Es sichert sein Werk vor dem Muff einer Stilkopie. Die drei Teile - mit einer traditionell langsamen Mittelpartie - münden fugenlos (sic!) ineinander. Spannung und Atem reichen für beachtliche 38 Minuten.

Hummel hat sein Poème "spinnwebfein" (Reger) instrumentiert, immer herrscht eine faszinierende Durchhörbarkeit. Offensichtlich ist im sphärischen Mittelteil der Bezug zu den introvertierten, nachdenklichen, aber für Musik glühenden Facetten Regers. Der Schlussteil weckt Assoziationen zum schelmischen, ironischen, "urfidelen" Max. Enttäuschend beim vorgeschalteten Gespräch ist die eklatante Fehleinschätzung Hummels, Erläuterung wäre seiner Musik nicht förderlich. Da hat er mit Susanne Popp eine überaus kompetente, mit Werkvermittlung sehr erfahrene Musikwissenschaftlerin neben sich und bremst sie charmant aber dezidiert aus! Schade.

Souveräne Geigerin


Maßgeblichen Anteil am Gelingen hat das hochsensibel musizierende Mahler-Ensemble mit dem klar und umsichtig dirigierenden Kornieko. Last not least gibt die souveräne, an diesem Abend vielbeschäftigte Geigerin Elena Denisova Hummels Musik die nötige Feinnervigkeit wie Virtuosität. Nach der Pause präsentiert sie mit op. 117/8 "eines der Dinger, die absolut keine Gelegenheitsarbeiten sind" (Reger), nämlich Präludium und Fuge e-Moll für Violine solo. Trotz allen raumfüllenden Violintons hätte man dem Werk noch mehr dynamische und klangfarbige Marmorierung sowie makellose Intonation gewünscht.

Ratlosigkeit hinterlässt der Fremdkörper im Programm ohne einleuchtenden Bezug zu "In memoriam Reger", das biedermeierlich-brav frisierte Konzert F-Dur für Clavier (Kornienko), Violine und Streicher von Joseph "Papa" Haydn. Wie gut hätte hier ein solofreies Opus des Reger-Schülers Schulhoff oder die süffisant-ironische Serenade von Dag Wirén Platz gefunden! Dankbarer Applaus und zwei süffig zelebrierte Zugaben.
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