Humor direkt vom Erzeuger

Zum 30-jährigen Bühnenjubiläum stellt Deutschlands wahrscheinlich berühmtester Verb-Brecher, Silbenfischer und Vers-Sager seine neuen Kreationen aus dem Flunkerbunker vor. Mit "Reim Time" surft Willy Astor munter weiter auf der Schalk-Welle. Bild: Hagen Schnauss

Willy Astor ist ein Meister des Wortspiels, der Kalauer-König der deutschen Bühnenlandschaft - und ein exzellenter Musiker. Gerade hat er sein neuestes Album veröffentlicht: "REIM TIME" heißt das empfehlenswerte Stück.

Im Gespräch mit der Kulturredaktion erzählt Willy Astor, wie sein Humor funktioniert, dass Gags auch durch Krisen helfen können und wie er zum Vater der FC Bayern-Hymne "Stern des Südens" wurde.

Grüß Gott, Herr Astor. Fällt Ihnen spontan ein Wortspiel zur Griechenlandkrise ein?

Willy Astor: Da war am Ende nicht viel übrig vom Volk der Dichter und Denker. Es ist ihnen ganz schön feucht reingegangen von Schäubles Olymp. Da haben sie nach oben geschaut und gesagt: Oh nass is'!

Wie entstehen Ihre Nummern eigentlich? Fallen Ihnen Wortspiele ein, und Sie suchen sich das passende Themenfeld oder umgekehrt: Ein Thema interessiert Sie und dann denken Sie sich die Wortspiele dazu aus?

Astor: Beides kann ein guter Weg sein. Ich habe ja nicht das Kölner Seminar für Comedians belegt. Bei mir kommt der Humor noch direkt vom Erzeuger. Da gibt es keine Strategie. Ich bin Jäger und Sammler. Neue Einfälle schreibe ich mir schon immer in Ideenbüchern auf, um sie irgendwann für ein Programm zu verwenden.

Sie sind mehrfach ausgezeichneter Entertainer, aber auch leidenschaftlicher Musiker. Ist Ihnen eine Seite wichtiger als die andere?

Astor: Beide sind mir ungemein wichtig - wie zwei unterschiedliche Kinder, auf die ich gleich stolz bin. Ich möchte mich da nicht entscheiden. Und ich kann es auch nicht wirklich trennen. Das Komödiantische ernährt mich halt, mit der Musik wäre das schwierig. Aber die Leut' auf meinen Konzerten freuen sich schon, wenn ich am Ende noch zwei Lieder spiele.

Sie stehen jetzt 30 Jahre auf der Bühne. Gibt es Nummern von früher, für die Sie sich heute schämen?

Astor: Eigentlich nicht. Vielleicht ganz wenige. In den ersten Jahren waren meine Texte natürlich noch nicht so geschliffen wie heute. Aber die Nummern mit den Fußballernamen zum Beispiel sind heute noch für einige Lacher gut.

Stichwort Fußball - die Bayern-Hymne "Stern des Südens" stammt auch aus Ihrer Feder. Wie kam es dazu?

Astor: Ich konnte "FC Bayern, für immer Nummer 1" nicht mehr hören. Ich hatte zu Hause eine schöne Melodie komponiert, einen kurzen Refrain verfasst. Gemeinsam mit Stefan Lehmann, ein Freund - schon damals Stadionsprecher beim FC Bayern, habe ich den Text zum Lied geschrieben. Wie Rock 'n' Roller für Arme sind wir mit dem Moped zum Uli Hoeneß gefahren. Dem hat der Entwurf gefallen und dann hat er spontan gesagt: Das machen wir.

Was die Kunst betrifft, haben Sie da Vorbilder?

Astor: Ja, schon. Karl Valentin zum Beispiel, wobei der einen sehr strengen Humor hatte. Natürlich ist da noch Gerhard Polt oder auch Fredl Fesl. Und natürlich Dieter Hildebrand - der ist wirklich ein großes Vorbild.

Ihre Programme sind nicht in erster Linie für eine Kritik an den politischen Umständen bekannt. Trennen Sie für sich Kunst und Politik?

Astor: Wenn ich das Gefühl habe, dass ich eine politische Meinung unterbringen müsste, dann würde ich das auch tun. Ich bin ja auf jeden Fall ein politischer Mensch, aber ich will mich nicht wichtig machen. Es muss vom Gefühl her passen.

Glauben Sie, dass Humor helfen kann, Krisen durchzustehen?

Astor: Das ist definitiv ein ganz wichtiges Moment, um sich aus einem persönlichen Tief herauszuholen. Ringelnatz sagt: "Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt." Und wenn ich dann Menschen mit meiner Kunst drei Stunden in meinen Kosmos hole und zum Lachen bringe, den Alltag vergessen lasse - dann habe ich doch gute Arbeit gemacht.

An einer Redaktionstür hing einmal ein Zettel: "Willkommen in der Wortspielhölle". Wie ist denn die Temperatur in Ihrer "Hölle" nach dem Release von "Reim Time"? Höllisch heiß oder hat's sich erst einmal abgekühlt?

Astor: Es geht gleich weiter. So eine Kunst ist wie eine Droge, von der du ein Leben lang süchtig bleibst. Ich mache das sehr, sehr gerne. Wenn ich überhaupt von Routine sprechen würde - dann nur voller Wertschätzung und Leidenschaft für das, was ich tue.

Sie hatten jetzt 30-jähriges Bühnenjubiläum, haben unzählige Vorstellungen abgeliefert und eine lange Reihe von Tonträgern veröffentlicht - denkt man da über das Aufhören nach?

Astor: Nein, absolut nicht. Ich habe vorhin Dieter Hildebrand als Vorbild erwähnt, das gilt auch für die Ausdauer auf der Bühne. So gesehen bin ich nach 30 Jahren gerade erst auf meinem Zenit angelangt.
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